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Leichte Zeiten, schwere Zeiten

Das Leben ist ungerecht. Einerseits schwitzen da Berufskommunikatoren, weil ihnen ihre Software abschmiert - während sich Unternehmensberater ohne ihre Hilfe in Sachen Pressearbeit einen lauen Lenz machen. Manchmal ereilen einen Mails, bei denen man als Leser mitleidet.

Das Leben ist ungerecht. Einerseits schwitzen da Berufskommunikatoren, weil ihnen ihre Software abschmiert - während sich Unternehmensberater ohne ihre Hilfe in Sachen Pressearbeit einen lauen Lenz machen.

Manchmal ereilen einen Mails, bei denen man als Leser mitleidet. Heute zum Beispiel aus dem Hause der Berufskommunikatoren von Brunswick:

14.26 Uhr:
"Sehr geehrte Damen und Herren,
anbei übersenden wir Ihnen eine Personalie zum neuen Europachef von MFS Investment Management Herrn Stephen Haswell...."

Kurz darauf die ersten Anrufe: Die als PDF-Datei angehängte Pressemitteilung lässt sich nicht öffnen. Dem Berufskommunikator versagt das Deo, das doch eigentlich seine Kollegin provozieren soll.

15.16 Uhr:
"Sehr geehrte Damen und Herren,
leider gab es beim ersten Versand der Pressemitteilung ein Problem beim Öffnen der Datei. Wir hoffen, das Problem jetzt gelöst zu haben.
Wir senden Ihnen jetzt nochmals die Personalie zum neuen Europachef von MFS Investment Management Herrn Stephen Haswell."

Mist, funktioniert immer noch nicht. Inzwischen ist der PC-Support eingeschaltet, Techniker umschwirren den Arbeitsplatz des Aussenders, während das Telefon mehrmals klingelt: Noch mehr Beschwerden über die nicht zu öffnende Datei.

15.25 Uhr:
Die Kapitulation. Weiße Fahne wird per E-Mail geschwenkt.
"Sehr geehrte Damen und Herren,
da sich anscheinend ein unauffindbarer Fehler bei unserem Acrobat Distiller eingeschlichen hat, senden wir Ihnen die Pressemitteilung der MFS Investment Management jetzt als word. Datei zu.
Ich bitte die Umstände vielmals zu entschuldigen."

Die Journaille freut es. Denn solche kurzen Pressemitteilungen kopiert man - so sie ordentlich geschrieben sind - auch gerne einfach mal ins Redaktionssystem, um sie dort zu redgieren. Ist nichts ehrenrühriges, sondern ein normaler Vorgang. Doch die logowütigen Berufskommunikatoren nehmen lieber PDF-Dateien, auf dass die Schreiber mal so richtig tippen lernen.

Ganz anders ist es bei der Unternehmensberatung MFB, deren Mitglieder sich nicht Consultants sondern Resultants nennen dürfen, wie hübsch.
Die MFB also denkt sich: "Warum sollen sich die armen Journalisten so viel Arbeit machen? Recherchieren und so. Und schreiben und so. Schicken wir ihnen doch einfach einen unserer Luftnummern-Texte. Die freuen sich bestimmt und drucken ihn ab, ne?"

"Guten Tag, liebe Redakteure,
Sie erhalten einen redaktionellen Beitrag „Unternehmensnachfolge im Mittelstand“. Über eine kurze und auch positive Rückmeldung von Ihnen würden wir uns freuen.
Für Rückfragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung."

Die Anrede lässt es schon vermuten: Da wird auf gut Glück einfach mal nen Text massenmäßig abgelaicht mit hübschen Sätzen wie:

"Gerade der Übergang vom Alteigentümer zum Neueinsteiger ist eine hochsensible Phase, denn Kunden reagieren auf Veränderungen mit feinem Gespür. Daher muss von Anfang an die Chemie zwischen Senior und Neueigentümer stimmen."

Und damit die Journalisten nicht lange fragen müssen nach einem Foto, das selbstverständlich neben dieses Ökonomie-Nobel-Preis würdige Werk gehört, hat MFB gleich noch sechs Fotos seiner Chefin Monika Frick-Becker angehängt: drei niedrig aufgelöst, drei hoch aufgelöst, das Motiv ist immer gleich.
Monika Frick-Beckers Initialen decken sich übrigens rein zufällig und glücklicherweise mit dem ausgeschriebenen Firmennamen. MFB, erklärt uns nämlich die Mail, steht für "Manage Future Business". Kann man sich doch gleich besser merken, oder?

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