"Leicht rotes Ergebnis" möglich
Daimler verbucht Milliardenlast für Chrysler

Die Daimler-Chrysler AG nimmt nach Angaben aus Firmenkreisen für die Umstrukturierung ihrer US-Tochter Chrysler für 2001 eine Einmallast im Volumen von 2,5 bis drei Mrd. Euro in Kauf.

Reuters FRANKFURT. Dabei dürfte der Einmalaufwand eher an der unteren Grenze dieser Spanne liegen. Der Aufwand wird auch das Konzernergebnis belasten. Im schlimmsten Fall werde sich nach Steuern ein "leicht rotes Ergebnis" ergeben. Zudem wolle DaimlerChrysler seine Führungsstruktur ändern und Konzernchef Jürgen Schrempp seine Kontrolle über das Autogeschäft stärken. Ein Konzernsprecher lehnte auf Anfrage jede Stellungnahme ab. Die DaimlerChrysler-Aktie gewann gegen den Markttrend leicht an Wert.

Insgesamt werde versucht, so viel Einmalkosten wie möglich für den Chrysler-Umbau schon im laufenden Jahr zu verkraften, verlautete aus den Kreisen weiter. Mögliche Kosten für eine ebenfalls geplante Restrukturierung des japanischen Partners Mitsubishi Motors seien darin noch nicht enthalten. "Dort ist der Aufwand aber erheblich niedriger", hieß es. Die Zeitung "Financial Times" berichtete, unter dem Strich würden die Restrukturierungskosten etwa drei Mrd. Euro betragen.

Ein Firmensprecher verwies auf Anfrage lediglich auf die Bilanzpressekonferenz am kommenden Montag. Zuvor wird sich am Freitag der Aufsichtsrat mit der Geschäftslage und den Umstrukturierungsplänen befassen. Ob DaimlerChrysler im Anschluss an die Sitzung bereits Informationen über die Vorhaben veröffentlichen wird, ließ der Sprecher offen. "Wir werden über Entscheidungen informieren, sobald sie vorliegen", sagte er nur.

Austausch von Fahrzeug-Plattformen

Zuletzt hatte es aus Kreisen des Konzerns auch geheißen, dass es voraussichtlich eine umfassenden Austausch von Fahrzeug-Plattformen zwischen Chrysler und Mitsubishi geben werde, um Kosten zu sparen. Zudem würden voraussichtlich verstärkt Mercedes-Teile in größere Chrysler-Pkw eingebaut, um deren Qualitätsimage zu stärken. Das "Wall Street Journal" berichtete, in Betracht gezogen werde auch der Einbau von Mercedes-Motoren bei Chrysler, um die Fahrzeuge von der Konkurrenz abzuheben.

Im Geschäftsjahr 2000 war der operative Konzerngewinn nach vorläufigen Zahlen wegen der Ertragsprobleme bei Chrysler um die Hälfte auf 5,2 Mrd. Euro eingebrochen. Nach Steuern hatte DaimlerChrysler begünstigt durch Einmalerträge einen Überschuss von 7,9 Mrd. Euro ausgewiesen. Die US-Tochter Chrysler war im zweiten Halbjahr 2000 mit einem Minus von schätzungsweise zwei Mrd. Euro tief in die Verlustzone gerutscht. Nach früheren Angaben aus Firmenkreisen ist eine Rückkehr der Sparte in die Gewinnzone etwa zur Jahresmitte 2002 zu erwarten.

Neuer Ausschuss gegründet

Aus Kreisen des Unternehmens wurde am Mittwoch unterdessen zudem bekannt, dass mit dem "Executive Automotive Committee" ein Ausschluss gegründet werden soll, der unter Führung Schrempps alle strategischen Belange des Autogeschäfts steuert. Die bisherigen Ausschüsse, die noch getrennt nach Zuständigkeiten etwa für den Vertrieb, die Zusammenarbeit mit Chrysler und mögliche gemeinsame Projekte mit dem japanischen Partner Mitsubishi organisiert waren, seien nicht effizient gewesen. "Schrempp ist dadurch noch näher am Geschehen", hieß es in den Kreisen. Der Vorstandschef selbst werde die entscheidende Stimme in dem Gremium haben. Die Informationen deckten sich mit einem Bericht der "Financial Times" vom Mittwoch. Der Firmensprecher lehnte auch hierzu eine Stellungnahme ab.

Nach Medienberichten ist beim japanischen Partner Mitsubishi ein Abbau von mehreren tausend Arbeitsplätzen geplant. Die japanische Wirtschaftszeitung "Japan Industrial Journal" berichtete von einem angeblich geplanten Abbau von 15 % oder 9600 der rund 65 000 Arbeitsplätze. Die "Wirtschaftswoche" berichtete von Plänen zum Abbau von 8000 Stellen bei Mitsubishi. Ein Mitsubishi-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab und verwies auf den kommenden Montag, an dem auch das Konzept für Mitsubishi bekannt gegeben werde.

Die DaimlerChrysler-Aktie begab sich nach dem Bekanntwerden der Aussagen aus den Kreisen über die Einmallast auf eine kurze Achterbahnfahrt. Der Kurs der Aktie dreht kurz ins Minus, erholte sich dann aber wieder. Am frühen Nachmittag wurde die Aktie mit einem Plus von 0,6 % bei 56,90 Euro wieder in etwa zu den Preisen gehandelt wie zuvor. Das Börsenbarometer Dax lag zum gleichen Zeitpunkt mit 1,5 % im Minus. Analysten sagten, der aus Kreisen bekannt gewordene Umstrukturierungsaufwand liege in etwa im Rahmen der Erwartungen.

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