Lehren aus der Börsen-Baisse
Anleger schauen bei Tech-Titeln ernüchtert auf Gewinne

Die Kursblase bei Technologie-Aktien ist längst geplatzt, die Stimmung gegenüber den einst so hoch gejubelten Titeln bleibt mies. Die nicht abreißende Serie schlechter Unternehmensnachrichten - wie zuletzt von Yahoo - muntert die Laune von Anlegern auch nicht gerade auf.

rez HB FRANKFURT/M. Die Kursblase bei Technologie-Aktien ist längst geplatzt, die Stimmung gegenüber den einst so hoch gejubelten Titeln bleibt mies. Die nicht abreißende Serie schlechter Unternehmensnachrichten - wie zuletzt von Yahoo - muntert die Laune von Anlegern auch nicht gerade auf. Aber selbst wenn US-Notenbankchef Alan Greenspan die Leitzinsen nicht senkt, weil die US-Wirtschaft stabiler als erwartet sein könnte, bleiben die Kurse auf Talfahrt. Ein typisches Bärenmarkt-Verhalten, urteilt Andrew Spencer, Leiter Aktien beim angelsächsischen Fondshaus JP Morgan Fleming: "Gute wie schlechte Nachrichten wirken negativ auf den Markt."

Dabei werde die Börsenmusik für die ganze Welt nach wie vor in den USA gespielt: Die europäische Wirtschaftslage sieht zwar fundamental deutlich besser aus, aber die Anleger scheint das nicht zu interessieren. Vor allem die Nasdaq regiere die Aktienmärkte dieser Welt, sei die vorherrschende Ansicht.

Während institutionelle Anleger wie Fonds auf Grund des Performance-Drucks früh kalte Füße bekommen hätten, seien viele private Anleger im vergangenen Jahr noch relativ gelassen geblieben, sagt Björn Becker, Aktienstratege bei der Commerzbank. Doch in den vergangenen Wochen hätten nun auch viele unter ihnen trotz niedriger Kurse verkauft. Tagesgeld gehöre aktuell zu den beliebtesten Anlageformen.

Zu den wichtigsten Lehren aus dem Baissejahr gehört für Spencer, dass Technologie-Aktien deutlich zyklischer sind als die als klassisch konjunkturabhängig angesehenen Auto und Stahlaktien. Bernd von Winter, Aktienstratege von der Deutschen Bank, stimmt zu: Vor einem Jahr noch habe man geglaubt, das Wachstum der Tech-Firmen könne auch von steigenden Zinsen und einer sich abschwächenden Konjunktur nicht getrübt werden.

Vor einem Jahr wollten Investoren nur hören, "Tech ist gut", meint Spencer. Die Kurse erreichten Niveaus, die keiner mehr rechtfertigen konnte. Das passiere leicht, wenn gesellschaftliche Innovationen eingeführt würden, deren wirklichen Wert man noch nicht kenne. In der ersten Euphorie über die Neuerung werde ein versteckter Wert angenommen und zum Beispiel auf Marken oder auf Wachstumschancen gewettet. Diese Phänomene wiederholten sich von Zeit zu Zeit wie bei der Erfindung der Eisenbahn oder des Radios.

Teils seien zu euphorische Analysen basierend auf Wachstumsaussichten geschrieben worden, kritisiert Becker. Im Zuge der US-Leitzinserhöhungen und der sich abkühlenden US-Konjunktur drehte dann vor einem Jahr die Nasdaq, riss Tech-Aktien weltweit mit sich und bescherte Investoren und Analysten Monat für Monat größere Ernüchterung.

Überzogene Ertragserwartungen wie "eine Aktien sollte sich innerhalb einiger Monate verdoppeln", gehörten daher nun der Vergangenheit an, sagt von Winter. Heute schauten Anleger streng auf realisierte Gewinne.

Die Kurskorrektur an den Aktienmärkten ist nach Auffassung vieler Marktbeobachter zwar noch nicht beendet. Wenn aber die Konjunkturindikatoren in den USA wieder auf eine Erholung hindeuten - was Ökonomen im Sommer für wahrscheinlich halten, könnte die Stimmung an den Aktienmärkten über Nacht wieder drehen, meint Spencer. Als Auslöser sieht er sinkende US-Leitzinsen.

Vor allem institutionelle Anleger dächten mit Blick auf ihre hohen Cash-Positionen bereits wieder konkret ans Kaufen, sagt von Winter. Für Europa erwarten Analysten bereits im 2. Quartal eine Trendwende. Und die extrem überverkauften Technologieaktien könnten sich dann im Jahr 2001 besser als der Markt entwickeln, meint Spencer.



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