Lehrbuchfall für BWL-Studenten
Kommentar: Brokat vor dem Ende?

Steht Brokat vor dem Ende? Die vorläufigen Zahlen, die das Unternehmen an diesem Freitag vorgelegt hat, sind jedenfalls zum Gotterbarm'! Über 41 Mio Euro an liquiden Miteln verfügte das Stuttgarter Softwarehaus zum 30. Juni.

Zum 31. März betrug der Mittelbestand noch 88,7 Mio Euro. Wenn Brokat in diesem Stil weitermacht, ist die Insolvenz in nicht mal drei Monaten da. Der Umsatz, der im ersten Quartal noch knapp 43 Mio Euro betragen hatte, fiel im zweiten Quartal auf 28 Mio Euro. Gleichzeitig ging die Bruttomarge auf 30 Prozent von 44 Prozent zurück. Das Eigenkapital ist nahezu aufgebraucht. Alle Kennzahlen deuten darauf hin, dass Brokat derzeit wirtschaftlich zu Boden geht.

Ist Rettung möglich? Brokat hat schon vor einiger Zeit eingestanden, dringend einen weiteren strategischen Investor zu suchen. Zwar ist bereits Siemens mit drei Prozent an Brokat beteiligt, doch wollen die Münchener ihren Anteil (Sie werden schon wissen, warum) offenbar nicht ausbauen.

Unlängst machten Gerüchte über einen bevorstehenden Einstieg von IBM die Runde, worauf der Brokat-Kurs deutlich ansprang. Doch haben sich die Spekulationen bislang nicht bestätigt. Nach eigenen Angaben verhandelt Brokat derzeit mit Investoren über einen Einstieg.

Was Brokat zu bieten hat, sind gute Produkte und ein guter Kundenstamm. Trotzdem könnten mögliche Investoren versucht sein, eine Insolvenz abzuwarten, um sich dann preisgünstig zu bedienen.

Im Rücklick auf den Höhenflug und den tiefen Fall von Brokat stellt sich die Frage, wie es nur möglich war, dass ein Unternehmen mit solch hervorragenden Produkten auf einem boomenden Markt ein solches wirtschafliches Debakel erlebt. Vielleicht wird Brokat einmal zum Lehrbuchfall für Studenten der Betriebswirtschaft.

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