Leichte Belebung erst im Jahr 2002
Europas Automarkt steht noch vor Durststrecke

Die Konjunktur lahmt und daher auch der Automarkt. Die Experten erwarten eine Nullrunde, "wenn es gut läuft". Unter den Absatzproblemen leiden vor allem die Massenhersteller wie Opel und Renault.

Trübe Aussichten für die europäischen Automobilhersteller: Nach dem aus ihrer Sicht enttäuschenden Rückgang in den ersten Monaten wird die erhoffte Steigerung der Absatzzahlen bis zum Jahresende kaum noch zu erreichen sein. Die Zeichen stehen viel mehr auf Stagnation. Sorgenfall Nummer eins bleibt der größte europäische Einzelmarkt: Deutschland. Die Wahrscheinlichkeit wächst, dass die Automobilhersteller nach 2000 zum zweiten Mal in Folge ein Absatzminus auf dem deutschen Markt hinnehmen müssen. "Wenn alles gut läuft, machen wir dieses Jahr in Europa eine Nullrunde", beschreibt Ulrich Winzen vom Essener Prognose Marketing Systems-Institut die Lage für den gesamten europäischen Markt. Allzu deutlich sind die Rückgänge in den ersten Monaten des Jahres 2001. Vier Millionen Pkw-Neuzulassungen bis Ende März in Westeuropa bedeuteten bereits ein Minus von fast 5 % im Vergleich zur Vorjahresperiode.

Für Winzen ist die wirtschaftliche Situation in den USA und deren mögliche Auswirkungen auf Europa der größte Unsicherheitsfaktor für den Automarkt. Einige wichtige neue Fahrzeuge könnten allerdings in der zweiten Jahreshälfte für eine gewisse Belebung bei einigen Automobilherstellern sorgen. Hält die Krise in den USA jedoch länger als erwartet an, dann wird auf dem europäischen Automarkt noch nicht einmal die leichte Erholung in der zweiten Jahreshälfte zu erreichen sein.

Analyst: Auch bei Aktienkursen keine Bodenbildung

Auch in Börsen- und Finanzkreisen wird die Entwicklung des Automobilsektors entsprechend vorsichtig gesehen. Markus Plümer von der WestLB in Düsseldorf erwartet, dass sich die niedrigen Zulassungszahlen auch auf die Aktienkurse niederschlagen werden. Sowohl beim Autoabsatz als auch bei den Aktienkursen gebe es noch keine Bodenbildung, "davon sind wir noch ein gutes Stück entfernt". Wahrscheinlich noch vor der Sommerpause müssten die Automobilhersteller ihre zu optimistischen Produktionspläne zurücknehmen, in denen zu Jahresbeginn noch Zuwächse zu Grunde gelegt worden seien. Als Folge dessen müssten die Hersteller auch ihre Ertragsprognosen zurücknehmen.

Unter den Absatzproblemen in Europa leiden Großserienhersteller wie Opel oder Renault ganz besonders. Die Käufer dieser Autos gehören selten zu den besser verdienenden Einkommensschichten - wenn die Wirtschaft schlechter läuft, stellen sie schneller ihren geplanten Autokauf zurück. Bei den Premiummarken sind die Auswirkungen weniger schwerwiegend, deren zahlungskräftige Kunden haben weniger Probleme mit einer lahmenden Konjunktur. Ein Unternehmen wie BMW kann sich dem Negativtrend sogar vollständig entziehen und seinen Absatz in Europa im ersten Quartal um mehr als 5 % steigern. Entsprechend besser sind die Ertragsaussichten bei BMW - und auch die Aussichten an der Börse. Die WestLB hält die BMW-Aktie jedenfalls unter den Automobiltiteln zu den wenigen lohnenswerten Käufen.

Positiver werden die Aussichten für die Automobilhersteller - gerade auch auf dem schwachen deutschen Markt - erst wieder im kommenden Jahr. Philipp Rosengarten vom britischen Auto-Prognose-Institut Standard & Poor?s DRI erwartet, dass die deutschen Zulassungszahlen im Jahr 2002 wieder um 4,5 % auf 3,6 Millionen Pkw steigen werden - nach einem Rückgang von 3 % in diesem Jahr. Richtig gut werden die Aussichten erst wieder für die Jahre 2003 und 2004. "Vielversprechend", sagt Rosengarten. Dann kommt nämlich eine Reihe wichtiger neuer Modelle auf den Markt wie etwa der Golf von VW und der Astra von Opel.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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