Leichte Verluste an der Nasdaq - Dow im Plus
Wall Street schließt uneinheitlich

Die US-Börsen haben sich am Nachmittag aufgerappelt und schlossen zum Wochenauftakt besser als erwartet. Der Dow Jones Index legte 39 Punkte oder 0,4 % zu und handelte zuletzt bei 10611 Punkten. Die Nasdaq schloss schwach behauptet auf 1929 Zählern. Das entspricht einem Minus von einem zehntel punkt.

NEW YORK. Nach einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der US-Terroranschläge vor genau sechs Monaten war es zunächst ruhig an der Wall Street. Ein allgemein schwaches Handelsvolumen und Gewinnmitnahmen nach den teils beachtlichen Kurssprüngen der ersten März-Tage hatten die Indizes in die Miesen gedrückt. Erst am Mittag kam Kauflaune auf, offensichtlich haben Investoren doch Angst, der Zug könne ohne sie abfahren.

Dass dieser Zug bestens rolle, hatte erst am Montagmorgen Abby Joseph Cohen bestätigt, hingegen, die Chefstrategin von Goldman Sachs. Sie sieht keinen Grund, an der Gewichtung ihres Musterportfolios zu rütteln, in dem sie schon am 24. September, zum Tiefpunkt des Marktes, Aktien auf 75 % aufgewichtet hatte. Cohen setzte Jahresziele für den S&P 500 Index bei 1 130 Punkte und für den Dow bei 11 300 Punkten.

Auch die Analysten von Thomas Weisel erwarten weiteres Wachstum: Sie hatten am Morgen ihre Prognose für das Bruttoinlandsprodukt auf ein Plus von 2,5 % hochgesetzt. Pessimistischer zeigte sich unterdessen der Chef-Stratege der Banc of Amerika, der die Aktiengewichtung in seinem Musterportfolio von 55 % auf nur noch 50 % gesenkt hat. Der Aktienmarkt habe ein überkauftes Niveau erreicht, sagt er. Unterbewertet sei allein der Nasdaq Index, dem der Analyst ein Wachstumspotential von 15 % bescheinigt. Im Durchschnitt liegt die Aktiengewichtung amerikanischer Investment-Strategen bei 68 %.

Finanzwerte stärkten den Dow Jones zum Wochenauftakt. Mit einem Plus von 4,4 % war die Aktie von JP Morgan Chase die stärkste im Standardindex. Der zweitgrößte US-Finanzdienstleister hat angekündigt, weitere Einsparungen zu planen, und meint damit wahrscheinlich Entlassungen. Dem Anleger gefällt das. American Express , ebenfalls ein Dow-Wert, profitiert von einem Upgrade der Deutsche Bank Alex Brown. Die Aktie legt 2,6 % zu.

Ebenfalls stark handelten die zyklischen Werte wie General Electric, Boeing und International Paper , mit Verlusten schlossen indes Konsumaktien wie Coca-Cola und Philip Morris . Letztere verlor 1,2 %, dabei drückte vor allem ein Verdikt aus Washington auf den Kurs, nachdem Tabakfirmen weitere Restriktionen in Sachen Werbung und Vertrieb ihrer Ware hinnehmen müssen. Zwar dürften sich entsprechende Urteile bis Sommer 2003 hinziehen, doch außer Philip Morris geben auch die Papiere von RJ Reynolds, UST und Imperial Tobacco nach.

Unter den Dow-Verlierern reihte sich am Montag auch IBM ein. 0,7 % gab die Aktie ab, nachdem "Big Blue" eine Herabstufung hinnehmen musste. Das kleine, aber einflussreiche Brokerhaus Sanford Bernstein hat die Aktie auf "halten" abgestuft. Angesichts der starken Bewertung der Aktie könnte das globale Wachstum in der Dienstleistungssparte enttäuschen. Auch wenn IBM die Gewinne im 10 %-Bereich steigern könne, dürfte die Aktie in den nächsten 6 bis 9 Monate nicht überdurchschnittlich gut abschneiden.

Ebenfalls im roten Bereich schloss die Aktie von Compaq, die eine Woche vor der Entscheidung in Sachen Hewlett-Packard immer mehr unter Druck gerät und 4,2 % verlor. Die Analysten von Merrill Lynch haben eine Umfrage unter US- und europäischen Fachleuten, die sich mehrheitlich gegen eine Fusion aussprechen. Auch Walter Hewlett, Sohn des Gründers des Drucker-Giganten und Sprecher der Anti-Merger-Offensive, meldete sich erneut zu Wort: "Ein Merger mit Compaq würde den Unternehmenswert von HP belasten und die Aktien in ein dauerhaftes Tief stürzen", sagte er. Die Papiere von Hewlett-Packard zeigten sich unbeeindruckt und legten 1,9 % zu.

Die Nasdaq schaffte es nicht, im Plus zu schließen. Doch handelte sie marktbreit stärker als noch am Morgen. Aus den frühen Kurstiefen eines drohenden Bilanzskandals befreite sich die Aktie des Telekommunikationsriesen Qwest zumindest teilweise. Die US-Börsenaufsicht SEC hat Ermittlungen aufgenommen und Bilanzunterlagen angefordert. Von Seiten Qwest heißt es zwar, die Ermittlungen seien unbegründet, doch nach den jüngsten Bilanzdebakeln in den USA sind Investoren vorsichtig geworden. Qwest verlor zur Schlussglocke allerdings nur noch 2 %.

Härter traf es den Speicherchip-Hersteller Emulex. Die Bank of America glaubt, die Firma würde, ebenso wie Konkurrent EMC, ein schwächeres Quartal erleben als bislang angenommen. Während sich die Aktionäre von EMC nicht beirren ließen und die Aktie 3,8 % zulegte, schloss Emulex mit einem Minus von 8,3 %. Auch andere Chip-Hersteller schlossen schwach: Branchenriese Intel verlor 2 %, Micron Technologies gab 3,2 % ab.

Auf der Gewinnerseite notierten mit einem Sektor-Plus von 0,5 % die Netzwerk-Unternehmen, die von einer Branchenbetrachtung der Buckingham Research Group und positiven Kommentaren von Merrill Lynch profitieren. Eine Ausnahme war derweil Cisco : Die Aktie verlor 2,4 %, obwohl Analyst Samuel Wilson schreibt: "Vieles deutet auf eine deutliche Verbesserung des Netzwerksumfelds im zweiten Halbjahr 2002 hin, und Cisco dürfte davon voll profitieren."

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