Lehre geschwänzt
„Einmaliger Vorgang“ - Professorin entlassen

Über viele Monate hat die Professorin Ute Herzfeld (42) die Lehre an der Universität Trier geschwänzt. Nun hat sie der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister entlassen. "Das ist ein einmaliger Vorgang", sagt Ministeriumssprecher Karl Josef Pieper in Mainz.

HB/dpa DÜSSELDORF/TRIER/MAINZ. Und auch Universitätspräsident Peter Schwenkmezger ist so etwas noch nicht vorgekommen. "Ich habe Frau Herzfeld das letzte Mal im Sommer 2002 gesehen", berichtet er.

Die 42 Jahre alte Geomathematikerin, eine anerkannte Expertin auf ihrem Gebiet, forscht lieber in den USA. Den Antrag der Beamtin auf den Aufenthalt dort hat die Universität laut Schwenkmezger nie genehmigt. Dann ist sie wohl trotzdem abgereist und soll - wie Studierende des Trierer Fachbereichs Geographie und Geowissenschaften wissen - an der University of Colorado in Boulder unterrichten. In Trier müssen die Studenten schon seit dem Wintersemester 2001/2002 ohne die Professorin auskommen.

"Sie hat es sich mit allen verscherzt", sagt Fachschaftssprecher Sven Altenburg (24). Die Entlassung "ist gerecht und zeigt, dass Professoren keine Narrenfreiheit haben". In den zehn Semestern seines Studiums habe die Forscherin immer wieder einmal gefehlt - zum Ärger der rund 1600 Studierenden des Fachbereichs. Ein Assistent von Herzfeld und andere Kollegen sind inzwischen als Ersatz eingesprungen.

Herzfeld kann der Entlassung vom 28. Februar noch widersprechen. Doch so viel Chuzpe traut der Wissenschaftlerin kaum einer an der Universität zu. Ministerium und Universitätsleitung haben sich ohnehin wohl über einen arbeitsrechtlich hieb- und stichfesten Kündigungsgrund abgesichert. Denn die Forscherin ist schriftlich nicht wegen ihrer Abwesenheit entlassen worden, sondern weil sie einfach nicht mehr auffindbar ist. Sie hat ihren Wohnsitz laut Recherchen des Ministeriums nicht mehr in Deutschland oder im Gebiet der EU.

Das schon im vorigen Jahr gegen die Beamtin eingeleitete Disziplinarverfahren ist damit hinfällig. Ministerium und Hochschule haben sich mit dem Weg der sofortigen Kündigung ein möglicherweise langwieriges Prozessieren vor Gericht erspart. Auch der materielle Schaden hält sich in Grenzen. Schon im Februar vorigen Jahres hatte der Wissenschaftsminister das Gehalt der hoch bezahlten C4-Professorin erstmals eingefroren.

Herzfeld fand sich Mitte 2002 noch einmal zu einem kurzen Gastspiel in Trier ein. Die Studenten hegten neue Hoffnung. Wenig später aber war Herzfeld wieder weg. Ihr Gehalt wurde erneut gestrichen. Ob die Stelle wieder besetzt wird, muss nach Darstellung von Universitätspräsident Schwenkmezger erst noch entschieden werden.

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