Leer-Käufer am Werk
Dax klettert und klettert

Die Standardwerte am deutschen Aktienmarkt bauen im Handelsverlauf am Dienstag ihre Gewinne immer weiter aus. Investoren, die zuvor Aktien leer verkauft haben, müssten diese jetzt zurückkaufen, erklären Händler die Aufschläge.

HB/vwd/ Reuters FRANKFURT. Um 16.18 Uhr MESZ verzeichnet der Dax ein Plus von 7,2 % bzw. 240 auf 3 572 Stellen. Der Neue Markt verringert seine Verluste ebenfalls und ermäßigt sich nach einem zeitweise deutlichen Minus aktuell um 0,1 % bzw einen Punkt auf 488 Stellen. Die guten Vorgaben von den US-Märkten beflügelten, heißt es zur Begründung. Am Morgen war der Dax noch auf 3235 Zähler gefallen, so tief wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Doch bereits vor der Eröffnung an Wall Street und Times Square hatten die deutschen Standardwerte deutlich zugelegt. Vor allem müssten Investoren, die zuvor Aktien leer verkauft haben, diese jetzt zurückkaufen, erklären Händler die Aufschläge.

Allianz gewannen 4,83 % auf 128,42 ?. Münchener Rück verteuerten sich um 5,55 % auf 181,02 ?. Einige Anleger nutzten offenbar die vermeintlich niedrigen Kurse zum Kauf, sagten Händler. Noch vor einem Monat hatte die Aktie der Münchener Rück bei 253 ? notiert, Allianz bei 210 ?.

Auch die Autowerte standen im Plus: BMW gewannen 6,11 % auf 39,05 ?. BMW-Chef Helmut Panke rechnet trotz der Konjunkturschwäche in den USA und Europa für dieses Jahr mit höheren Absatzzahlen. Auch Daimler-Chrysler stiegen um 5,58 % auf 41,28 ?. Volkswagen verteuerten sich um 5,26 % auf 45,19 ?.

BASF

-Aktien stiegen um 2,78 % auf 38,44 ?. Der weltweit größte Chemiekonzern dürfte nach Informationen der "Financial Times Deutschland" den Gewinn im zweiten Quartal merklich erhöhen. Dagegen fielen Bayer um 1,42 % auf 21,54 ?. Die Investmentbank UBS Warburg hatte das Kursziel von 37 auf 26 ? gesenkt.

Spekulation auf Double Dip

Die Nervosität der Anleger am deutschen Aktienmarkt spiegelt sich weiterhin in starken Schwankungen wider. Der VDax, der die Volatilitäten des Dax misst, liegt derzeit sogar über dem Niveau von Mitte September, als der Dax in Folge der Anschläge vom 11. September sehr hohen Schwankungen unterlag.

Generell spekuliere der Markt derzeit auf ein so genanntes "Double Dip", ein erneutes Abrutschen der US-Volkswirtschaft, sagte Aktienstratege Mitropoulos. Das belaste die Märkte. HSBC-Aktienstratege Volker Borghoff schrieb in einer Kurzstudie, nach den massiven Korrekturen bei den Gewinnschätzungen vieler Konzerne erscheine der deutsche Aktienmarkt noch immer nicht günstig bewertet. Daher habe der Dax weiteres Abwärtspotenzial.

Auto-Aktien gefragt

Gefragt waren in Frankfurt unter anderem die Automobilwerte. BMW-Chef Helmut Panke hatte am Vorabend bekräftigt, bis 2007 den weltweiten Absatz um rund ein Drittel auf über 1,3 Mill. Fahrzeuge jährlich steigern zu wollen. "Das wäre also eine Steigerungsrate von rund fünf Prozent pro Jahr, die ich für durchaus realistisch halte", sagte Analyst Stefan Greifeneder von der Bayerischen Landesbank. Man müsse aber beachten, wie die Steigerung zu Stande komme. "Wenn vor allem mehr kleinere Modelle verkauft werden wie der Mini oder die 1er Reihe, dann werden sich die Margen auch schwächer entwickeln." Die BMW-Aktien stiegen um knapp 4 % auf 38,20 ?.

Die Titel des Dax-Schwergewichts Siemens verteuerten sich um knapp 4 % auf 43,29 ?. Ein Analyst sagte, die Aktie habe mittlerweile eine günstige Bewertung erreicht und sei daher wieder attraktiv. Die Analysten von JP Morgan senkten allerdings ihre Siemens-Gewinnschätzungen für die Jahre 2003 und 2004 deutlich. Die zuletzt stark gebeutelten Aktien der Versicherer Allianz und Münchener Rück stiegen ebenfalls stark an. Es handele sich um eine technische Erholung, sagte ein Händler. Allein die Münchener Rück-Anteile legten 5 % zu, hatten allerdings am Montag auch 9 % verloren.

Pro-Sieben deutlich im Minus

Im MDax verloren ProSieben-Anteilsscheine knapp 6 % auf 8,10 ?. Zuvor hatten die Analysten von Morgan Stanley die Aktie des Medienunternehmens heruntergestuft. Auch Dyckerhoff-Anteile gaben deutlich nach und büßten mehr als 8 % ein. Die Ratingagentur Moody's denkt eigenen Angaben zufolge derzeit über eine Revision der Bonitätsbewertung des Wiesbadener Baustoffherstellers nach.

Was treibt den Dax um?

Daneben erwarten immer mehr Marktteilnehmer eine Zinssenkung in den USA und in Europa noch im laufenden Jahr. "Sollten die Leitzinsen von dem aktuell niedrigen Niveau noch weiter reduziert werden, kommt dies allerdings einer Kapitulation der Zentralbanken gleich", sagt ein Händler.

Diese Gemengelage hält Investoren trotz der bereits stark gefallenen Kurse von Engagements ab. Im Handel heißt es zudem, dass das Geschäft fast nur noch über derivative Produkte ablaufe. Strategische Käufe oder Verkäufe von Aktien seien kaum zu beobachten. Gerade institutionelle Anleger, wie Fonds oder Pensionskassen, hielten sich zurück. Doch erst wenn diese Akteure mit ihren großen Kapitalbeständen wieder in den Markt zurückkehrten, sei eine nachhaltige Erholung zu erwarten, sagte ein Analyst.

"Keiner kann voraussagen, wann der deutsche Aktienmarkt den Tiefpunkt durchlaufen hat", betonte ein Händler der SEB Bank. "Aber man soll nicht vergessen, dass der Dax weit von der 200-Tage-Durchschnittslinie entfernt ist. Eine technische Reaktion könnte daher unmittelbar bevorstehen", fügte er hinzu. Eine solche Erholung wird vor allem von Short-Eindeckungen getrieben. Investoren, die sich Aktien geliehen haben, um diese dann leer zu verkaufen, müssen im Falle steigender Kurse die Titel zurückkaufen. Daher können sehr kräftige Kurserholungen einsetzen. Mit strategischen - also zumindest mittelfristigen - Käufen hat dies nichts zu tun. Am Ende eines solchen Short-Squeeze folgt meistens wieder ein Rückgang der Notierungen.

Charttechnisch allerdings könnte das 5-Jahres-Tief am Dienstag auch einen Vorteil darstellen. Sollte der Dax am Abend über dem bisherigen Tief bei 3265 Punkten schließen, zeige sich im Chartbild erstmals ein mittelfristiges Stabilisierungsmuster, sagte ein technischer Analyst. Im Anschluss sei dann eine Erholung zumindest bis zu dem Niveau um 3900/4000 Zählern vorstellbar.

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