Lehmann steckt Pfiffe gelassen weg
Die neue Lust der Stürmer

Jürgen Klinsmann hat die Stürmer wach geküsst und lässt mit der neuen Angriffslust die Fans und sogar das deutsche Staatsoberhaupt von neuen Fußball-Sternstunden träumen.

HB LEIPZIG. Der eine hatte seinen Ruf als "Mr. Zuverlässig" unter Jürgen Klinsmann unterstrichen, der andere beendete in der "Joker"-Rolle unter dem neuen Bundestrainer seine neunmonatige Torflaute in der deutschen Nationalmannschaft. Nach dem 3:0 (0:0) gegen Kamerun im neuen Leipziger Zentralstadion strahlten Kevin Kuranyi und Miroslav Klose um die Wette und überhäuften Klinsmann mit Komplimenten. Das Stürmer-Duo konnte völlig zurecht vollkommen zufrieden sein.

Das war auch der Bundespräsident sparte nicht mit Komplimenten. "Wir müssen noch einiges verbessern. Aber wenn Jürgen Klinsmann so weiter macht, können wir 2006 Weltmeister werden", sagte Horst Köhler nach dem umjubelten Erfolg. Köhler nahm damit den Ball auf, den der Bundestrainer bei seinem Amtsantritt nach dem EM-Debakel im Sommer mit der damals belächelten Zielsetzung Titelgewinn ins Spiel gebracht hatte.

Klinsmanns mutige Philosophie, mit temporeichem Offensiv-Fußball die eigenen Spieler stark zu machen und die schwarz-rot-goldenen Zuschauer zu überzeugen, zeigt schon nach drei Siegen und einem Remis mehr Wirkung, als er selbst erhoffen konnte. "Die Art und Weise, wie die Mannschaft gespielt hat und wie sie Dinge umsetzt, die wir zuvor besprochen hatten, war wirklich toll", betonte der 40-Jährige. Teammanager Oliver Bierhoff hatte eine einfache Erklärung für den Schwung im neuen roten Trikot: "Die Spieler haben einfach Spaß."

Auch wenn der Vize-Weltmeister gegen ein desolates Team aus Kamerun, das mit einer provokanten Vorstellung den stillosen Rauswurf von Trainer Winfried Schäfer auslöste, erst spät durch die Treffer von Kevin Kuranyi (71.) und Miroslav Klose (78./88.) für seine Offensiv-Bemühungen belohnt wurde, waren 44 200 Augenzeugen im Stadion und im Durchschnitt 11,05 Mill. an den Fernsehschirmen begeistert. "Für uns war es sehr schön mitzuerleben, wie dann auch die Zuschauer mitziehen, wie sie es genießen und dahinter stehen", freute sich Klinsmann. Für die WM sei die Sympathie in der Bevölkerung sehr wichtig, betonte Bierhoff. Und die bekomme man vor allem mit einer attraktiven Spielweise.

Der Stilwandel wird dokumentiert durch die Wandlung der Stürmer von EM-Versagern zu WM-Hoffnungsträgern. Nach Kuranyi, der bereits sein fünftes Tor unter Klinsmann erzielte, platzte auch bei Klose der Knoten. Der Bremer traf nach neun Monaten Ladehemmung im neuen roten Dress gleich doppelt - und war somit der Mann des Abends. "Reinkommen, zwei Tore machen - davon träumt man. Ich habe wieder gezeigt, dass ich Fußball spielen kann", kommentierte der 26-Jährige seine Länderspieltreffer 17 und 18 im 43. Einsatz. "Wir haben in der ersten Hälfe schon gut gespielt, aber nicht so richtig an uns geglaubt. Dann hat der Trainer eine gute Halbzeitansprache gehalten, und der Glaube kam zurück", lobte der erst in der 62. Minute eingewechselte Bremer die Motivationskünste des Völler-Nachfolgers.

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