Leichtathletik
Friedek muss Olympia-Hoffnungen begraben

Obwohl Charles Friedek zweimal die 17-Meter-Hürde der Olympianorm gepackt hat, darf der Ex-Weltmeister im Dreisprung nicht seine Koffer für die Olympischen Spiele in Peking packen.

Der 36-Jährige scheiterte am Mittwoch mit einem Einspruch gegen seine Nicht-Nominierung durch den Deutschen Olympischen Sportbund (Dosb) vor dem 4. Zivilsenat des Oberlandesgerichts (OLG) in Frankfurt/Main. Seine beiden Weiten vom Wettkampf am 25. Juni im niederrheinischen Wesel (17,04 und 17,00) kommen keiner doppelten Olympia-Normerfüllung gleich, weshalb der Leverkusener nicht nachnominiert werden muss. Damit bleibt es beim 439-köpfigen deutschen Aufgebot für die am 8. August in der chinesischen Hauptstadt beginnenden Sommerspiele (bis 24. August).

"Das ist eine riesengroße Enttäuschung. Jetzt werde ich meine Karriere nach der WM 2009 in Berlin beenden", sagte Friedek, der bereits dreimal bei Olympia dabei war, ohne jedoch in Medaillennähe gekommen zu sein. 2000 in Sydney war er als Mitfavorit im Finale verletzungsbedingt ohne gültigen Versuch geblieben.

Gericht stärkt Nominierungshoheit des Dosb

Mit der Entscheidung nach 90-minütiger Verhandlung unter Vorsitz von Richter Dieter Fritz stärkte die Kammer auch die Nominierungshoheit des Dosb. "Er hat nicht gegen seine eigenen Grundsätze verstoßen oder willkürlich gehandelt", erklärte Gerichtssprecher Ingo Nöhre. Zuvor hatte Richter Fritz in der Verhandlung dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) jedoch empfohlen, seine Nominierungsrichtlinien zukünftig eindeutiger zu fassen.

Friedek, der vom Heidelberger Rechtsanwalt Michael Lehner vertreten wurde, war erst nach einer Einstweiligen Verfügung des Deutschen Sport-Schiedsgerichts durch den DLV für Peking vorgeschlagen worden. Der Dosb berücksichtigte den Weltmeister von 1999 jedoch nicht. Daraufhin strebte Friedek erneut eine Einstweilige Verfügung an - dieses Mal gegen den Dosb und vor dem Landgericht Frankfurt, bekam sie aber nicht. Erfolglos blieb nun auch die Beschwerde gegen den Ablehnungsbescheid vor dem OLG.

Nominierungsrichtlinien nicht eindeutig

Der Dreispringer argumentierte, er habe wie in den DLV-Nominierungsrichtlinien verlangt, die doppelt geforderte Olympianorm von 17,00 zweimal erreicht - allerdings in einem Wettkampf. DLV und Dosb pochten jedoch auf Erfüllung bei zwei Veranstaltungen, was aus den Nominierungsrichtlinien allerdings nicht eindeutig hervorging, laut DLV-Präsident Clemens Prokop sich aber aus dem Regelwerk ergibt. "Die Auslegung der Nominierungskriterien ist eine Ermessensentscheidung des Dosb, die das Gericht nicht vollständig überprüfen kann", sagte dazu Gerichtssprecher Nöhre.

Richter Fritz hatte während der Verhandlung betont, die zweite Normerfüllung diene dem Nachweis von Konstanz, weshalb sie in einem zweiten Wettkampf erfolgen sollten.

© SID

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