Lehmann beschwört Wende
BVB schwebt zwischen Anspruch und Realität

Bei Borussia Dortmund hat spätestens mit dem 0:2 zum Champions-League-Auftakt bei Arsenal London das große Rätseln eingesetzt. Der deutsche Fußball-Meister schwebt zwischen hohem Anspruchsdenken und knallharter Realität. "Wir haben heute nicht den Eindruck hinterlassen, als ob wir in Europa bis zum Ende mitspielen könnten", verklausulierte BVB-Torhüter Jens Lehmann Kritik an sich und den Seinen.

HB LONDON. Nach den Treffern von Dennis Bergkamp (62.) und Fredrik Ljungberg (77.) vor 34 907 Zuschauern im Highbury-Park war nicht nur dem Nationalkeeper klar: "Bei uns muss sich jeder weiter entwickeln - und das innerhalb einer Woche, wenn's geht."

Lehmann sehnt die schnelle Besserung bei den Schwarzgelben herbei, "schon gegen AJ Auxerre muss die Wende kommen". Die Franzosen sind am kommenden Mittwoch zweiter Vorrunden-Konkurrent der Westfalen in der europäischen "Königsklasse", und der Druck beim BVB ist groß. Der Dortmunder Clubchef Gerd Niebaum musste sich seine noch wohl gesetzten Worten beim Abschlussbankett gut überlegen: "Die Niederlage ist verdient, und die Leistung ist nicht so, als dass man auf ihr aufbauen könnte." Gern hätte Niebaum mehr gesagt, aber er wollte den Festgästen "den Abend nicht verderben".

Erklärungen gab es fast im halben Dutzend. Dem Team von Matthias Sammer fehlten gleich fünf Spieler: Lars Ricken, Otto Addo, Marcio Amoroso, Christian Wörns und Tomas Rosicky. "Diese Ausfälle können wir in der Breite nicht kompensieren", sagte der BVB-Cheftrainer, um im gleichen Satz frank und frei zu gestehen, dass es momentan einen enormen Nachholbedarf an vielem gibt: "Courage und Durchsetzungsvermögen haben gefehlt, wir müssen aus diesem Spiel lernen."

Es war bezeichnend, dass Arsenal-Torhüter David Seaman von den Profis des deutschen Meisters erst in der 86. Minute zu einer Parade gezwungen wurde. Der Angriff hing völlig in der Luft, aus dem viel gepriesenen Mittelfeld kam fast nichts. "Wir brauchen jetzt für den Kopf ein Erfolgserlebnis, einen Sieg, wir müssen einfach ein paar Tore schießen, dann ist der Knoten auch geplatzt", beschwor Vizeweltmeister Christoph Metzelder bessere Zeiten.

Die sollen nach nur einem Sieg in der Bundesliga neu erarbeitet werden, das "tägliche Brot, das wir am Samstag wieder backen müssen, ist jetzt das Wichtigste", erklärte Sammer die Partie bei Hansa Rostock zur vorläufig obersten Priorität. Erst danach dürfen die Meisterspieler wieder an europäische Aufgaben und die Zukunft denken, obwohl es schon kurz nach der Niederlage beim 12-maligen englischen Meister an Durchhalteparolen nicht mangelte.

"Das Ziel zweite Runde ist noch lange nicht in weiter Ferne" (Metzelder), "wir haben noch fünf Spiele, 15 Punkte sind noch zu vergeben, wir scheiden nicht in der ersten Gruppenphase aus" (Niebaum) - rund um den Borsigplatz will keiner die Hoffnung aufgeben, dass die Mannschaft ihren eigenen Ansprüchen endlich gerecht wird und mindestens unter die 16 besten Teams Europas rückt.

Doch bislang, da reagierte Dortmunds Sportmanager Michael Zorc mehr als ehrlich, "gibt es keinen Grund, zufrieden zu sein". Zumal auch Arsenal-Coach Arsène Wenger erstaunt über die Zurückhaltung der BVB-Profis in der Vorwärtsbewegung und im Tordrang war. "Ich habe während des Spiels niemals daran gedacht, dass wir nicht gewinnen könnten", reihte sich der 57-Jährige nahtlos unter den Kritikern der Dortmunder ein. Wenger-Kollege Sammer dachte da schon an eine sicherlich notwendige Konsequenz aus der Niederlage: "Schnell abhaken."

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