Leichte Belebung auf Nordatlantik- und Ausienrouten
Lufthansa-Chef Weber sieht Anzeichen der Erholung

Die Deutsche Lufthansa sieht nach Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Jürgen Weber im internationalen Luftverkehr erste Anzeichen einer Erholung, rechnet im Gesamtjahr 2003 aber dennoch weiterhin mit einem operativen Verlust.

Reuters WASHINGTON. "Aus heutiger Sicht, wenn jetzt nicht was ganz Neues, Schreckliches passiert, dann haben wir die Talsohle durchschritten", sagte Weber im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntagabend in Washington. Die Lufthansa tue ihr Bestes, den Verlust in diesem Jahr so gering wie möglich zu halten. Eine konkrete Zahl sei derzeit jedoch nicht vorherzusagen, betonte der scheidende Konzernchef.

Die weltweite Konjunkturschwäche, Angst vor Anschlägen besonders infolge des Irak-Krieges sowie zuletzt die Lungenkrankheit SARS lasten schwer auf der internationalen Luftfahrt. So rechnet die Lufthansa nach einem operativen Verlust von 415 Mill. Euro im ersten Quartal auch im Gesamtjahr 2003 mit einem Fehlbetrag. Weber bekräftigte aber den Willen seines Unternehmens, trotz der Geschäftskrise keine Stellen abzubauen. "Das ist unsere Strategie im Gegensatz zu vielen anderen, die Menschen an Bord zu behalten", sagte er.

Auf einigen wichtigen Flugrouten zeigten sich immerhin erste Anzeichen der Belebung, fuhr Weber fort. "Die deutlichsten Zeichnen sind auf dem Nordatlantik zu sehen, aber auch in Asien - zum Beispiel Singapur - gibt es erste Zeichen der Normalisierung." Aus diesem Grund würden einige der von der Lufthansa und ihren regionalen Partnern im Zuge der Krise stillgelegten Flugzeuge wieder in den Verkehr gebracht. "Die ersten sind schon wieder in Betrieb genommen." Die Lufthansa hatte zur Bewältigung der schlechten Geschäftslage ihre Kapazitäten massiv reduziert.

Verlust so gering wie möglich halten

Weber betonte, dass die Lufthansa alles daran setze, den Fehlbetrag in diesem Jahr so gering wie möglich zu halten. "So, wie dieses Jahr angelaufen ist, mit dieser Belastung, ist aus heutiger Sicht, nicht davon auszugehen, dass wir ein positives Ergebnis machen", sagte der Vorstandschef. "Natürlich werden wir alles tun, dass wir vielleicht sogar ein positives Ergebnis haben. Kein Mensch kann das Voraussagen", fügte er jedoch hinzu. Vergangenes Jahr hatte die Lufthansa entgegen der Branchentendenz noch einen deutlichen Gewinn erzielt. Wenig erfreut zeigte sich Weber über den Aktienkurs der Lufthansa und dessen Verluste von mehr als 40 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten. "Wenn man uns für sich betrachtet, sind die Aktien ganz klar weit unterbewertet." Dennoch habe die Lufthansa nicht vor, ihre eigenen Aktien zurückzukaufen: "Das machen wir nicht, weil wir unsere Liquidität benötigen, um hier in diesem Wettbewerb flexibel zu bleiben."

Kein Einstieg bei Partnergesellschaften

Die anhaltenden Spekulationen um einen Einstieg der Lufthansa bei der schweizerischen Fluggesellschaft Swiss International Air Lines, die derzeit einen Partner sucht, wollte Weber indes nicht kommentieren. Auch gebe es derzeit keine Pläne, den 30-Prozent-Anteil der Lufthansa am englischen Partner BMI British Midland zu veräußern.

Die Lufthansa werde prinzipiell auch weiterhin keine finanziellen Engagements bei angeschlagenen Luftverkehrspartnern eingehen, betonte Weber mit Blick auf Linien wie die US-Gesellschaft United Airlines, mit der die Lufthansa gemeinsame im Flugbündnis Star Alliance fliegt. Allerdings bestätigten Ausnahmen hier die Regel, ergänzte er. "Wenn bestimmte Situation sich ereignen würden, dann muss man darüber nachdenken. Aber im Grundsatz:, Nein", betonte Weber. Für eine Zusammenarbeit seien etwa Anteilskäufe nicht erforderlich. Denkbar wäre nach Worten Webers indes, dass die Lufthansa ihre Beteiligung am Touristikkonzern Thomas Cook ausbaue, an dem sie gemeinsam mit KarststadtQuelle je die Hälfte hält. Der Vorstandsvorsitzende betonte zugleich jedoch, dass es in der Cook-Partnerschaft mit KarstadtQuelle keine Unstimmigkeiten gebe und dass der Kaufhauskonzern bisher keine Absicht geäußert habe, seinen Anteil an der Reisefirma verkaufen zu wollen.

Weber wird mit der Hauptversammlung seiner Gesellschaft Mitte dieses Monats in den Aufsichtsrat der Lufthansa wechseln und die Konzernführung an seinen derzeitigen Stellvertreter Wolfgang Mayrhuber übergeben. "Es ist überhaupt nicht schwierig", kommentierte der langjährige Vorstandsvorsitzende diesen Schritt. "Ich weiß, dass Lufthansa in guten Händen ist."

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