Leere Versprechungen
Ambitioniertes Personal-Portal HRgate lässt viele Wünsche offen

HRgate, ein neues Internet-Portal, will Personalmanager und Personaldienstleister zusammenbringen. Die Macher versprachen beim Start im Februar höchste Qualitätsstandards. Davon ist bis heute aber nichts zu sehen.

DÜSSELDORF. Als das erste Internet-Portal für Personalmanager im Februar startete, waren die Versprechungen groß: "Bei HRgate wird der Human Resource Manager die renommiertesten Dienstleister aus der Personalwirtschaft wiederfinden. Unser Angebot weist höchste Qualitätsstandards auf", sagte Andreas Kücker, der Geschäftsführer der Jobscout24 GmbH , zu der das Portal gehört. Ein Beirat mit namhaften Personalmanagern wie Heinz Fischer, Bereichsvorstand Personal der Deutschen Bank, und Thomas Sattelberger, Bereichsvorstand bei Lufthansa, sollte für Qualität bürgen.

Die Realität sieht anders aus. Im März schrieb Reiner Straub, Chefredakteur der Fachzeitschrift Personalwirtschaft: "In HRgate finden sich Dienstleister mit zweitklassiger, manchmal auch zweifelhafter Qualität."

Daran hat sich auch bis Mai nichts geändert. So kooperiert HRgate mit der zur Inline AG gehörenden Inline E-Academy, dem Unternehmen des umstrittenen Motivationsgurus Jürgen Höller. Der gelernte Speditionskaufmann lässt seine Teilnehmer auf Massenveranstaltungen Metallstangen verbiegen und trichtert ihnen unermüdlich ein, dass alles möglich sei. Den Beweis dafür, dass Unternehmen durch seine Shows erfolgreicher werden, konnte er bisher allerdings nicht erbringen, und auch der Inline AG selbst soll es nicht gut gehen. Seit Monaten kursieren Pleitegerüchte, die Höller natürlich dementiert.

Internet World nach Barcelona verlegt

Auch die News von HRgate zeugen nicht gerade von hoher Qualität. Hinter einer Meldung vom 22. März steht eine Pressemitteilung vom 31. Januar über die Kooperation von McGraw Hill Lifetime Learning und der Viviance New Education im E-Learning. Die Internet World in Berlin, Europas größte Internet-Messe, verlegte das Redaktionsteam kurzerhand nach Barcelona.

Sonst ist in dem Portal noch nicht viel zu finden. Wer die Stichworte Führung, Arbeitsrecht oder Allgemeine Themen unter "Instrumente" anklickt, wird bloß auf den Anbieter von Buchrezensionen "Get Abstract" verwiesen. Oder man stößt auf die Artikel-Zusammenfassungen von Managementwissen online.

Auf die Frage, wie das denn alles mit dem hohen Qualitätsanspruch zusammenpasse, reagiert Markus Lüdi, Gründer und wissenschaftlicher Berater von HRgate, ungehalten. Schließlich baue er HRgate in zehn Ländern auf und wisse daher nichts über die Details.

Lüdi träumt von der vituellen Personalabteilung

Der Ex-Personalchef der Schweizer Bank UBS spricht lieber von seiner Zukunftsvision, HRgate zu einer virtuellen Personalabteilung auszubauen, die die gesamte Wertschöpfungskette von der Rekrutierung über die Personalentwicklung bis zur Trennung abdecken soll. Dabei sichere man den Nutzern natürlich höchste Qualität zu.

"Es sind nur Produkte drin, die wir am Markt evaluieren und auswählen", erklärt Lüdi. So finde sich das Personalbeurteilungsverfahren CAPtain online auch im Katalog der Testzentrale des Hogrefe Verlags und dies sei schließlich ein ausreichendes Qualitätskriterium. Doch in dem Testkatalog 2000/01 sucht man vergeblich nach dem Test.

Auch Horst-Dieter Bruhn, Head of Content von HRgate und zuständig für Deutschland, wischt die Kritik beiseite: "Wir veröffentlichen die Pressemeldung dann, wenn sie uns zugeht. Für die meisten Kunden ist das trotzdem noch neu." Zudem bürge schließlich der Beirat mit Heinz Fischer und Thomas Sattelberger für Qualität.

Doch die sind beide längst wieder von ihrer Beiratstätigkeit zurückgetreten. "Die Grundidee von HRgate war gut, die jetzigen Inhalte sind zu hinterfragen", sagt Fischer. Auch Sattelberger ist nicht mehr gut auf HRgate zu sprechen. "Ich hatte den Eindruck, über die letzten Monate hinweg als Gallionsfigur missbraucht zu werden, ohne dass mein Rat und meine Forderung nach Qualitätssicherung umgesetzt wurden", sagt der Bereichsvorstand Service und Passage bei der Lufthansa.

Break-Even für November 2001 angestrebt

HRgate setzt dagegen weiter auf Expansion. Geplant seien Kooperationen mit einer Outplacement-Beratung und Anbietern von Web-Based Training. Außerdem habe man für "viel Geld" das im Luchterhand Verlag herausgegebene Personal Jahrbuch gekauft und dieses online gestellt.

Ursprünglich wollte man mit dem Verlag enger zusammenarbeiten. Doch nun will das weltweit agierende Medienunternehmen Wolters Kluwer, zu dem der Luchterhand Verlag gehört, unter dem Namen axperta.de im zweiten Halbjahr mit einem eigenen HR-Portal in Deutschland starten.

Bei HRgate müssen trotz der hohen Lizenzgebühren die meisten Leistungen extra bezahlt werden. Um das Portal attraktiver zu machen, setzt man auf die Koppelung mit der Stellenbörse jobscout24, an die der Gründer Lüdi das Portal verkauft hat. Wer als Unternehmen mit 100 bis 200 Mitarbeitern die Lizenzgebühren von 16 600 Mark jährlich zahlt, darf beliebig viele Stellenangebote in der Jobbörse schalten.

"Das Business-Modell der Jobbörsen ist ein Auslaufmodell", sagt Lüdi. Weil die Erträge nicht stimmten, entwickelten sich die Jobbörsen immer stärker zu Personalportalen. HRgate sei nur unwesentlich teurer als eine Jobbörse, deshalb liefe das Geschäft auch so gut. Von Februar bis Ende April habe man bereits 400 Kunden gewonnen und rechne mit weiteren Zuwächsen von 50 Prozent im Monat. Bereits im November soll der Break-even erreicht werden. Dabei sollen auch alle bisherigen Kunden der Stellenbörse jobscout24 auf das 20 Prozent teurere HRgate umgelenkt werden.

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