Lehmann verhindert weitere Gegentore
Argentinien zeigt Nationalelf die Grenzen auf

Mit der ersten Niederlage im Weltmeisterschafts-Jahr hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Stuttgart ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. 45 Tage vor dem WM- Auftaktspiel in Sapporo gegen Saudi-Arabien verlor das Team von Rudi Völler dem ebenfalls stark ersatzgeschwächten WM-Favoriten Argentinien mit 0:1.

dpa STUTTGART. Vor 54 570 Zuschauern im Gottlieb Daimler-Stadion wurde das verbissen geführte Prestige-Duell der zweiten Garnituren durch einen Treffer von Juan Pablo Sorin in der 48. Minute entschieden. Jens Lehmann sorgte mit mehreren guten Paraden dafür, dass sich die Niederlage in Grenzen hielt.

Bis zur Nominierung des 23-köpfigen WM-Aufgebots am 21. Mai hat die Nationalmannschaft gegen Kuwait (9. Mai in Freiburg), Wales (14. Mai in Cardiff) und Österreich (18. Mai in Leverkusen) noch drei Mal Gelegenheit, ihre Form zu überprüfen.

Ein Dutzend Absagen hatten Rudi Völlers Vorhaben, im ersten ernsthaften WM-Test seine Stammformation für Japan und Südkorea einzuspielen, schon vorher einen Strich durch die Rechnung gemacht. Als Stammkräfte Nummer elf und zwölf hatten am Spieltag Dietmar Hamann wegen einer Sprunggelenksverletzung und der seit Tagen an einer Magen-Darm-Verstimmung laborierende Oliver Kahn passen müssen.

Dadurch hatte sich die Personalnot so verschärft, dass der Teamchef von seinen ursprünglichen Plänen für die Abwehr abrückte und im Deckungsverbund eine klassische Dreier-Kette mit Thomas Linke, Jens Nowotny und Christoph Metzelder aufbot. Kahns Ausfall brachte Lehmann schneller als erwartet den von Völler versprochenen Einsatz vor der WM. Der Dortmunder kehrte nach einjähriger Pause zwischen die Pfosten der DFB-Auswahl zurück und wirkte sicher und souverän.

Angesichts ähnlich vieler Ausfälle wie zuletzt im Test gegen die USA geriet das Duell mit dem zweifachen Weltmeister, der zuletzt im WM-Finale 1990 in Rom bezwungen worden war, zur Bewährungsprobe für die Wackelkandidaten. Bei Jörg Böhme überwogen dabei die Schwächen im Abwehrverhalten die guten Szenen in der Offensive und bei ruhenden Bällen. Nach der Pause kam für den Schalker der Dortmunder Lars Ricken.

Torsten Frings wurde eine Halbzeit lang häufig ins Spiel einbezogen. Sieben Minuten vor dem Ende feierte der für den Bremer eingewechselte Münchner "Löwe" Martin Max als zehnter Spieler unter Völler sein Länderspiel-Debüt.

Ihre stärksten Szenen hatte die deutsche Verlegenheitself in der Offensive, wenn schnell nach vorne gespielt wurde. Michael Ballack, als Ballverteiler direkt hinter den Spitzen so offensiv wie noch nie im DFB-Trikot, überzeugte zunächst durch großen Einsatz, verzettelte sich dann aber immer häufiger in einer erbitterten Privatfehde mit seinem Gegenspieler Matias Almeyda. In vorderster Front ging von Oliver Bierhoff mehr Torgefahr aus als von seinem Sturmpartner Miroslav Klose.

Probleme offenbarte die Elf immer dann, wenn die auch ohne ihre verletzt fehlende Achse Ayala/Veron/Batistuta phasenweise brillant kombinierenden Argentinier das Flügelspiel forcierten. Während der erstmals als Kapitän fungierende Nowotny sich gegen Claudio Lopez gut aus der Affäre zog, erwies sich Linke als Schwachpunkt. Mit seiner Rolle ohne direkten Gegenspieler war der Münchner überfordert und wurde nach 45 Minuten durch Frank Baumann abgelöst.

In einer verbissen geführten Begegnung bot sich den Gastgebern durch Linke die erste große Torchance. Der Münchner köpfte einen Eckball von Böhme in der 14. Minute an den Pfosten. Doch der Weltranglisten-Zweite blieb die Antwort nicht lange schuldig. Nach einem Dribbling von Pablo Aimar im Strafraum bewahrte Lehmanns Fußabwehr die Völler-Elf (17.) vor dem Rückstand.

Zwei Minuten später war der Dortmunder bei einem Kopfball von Claudio Lopez auf dem Posten. Ein energischer Einsatz von Böhme, der sich den Ball an der Strafraumgrenze erkämpfte, leitete Bierhoffs Chance (28.) ein, der an Caballero scheiterte. Acht Minuten vor dem Seitenwechsel klärte Lehmann mit der Faust beim Distanzschuss von Gustavo Lopez.

Drei Minuten nach Wiederbeginn wurde die deutsche Elf eiskalt erwischt. Nach einer Flanke von Gustavo Lopez war Sorin mit dem Kopf eher am Ball als der gerade eingewechselte Baumann und ließ Lehmann keine Chance. Nach dem Rückstand gelang es den Hausherren nicht mehr, gegen die mit der reiferen Spielanlage ausgestatteten Südamerikaner den nötigen Druck aufzubauen.

Ein Volleyschuss von Jens Jeremies (55.) und Ballacks knapp am Tor vorbeifliegender Freistoß (68.) waren die letzten Möglichkeiten zum Ausgleich. Dagegen hatte Lehmann auf der Gegenseite noch mehrfach die Gelegenheit, sich auszuzeichnen.

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