Lebensversicherungen: Wer Rendite will, braucht Durchhaltevermögen
Gute Policen bringen bis zu 50.000 Euro mehr

Bei Kapital-Lebensversicherungen gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede. Die Differenz bei der Auszahlung am Ende der Laufzeit kann mehrere zehntausend Euro ausmachen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Stiftung Warentest.

DÜSSELDORF. Die Verbraucherschützer haben insgesamt 126 Angebote von 65 Versicherungen unter die Lupe genommen. Musterkunden waren 30-jährige Frauen und Männer mit einer Jahresprämie von 1200 Euro und einer Vertragslaufzeit von 30 Jahren. Testsieger der Untersuchungen waren die Debeka und Europa. Sie erhielten jeweils zweimal die Note "sehr gut". Jeweils fünf Angebote schnitten laut der Zeitschrift "Finanztest" mit guten Noten ab. Der Großteil der Tarife bekam allerdings nur den Stempel "befriedigend" oder "ausreichend". Und die Angebote der Karlsruher Hinterbliebenenkasse wurden lediglich mit "mangelhaft" bewertet.

Wer also vorschnell eine Kapital-Lebensversicherung abschließt, verliert möglicherweise sehr viel Geld. "Die Unterschiede bei den Produkten kann für den Kunden nach 30 Jahren die Summe von 40.000 bis 50.000 Euro ausmachen", sagt Peter Schütt, Leiter der Abteilung Finanzdienstleistungen bei der Stiftung Warentest. Der Grund für die Differenz: Die Gesellschaften verbrauchen einen unterschiedlichen hohen Anteil der Beiträge für Kosten. Die vorgeschriebene Mindestverzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil. Hohe Renditen sind nicht garantiert.

Wer Rendite will, braucht Durchhaltevermögen

Verbraucherschützer kritisieren unter anderem die Beispielsrechnungen der Versicherer. Damit demonstrieren die Unternehmen Interessenten, welche Leistungen sie zum Vertragsende erwarten können. "Die Kunden wissen damit wenig anzufangen", sagt Herman-Josef Tenhagen, Chefredakteur von der Zeitschrift "Finanztest". Je attraktiver die Zahlen seien, desto schneller unterschreibe der Kunde den Vertrag. Dadurch besteht die Gefahr, dass Prognosen geschönt werden. Gleich fünf Gesellschaften (BHW, DBV Winterthur, Generali Lloyd, Karlsruher und Karlsruher Hinterbliebenen) berücksichtigen keins der fünf Kriterien, die das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (BAV) aufgestellt hat: Beispielsweise müssen prognostizierte als auch garantierte Leistungen angegeben und über Entstehung, Verteilung und Verwendung der Überschüsse informiert werden. Tenhagen fordert deshalb "mehr Transparenz" von den Versicherungen.

Nach wie vor sind Lebensversicherungen ein Verkaufsschlager: 83 Millionen Verträge liegen nach Angaben der Deutschen Versicherungswirtschaft bereits in deutschen Schubladen. Mehr als die Hälfte aller deutschen Haushalte zahlen regelmäßig Beiträge für mindestens eine Kapital-Lebensversicherung. Kaum verwunderlich, denn das Konzept klingt gut: Durch die Kombination der sogenannten Erlebensfall- und der Todesfallleistung kann der Versicherte für zwei Fälle gleichzeitig vorsorgen. Er sichert seine Angehörigen im Falle seines Todes finanziell ab, und er spart mit einem Teil seines Beitrags eine Summe an, die er im Alter möglicherweise für seinen Lebensunterhalt benötigt.

Zudem hat eine Kapital-Lebensversicherung einen erheblichen Vorteil vorzuweisen: Die Auszahlung ist steuerfrei. Allerdings nur, wenn der Vertrag mindestens zwölf Jahre gelaufen ist, mindestens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt wurden und die Todesfallleistung mindestens 60 Prozent der garantierten Versicherungssumme entspricht.

Doch was die Versicherungsvertreter meist verschweigen: Wer Rendite will, braucht Durchhaltevermögen. Denn mit der Unterschrift unter den Vertrag verpflichtet sich der Kunde zu langfristigen Zahlungen. Wer aussteigen will oder muss, verliert Geld. Bei Kündigungen in den ersten Jahren der Laufzeit gibt es nicht einmal die Beiträge in voller Höhe zurück. Zudem macht der Sparvorgang die Absicherung von Angehörigen teuer. Viele Kunden vereinbaren deshalb im Falle eines Todes zu niedrige Leistungen, weil sie die Beiträge für das Gesamtprodukt sonst nicht zahlen können. Gleichzeitig mindert das versicherte Todesfallrisiko die Zahlungen für den späteren Lebensunterhalt, die der Kunde bekommt, wenn er das Vertragsende erlebt.

Grundsätzlich ist die Kapital- Lebensversicherung laut Stiftung Warentest für viele Verbraucher nicht das ideale Produkt zur Altersvorsorge und Absicherung der Hinterbliebenen. Geeignet sei die Versicherung nur für diejenigen, die über lange Zeiträume und einigermaßen sicher gut verdienen. Dann kann eine ordentliche Rendite erzielt werden.

Wer allerdings nicht Jahr für Jahr genug Geld übrig hat, und bereits heute mit Schwankungen in seinem Gehalt rechnet, sollte sich nach anderen Vorsorgeprodukten umsehen, rät Peter Schütt von der Stiftung Warentest. Etwa die Hälfte aller Kunden, die in den vergangenen Jahrzehnten eine Kapital- Lebensversicherung abgeschlossen haben, konnte oder wollte ihre Beiträge nicht bis zum Vertragsende aufbringen.

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