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Lehmann und Porto als große Sieger

„Bankdrücker“ Jens Lehmann, sein FC Arsenal London und der vom Glück begünstigte Titelverteidiger FC Porto waren die großen Gewinner in der Fußball-Königsklasse.

dpa HAMBURG. "Bankdrücker" Jens Lehmann, sein FC Arsenal London und der vom Glück begünstigte Titelverteidiger FC Porto waren die großen Gewinner in der Fußball-Königsklasse.

Während Porto dank Matchwinner Benni Mccarthy beim 2:1 über den FC Chelsea London den ersten Vorrunden-K.o. eines Champions-League-Siegers gerade noch abwendete, profitierte Lehmann beim klaren 5:1 seines FC Arsenal über Rosenborg Trondheim von erneuten dilettantischen Patzern seines Rivalen Manuel Almunia. Coach Arsene Wenger deutete an, dass Lehmann in der Liga gegen den FC Chelsea wieder erste Wahl ist. Almunia sei dem Nervenstress nicht gewachsen: "Ich glaube an sein großes Potenzial. Aber ich habe das Gefühl, dass er unter solch großem Druck steht, dass er derzeit nicht er selbst ist."

Die Torwart-Diskussion sei "zu einer nationalen Debatte geworden. Das ist nicht das Beste für einen Spieler", erklärte Wenger. Während der Coach seinen Keeper, der Rosenborgs Gegentor durch eine miserable Faustabwehr erst ermöglichte und in einer zweiten Szene ebenfalls schlecht aussah, nicht weiter abqualifizierte, ist der Spanier bei der Presse durchgefallen. "The Daily Mail" nannte ihn "Clown", "Mister Fehler" und "den irren Manuel" - und argwöhnte: "Holt die Gebetsteppiche raus, wenn Wenger weiter an dem Flattermann festhält." "The Sun" erkannte in ihm den "Unglücks-Torwart" oder den "Torwart aus der Hölle", der sich "von schlecht zu schlechter" gewandelt hat.

In der "Times" bekam allerdings auch Lehmann sein Fett weg. "Vor einer Woche hatte Arsenals Trainer einen schwachen Torwart, jetzt hat er zwei", schrieb die Zeitung. Lehmann wollte sich zur Leistung des Rivalen nicht äußern. Er saß 90 Minuten seelenruhig auf der Bank, dürfte ob Almunias Fehlerquote aber innerlich frohlockt haben. Dafür deutete er in der "Sportbild" mit unerwartet freundlichen Tönen an, dass sich sein Verhältnis zum Nationalteam-Konkurrenten Oliver Kahn vom FC Bayern München normalisiert hat. Kahn sei "einer der großen deutschen Fußballspieler". Vor dem Hintergrund hätte er es bei der WM 2006 "verdient, zu spielen. Zweifelsfrei. Aber was in eineinhalb Jahren ist, kann man nicht sagen. Jens Lehmann will auch spielen."

Umjubelt wurde in Porto vor allem Matchwinner Mccarthy. "Letzten Endes spielt es keine Rolle, wer die Tore schießt. Die Hauptsache ist: Porto steht im Achtelfinale", sagte der umjubelte Südafrikaner, der mit dem 100. Meisterliga-Tor des FC Porto dessen K.o. vier Minuten vor Schluss verhinderte. Wie schmal der Grat für den Club war, zeigen auch die Presse-Reaktionen. "Wir sind noch am Leben. Der FC Porto geht nicht in die Geschichte ein als der erste Titelverteidiger, der nicht einmal das Achtelfinale erreicht", meinte "O Jogo". "Der Champion ist wieder da", titelte "A Bola". Das "Jornal de Notícias" schrieb gar: "Der liebe Gott ist doch ein Porto-Fan."

José Mourinho war nach der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte frustriert. "Niemand will verlieren. Zum Glück konnten wir uns die Niederlage leisten und sind trotzdem Gruppenerste geworden", sagte der Chelsea-Coach. Der vom Liebling zum gehassten Mann gewordene Trainer, der vor der Partie Sorge um die eigene Sicherheit hatte, konnte aufatmen. Befürchtete Anfeindungen oder gar Ausschreitungen gegen ihn blieben aus. Vereinzelt gab es sogar Beifall.

Ganz anders beim FC Valencia. Dem Uefa-Pokalsieger, der diesen Titel "dank" des Champions-League-K.o. gegen den deutschen Meister SV Werder Bremen (0:2) und dem damit verbundenen Abstieg in den zweithöchsten kontinentalen Wettbewerb nun verteidigen kann, droht ein Nachspiel durch die Europäische Fußball-Union (Uefa). Claudio Ranieri könnte wegen Aufrufs zur Gewalt zur Rechenschaft gezogen werden. Valencias Coach sagte über den schwedischen Referee: "Anders Frisk hat alle nervös gemacht. Nun verstehe ich auch, weshalb sie ihm den Kopf gespalten haben." Er bezog sich auf einen Zwischenfall im römischen Olympiastadion, bei dem Frisk von einem Wurfgeschoss getroffen wurde und eine blutige Platzwunde am Kopf erlitten hatte.

Auf dem Rasen des Mestalla-Stadions gab es in den Schlussminuten handfeste Rangeleien. "Das Spiel wird dem Disziplinarausschuss der Uefa noch viel Arbeit bereiten", glaubt das Sportblatt "Marca".

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