Leichte Konjunkturdelle möglich
Terroranschlag dämpft Kauflust in den USA

Die US-Bürger sind unsicher, wie sich die Konjunktur in ihrem Land kurzfristig entwickeln wird. Langfristig zeigen sie sich dagegen zuversichtlich. Das sind die Ergebnisse einer Umfrage des US-Meinungsforschungsinstituts Harris Interactive nach den Terroranschlägen in New York und Washington.

NEW YORK. Von den knapp 5 000 befragten US-Bürgern erwarten etwa zwei Drittel, dass US-Aktien in den kommenden Tagen entweder leicht oder kräftig an Wert verlieren werden. Allerdings kündigte lediglich 1 % der Befragten an, selbst Aktien verkaufen zu wollen. Harris-Chef Humphrey Taylor erklärt dies damit, dass die meisten US-Bürger an die Zukunft ihres Landes glaubten, sagte. Die Umfrage ergab außerdem, dass ein Viertel der Befragten in der nächsten Zeit weniger ausgeben und mehr sparen würden.

Dieses letzte Umfrageergebnisse bestätigt Richard Curtin, verantwortlich für die Messung des Konsumverhaltens an der University of Michigan. Blutige Ereignisse wie Terroranschläge oder Kriege würden immer ihre Schatten auf die Konsumlust der Verbraucher werfen. Das könnte auch jetzt, zwei Tage nach dem zerstörerischen Anschlag auf US-Einrichtungen, so kommen.

Zwar fordern Vertreter des öffentlichen Lebens die Amerikaner inzwischen auf, ihr Alltagsleben wieder aufzunehmen und Handel und Konsum nicht zum Erliegen kommen zu lassen. Doch die US-Bürger fürchten jetzt um die innere Sicherheit. Curtin ist sicher, dass Konsumenten in den nächsten Wochen größere Ausgaben zurückstellen.

Das allerdings wäre ein harter Schlag für die ohnehin schon angeschlagene US-Konjunktur. Gestern veröffentlichte Zahlen über das Vertrauen der US-Verbraucher in die Wirtschaftslage zeigen im September einen dramatischen Rückgang. Der vor dem Anschlag ermittelte Index der Universität Michigan sank von 95,1 im August auf 83,6. Das Stimmungsbarometer erreichte damit den niedrigsten Wert in diesem Jahr.

Konjunkturabkühlung dürfte sich auch im Immobiliensektor niederschlagen

Betroffen von einem möglichen Absatzeinbruch sind mehrere Branchen, darunter die Automobilbranche. US-Autohersteller und Händler fürchten auf Grund der aktuellen Ausnahmesituation eine Umsatzdelle, wie sie bereits 1990 während des Golfkriegs aufgetreten war. Auch das produzierende Gewerbe war schon vor dem Angriff angeschlagen.

Eine Abkühlung der Konjunktur dürfte sich sich auch im Immobiliensektor niederschlagen. Bereits am Mittwoch meldeten US-Makler, dass potenzielle Hauskäufer abgesprungen seien oder ihre Kaufentscheidung zurückgestellt hätten. Der Grund ist auch hier die allgemeine Unsicherheit.

Der Einzelhandel, der sich in den USA zu einem großen Teil in den riesigen Einkaufszentren abspielt, verzeichnete zur Wochenmitte noch keine ungewöhnlichen Rückgänge der Besucherzahlen. Das beobachteten Vertreter des International Council of Shopping Centers. Eine Mall in Maryland hatte wie jeden Mittwoch starken Besucherandrang, bei anderen Einkaufszentren ging es etwas ruhiger zu. Ein Manager äußerte die Prognose, dass die Kunden bald wieder zurück kommen würden, weil sie Ablenkung suchten.

Dennoch haben sich die Erwartungen des Einzelhandels für den Herbst und das Weihnachtsgeschäft auf Grund des Anschlags eingetrübt. Hier rechnen Experten jetzt erstmals seit 1992 mit einer negativen Umsatzentwicklung.

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