Lebensversicherer: Kommentar: Markt Pur

Lebensversicherer
Kommentar: Markt Pur

Wenn ein Unternehmenslenker hohe Risiken eingeht, kann seine Gesellschaft daran zu Grunde gehen – oder bei günstigem Verlauf der Dinge die Konkurrenz abhängen. Dieses Prinzip heißt Marktwirtschaft.

Wenn ein Unternehmenslenker hohe Risiken eingeht, kann seine Gesellschaft daran zu Grunde gehen - oder bei günstigem Verlauf der Dinge die Konkurrenz abhängen. Dieses Prinzip heißt Marktwirtschaft. Es gibt keinen Grund, dieses Prinzip nicht auch auf Lebensversicherer anzuwenden. Wenn Vorstände von Lebensversicherern im Jahr 2002, als die Baisse bereits anderthalb Jahre andauerte, noch an zweistelligen Aktienquoten festgehalten haben, gibt es keinen Grund, diesen Managern heute mit einer erneuten Erleichterung von Abschreibe- und Bilanzregeln zur Hand zu gehen, wie jetzt zum Teil von der Versicherungsbranche gefordert wird.

Zum einen würde damit die Leistung von verantwortungsvollen Versicherungsmanagern entwertet, die in der Baisse Verluste realisiert und dadurch Risiken aus ihren Bilanzen entfernt haben, um die Kundenansprüche jederzeit erfüllen zu können. Zum anderen wäre eine erneute Bilanzierungserleichterung ein fatales Signal an ausländische Investoren; denn der Finanzplatz Deutschland stünde wieder als Teil der "Deutschland AG" da, in der sich Politik und Wirtschaft je nach Bedarf gegenseitig helfen.

Eine Ursache für die Malaise einiger Anbieter beruht doch darin, dass die Branche ihr Produkt "Lebensversicherung" oft überfrachtet hat. Es ist dauerhaft nicht möglich, den Kunden eine hohe Garantieverzinsung zu versprechen und darüber hinaus stattliche Überschüsse in Aussicht zu stellen. Denn dies setzt risikobehaftete Investments voraus. Diesen falsch verstandenen Rendite-Wettlauf gegen Fonds, die keine Garantien finanzieren müssen, kann sich ein Lebensversicherer eine Zeit lang erlauben, wenn er über entsprechende Reserven verfügt. Die Baisse lehrt nun: Auf Dauer geht das schief. Auch für Lebensversicherer gilt, dass höhere Renditen mit entsprechend größeren Risiken erkauft werden müssen.

Deutsche Lebensversicherer waren - zu Recht - immer stolz auf ihr im internationalen Vergleich hohes Garantieniveau. Dann aber müssen sie auch ihre Anlagepolitik an den Garantien orientieren und Risiken begrenzen. Wer mit riskanten Aktienanlagen im Rendite-Wettlauf punkten will, darf nicht nach dem Gesetzgeber oder der Aufsicht rufen, falls er Gefahr läuft, die garantierte Verzinsung nicht mehr leisten zu können.

Dieser Hilferuf wird gerne mit der Bedeutung der Lebensversicherer einerseits für den Kapitalmarkt und andererseits für die Altersvorsorge von Millionen von Menschen begründet. Doch auch diese unbestreitbar richtigen Faktoren reichen nicht aus, einen Schutzzaun um die Lebensversicherer als Unternehmen in einer freien Marktwirtschaft zu ziehen.

Zum einen haben notleidende Versicherer bislang immer Unterschlupf bei einem stärkeren Wettbewerber finden können. Sollte dies aber einmal nicht möglich sein, steht die Branchenlösung "Protektor" bereit, um zu verhindern, dass Kunden Schaden nehmen. Man kann nur hoffen, dass der Ruf nach Bilanzerleichterungen nicht zu bedeuten hat, dass die Branche ihrer eigenen Auffanglösung nicht traut. Lebensversicherer haben auf Grund des wachsenden Vorsorgebedarfs hervorragende Marktchancen; Sicherheit und Garantien sind wertvolle Güter, die auch bei steigenden Börsen attraktiv bleiben sollten. Die Branche muss die Krise nutzen, sich auf diese alten Tugenden zurückzubesinnen.

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