Leichtathletik
Multitalent Ingrid Mickler-Becker wird 60

Sie war ein Riesen-Sprung- und Sprinttalent, und machte auch auf (sport-)politischer Ebene Karriere

HB/dpa STUTTGART. "60? Das muss jemand anderes sein", kokettiert sie mit ihrem Alter. "Ich fühle mich ganz anders - das muss eine 40 sein." Trotzdem hat die frühere Staatssekretärin im rheinland-pfälzischen Ministerium für Familie, Sport und Soziales das Ende ihrer Funktionärslaufbahn in Sicht: Als aktives CDU - und persönliches NOK-Mitglied will sie in fünf Jahren aufhören und sich mehr ihrer Familie und dem Golfsport widmen: "Mit 65 muss ich meine Dinge erledigt haben."

Das Alter war für Ingrid Mickler-Becker noch nie ein Maßstab - das gilt auch für den Machtkampf an der NOK-Spitze. Was der 73 Jahre alte Präsident Walther Tröger geleistet habe, so die frühere Leichtathletin, "ist ja nicht wenig". Die Inhalte von Herausforderer Manfred Steinbach (48) "kenne ich nicht". Für sie geht es nicht um einen Generationswechsel, "sondern ich habe nach qualitativen Dingen zu entscheiden".

Viel mehr scheint Ingrid Mickler-Becker die Olympia-Bewerbung zu beschäftigen. "Es ist mein großer Wunsch, dass Deutschland wieder als Gastgeber tätig wird. So gute Bewerber wie dieses Mal hatten wir seit München nicht." 1972 gehörte die für den USC Mainz startende Sprinterin der legendären 4 x 100-Meter-Staffel an, die überraschend das DDR-Quartett um Renate Stecher bezwang. Mit einer Sondergenehmigung als 17-Jährige hatte sie bereits 1960 in Rom an ihren ersten von vier Olympischen Spielen teilgenommen, wurde Neunte im Hochsprung sowie Achte im Fünfkampf. Vier Jahre später in Mexiko City triumphierte sie im Fünfkampf.

Ingrid Mickler-Beckers Goldmedaillen sind heute meist zu Ausstellungen unterwegs. «Ich könnte gar nicht sagen, wie die aussehen. Die muss man auch nicht immer in der Hand haben.» Was auch seine Vorteile hat: Zwei befreundete rumänische Olympiasiegerinnen hatten ihr mal geraten, das Edelmetall nicht zu häufig zu putzen, damit nicht dessen wahrer Kern zu Tage kommt: "Die beiden hatten nur noch Silbermedaillen und waren fürchterlich traurig."

Die Mutter des 26-jährigen Philipp wohnt heute in Zornheim, der höchstgelegenen Weinbaugemeinde Rheinhessens. "Ich war immer ein bisschen Minimalistin, man kann auch sagen: Ich habe ein gutes Management", sagt sie. So habe sie für das Training früher im Vergleich zu anderen Athleten sehr wenig Zeit aufgewendet. Nur eines hat Ingrid Mickler-Becker nie hinbekommen: das Joggen. "Ich krieg das nicht gebacken. Für mich waren früher ja schon die 200 Meter ein Marathon. Aber vielleicht kommt das noch."

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