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Leicht verschätzt

Das Ganze besteht aus Einzelheiten - die Einzelheiten ergeben das Gesamtbild. Da kommt eines zum anderen. Sie sind nicht zu beneiden, die Experten, die Volkswirte und Analysten beispielsweise. Sie verdienen an der Wall Street ein Heidengeld und müssen Aktien, Branchen und Wirtschaftsindikatoren unter die Lupe nehmen. Manchmal sind sie dabei richtig gut. Da werden Konjunkturzuwächse auf das Zehntelprozent genau vorhergesagt, Gewinne von Unternehmen richtig prognostiziert. Meistens - zumindest aber sehr oft - liegen sie daneben. Das war nicht nur vor kurzem bei der Vorhersage des Bruttoinlandsprodukts so, da lagen die Prognosen meilenweit daneben. Das traf auch am Freitag für die Einzelhandelsumsätze zu. Denn: So sparsam, wie es immer befürchtet wurde, waren die Amerikaner gar nicht. Sie haben im April kräftig eingekauft.

Das Konsumentenvertrauen nimmt wieder zu. Das erste Mal seit Monaten. Eigentlich erstaunlich, denn die Arbeitslosigkeit steigt und so etwas drückt Stimmung und Zuversicht. Die Fragen aus der Quizshow "Wer wird Millionär" sind dagegen ein Klacks, denn die Millionenfrage lautet in diesem Fall: was macht Alan Greenspan am kommenden Dienstag? Die Börsen werden zurzeit aus einem paradoxen Grund belastet. Weil nämlich all die vielen Wirtschaftsdaten ganz ordentlich ausfallen, könnte der Notenbankchef bei der nächsten Zinssitzung weniger tatkräftig zur Sache gehen. Die Investoren wollen eine Leitzinssenkung um weitere 50 Basispunkte. Doch vielleicht reichen Greenspan auch nur 25 Basispunkte.

Unterdessen erhielt die Hoffnung auf eine baldige Erholung der Weltwirtschaft durch die überraschende Zinssenkung der Europäischen Zentralbank wieder Futter. Marktteilnehmer sehen nun die Chance, dass sich die Weltwirtschaft schneller von ihrem Abschwung erholen wird als erwartet. Nun hilft Europa mit, das Ruder bei der globalen Konjunkturflaute herum zu reißen. "Das bedeutet, dass die US-Notenbank nicht mehr die ganze Arbeit machen muss", sagte ein Volkswirt von Merrill Lynch.

Dell, der weltgrößte Direktvertreiber von Computern, will im nächsten halben Jahr bis zu 4000 Arbeitsplätze streichen und damit rund zehn Prozent der Belegschaft. Die Gewinnprognosen für das erste Quartal werde Dell aber erfüllen können, hieß es. Die Quartalszahlen werden am 17. Mai gemeldet.

Unerfreulich sah es bei Online-Händler Amazon aus. Vorstandschef Jeff Bezos scheint nicht mehr an das eigene Unternehmen zu glauben und verkauft Amazon-Aktien. Große Pakete im Februar und nun schon wieder. Zudem rieten die Analysten von Prudential den Investoren das Papier zu "verkaufen". Microsoft hat nun endlich das Geheimnis gelüftet, wann das neue Betriebssystem auf den Markt kommt. Windows XP wird ab Ende Oktober in den Regalen stehen. Darüber zeigten sich einige Anleger enttäuscht, rechneten sie doch mit einem früheren Termin.

Der Flugzeughersteller Boeing wird seinen Firmensitz verlegen. Chicago bekam den Zuschlag. Der Umzug von Seattle gilt vor allem als symbolischer und psychologischer Schritt. Boeing will näher an die Finanz- und Politikmetropolen der Ostküste rücken und unterstreichen, dass der Konzern nicht nur ein Flugzeughersteller ist, sondern auch ein breit gestreutes Technologieunternehmen.

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