Lebensmittelindustrie
Barilla will noch diese Woche Fakten schaffen

Im spektakulären Übernahmekampf um Europas größte Bäckereikette Kamps will der italienische Nudel- und Backwarenkonzern Barilla früher als erwartet eine offizielle Offerte vorlegen. "Wir sind zuversichtlich bis Ende der Woche unser Angebot präsentieren zu können", sagte Barilla-Finanzchef Vittorio Ogliengo dem Handelsblatt. Bisher wurde ein Angebot erst Mitte Mai erwartet.

 

FRANKFURT/M. Nach Vorlage wird die offizielle Offerte zunächst vom Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel geprüft, das dazu maximal zehn Tage Zeit hat. Nach der Genehmigung muss Barilla mit dem Angebot sofort an die Öffentlichkeit.

Der Lebensmittelkonzern aus dem Parma hatte vor einer Woche angekündigt, mehr als 50 % der Anteile des Düsseldorfer Backkonzerns für 12 Euro je Aktie und damit das Unternehmen für einschließlich Schulden insgesamt 1,8 Mrd. Euro übernehmen zu wollen. Kamps wies jedoch das Angebot als zu niedrig zurück.

Ogliengo enttäuschte allerdings Hoffnungen auf eine kurzfristige Aufstockung der Offerte. "Das offizielle Übernahmeangebot wird bei 12 Euro je Aktie liegen", stellte der Finanzchef klar. Möglicherweise ist das letzte Wort im Übernahmepoker aber noch nicht gesprochen. Im Fall eines Gegengebots durch einen Wettbewerber will Barilla eine höhere Offerte prüfen. "Falls dieser hypothetische Fall eintritt, werden wir sehr ernsthaft überlegen, was wir tun." Viele Anleger spekulieren auf einen höheren Preis. Die Kamps-Aktie notierte gestern weiter deutlich über dem Angebot der Italiener.

Der Nudelkonzern hat laut neuem Übernahmerecht auch nach der Vorlage des offiziellen Angebots die Möglichkeit, seine Offerte aufzustocken. Während der Annahmefrist von vier bis zehn Wochen, kann Barilla noch nachlegen.

Die kaum verschuldeten Italiener verfügen nach eigenen Angaben über genügend finanziellen Spielraum. Barilla habe ungenutzte Kreditlinien über 1 Mrd. Euro, sagte Ogliengo. Das laufende Jahr werde die Holding der Barilla-Gruppe mit Verbindlichkeiten von rund 350 Mill. Euro abschließen.

Der Nudelkonzern, der im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 2,4 Mrd. Euro erzielte, kann bei der geplanten Übernahme auf die finanzielle Unterstützung der Bankgruppe Bipielle zählen. Bipielle wolle sich als Investor mit bis zu 49 % an der Operation beteiligen, hieß es. Barilla besitzt nach Angaben des Finanzchefs nur 2,07 % der Kamps-Anteile. Bankkreise gehen aber davon aus, dass die Italiener bereits rund 9 % über befreundete Adressen kontrollieren.

Ogliengo versicherte, dass Kamps nach einer Übernahme von den Italiener nicht zerschlagen werde und sich die Mitarbeiter keine Sorgen machen müssten. Auch für Firmengründer Heiner Kamps sei "immer ein Platz in der Organisation".

Auf der heutigen Hauptversammlung von Kamps will Barilla nicht offensiv um die Anleger werben. "Wir sind nur als Beobachter auf der Veranstaltung und wollen nicht selbst das Wort ergreifen", sagte Ogliengo. Dennoch verspricht die reguläre Hauptversammlung des Großbäckers mehr als eine reine Routineveranstaltung zu werden.Vorstandschef Heiner Kamps will auf dem Aktionärstreffen ausführlich seine ablehnende Haltung zum Übernahmeplan von Barilla erläutern.

Zwischen den Kontrahenten im Übernahmekampf ist der Gesprächsfaden vorerst abgerissen. "Im Moment gibt es keinen Anlass für uns, mit dem Kamps-Management zu sprechen", sagte Ogliengo.

Andere Unternehmen suchen dagegen nach Darstellung von Kamps den Kontakt zum Düsseldorfer Großbäcker. "Wir können bestätigen, dass sich eine Reihe von Unternehmen an uns gewandt haben", sagte ein Firmensprecher. Nach Handelsblatt-Informationen gibt es jedoch noch keine tiefer gehenden Gespräche mit Konkurrenten - die Verbindungen gehen nicht über erste Kontaktaufnahmen hinaus. Als Kandidat für ein Gegengebot im Übernahmekampf um Kamps gilt vor allem der US-Mischkonzern Sara Lee aus Chicago, der dies bisher jedoch nicht kommentieren wollte. Noch im Februar hatte Sara-Lee-Chef Steven McMillan Interesse an einer stärkeren Marktposition in Europa und insbesondere am Backwarengeschäft geäußert.

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