Leichter Absatzrückgang erwartet
Experten zweifeln am Anspringen der Autokonjunktur

Wenn die großen deutschen Automobilkonzerne in diesen Tagen ihre Gewinnprognosen für 2002 abgeben, stützen sie ihre Hoffnung vor allem auf das zweite Halbjahr.

rtr HAMBURG. Dann werde der Autoabsatz wieder anspringen, heißt es bei Branchenexperten und den Unternehmen. Bisher sind die Neuzulassungen vor allem in Westeuropa rückläufig. Auf dem weltweit größten Automobilmarkt, den USA, entwickelt sich die Nachfrage zwar besser als noch zu Jahresanfang erwartet. Doch wird der Absatz dort vor allem von amerikanischen Herstellern mit Preisnachlässen und Konsumkrediten künstlich hochgehalten. Dagegen ist der Absatz in Deutschland und Frankreich zuletzt nach Verbandsangaben gesunken, in Italien und Spanien im März sogar mit zweistelligen Raten. Eine Wende ist nach einhelliger Einschätzung noch nicht in Sicht.

Inzwischen warnen Experten sogar davor, sich allzu sehr darauf zu verlassen, dass die Automobilkonjunktur schon zur Jahresmitte wieder anspringe. Die hohe Arbeitslosigkeit, gestiegene Rohölpreise und die schwache Konjunktur sorgten nicht gerade dafür, dass das Verbrauchervertrauen in Deutschland zunehme. Zusätzliche Verunsicherung schaffe der kurz bevorstehende Streik in der Metall- und Elektroindustrie, von dem im Südwesten gerade die finanzstarken Automobilhersteller Daimler-Chrysler, Porsche und Audi betroffen sein dürften.

Hersteller setzen auf Kostensenkung statt Wachstum

Volkswagen geht in dem am Freitag veröffentlichten Quartalsbericht davon aus, dass sich die Konjunktur in den USA und Westeuropa frühestens in der zweiten Jahreshälfte beleben wird - ein späterer Zeitpunkt wird also nicht ausgeschlossen. Seine Prognose für einen stabilen Gewinn begründet Europas größter Automobilkonzern vor allem mit Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen. In den ersten drei Monaten verkaufte Volkswagen in Europa und Südamerika weniger Autos, konnte aber in Nordamerika und der Region Asien/Pazifik zulegen.

Der deutsch-amerikanische Daimler-Chrysler-Konzern zeigte sich Ende April bei der Vorlage eines Milliardengewinns für das erste Quartal angesichts der Wende zum Besseren bei der US-Tochter Chrysler optimistischer als zuletzt. Die Märkte, vor allem in den USA, hätten sich seit Anfang des Jahres besser als erwartet entwickelt, sagte Finanzvorstand Manfred Gentz. "Es mehren sich die Anzeichen, dass sich diese positive Tendenz fortsetzen könnte", teilte der Konzern mit. Angestrengt bemühte sich DaimlerChrysler dabei aber, die Ergebnisprognosen noch nicht anzuheben. Nur die Umsatzerwartungen schraubte der Konzern um acht Mrd. auf 150 (Vorjahr 152,9) Mrd. ?.

Gleichwohl setzt auch Daimler-Chrysler neben der Hoffnung auf die Autokonjunktur auch auf Kostensenkungen. Diese verhalfen dem bisherigen Sanierungsfall Chrysler nach sechs Verlustquartalen in Folge im Zeitraum Januar bis März zu einem operativen Gewinn von 127 Mill. ?. Auch im Gesamtjahr peilt Daimler-Chrysler nun bei der US-Tochter schwarze Zahlen an.

Analysten gehen davon aus, dass das Auto-Absatzvolumen 2002 nicht steigen wird. Für die wichtigsten Märkte Westeuropa und USA werden leichte Rückgänge erwartet. "Die Aussage 'Wer mehr Autos verkauft, erzielt auch ein besseres Ergebnis' funktioniert in diesem Jahr nicht", sagt Analyst Sebastian Stein von der Berliner Bankgesellschaft. Entscheidend sei vielmehr, wer als erster seine Kosten in den Griff bekomme. Derjenige habe auch die besten Ausgangsbedingungen, um bei einem Anspringen der Nachfrage im nächsten Jahr am stärksten profitieren zu können.

Auch Arndt Ellinghorst von WestLB Panmure stellt die von vielen erwartete Erholung im zweiten Halbjahr in Frage. "Auch wenn das Konsumentenvertrauen jetzt zunimmt, es dauert noch, bis auch die Nachfrage nach langlebigen Wirtschaftsgütern zunimmt. Jetzt alle Karten auf die zweite Jahreshälfte zu setzen, kann etwas sehr heikel sein."

Abschwung erzeugt Zweiklassengesellschaft

Ellinghorst sieht in der Branche derzeit eine "Zweiklassengesellschaft". Einerseits hätten Hersteller wie Fiat und die GM-Tochter Opel mit Überkapazitäten zu kämpfen und kurbelten ihren Absatz über den Preis an. Eine deutliche Kapazitätsreduzierung hat Ford in Europa bereits hinter sich. Damit habe Ford die Trendwende geschafft, heißt es nun. Auf der anderen Seite sieht Ellinghorst VW, DaimlerChrysler und BMW, die einfach gut aufgestellt seien. Was die beiden letzteren mit Autos der höheren Preisklasse bereits seit Beginn der Krise mit Erfolg versuchten, will jetzt VW etwa mit dem "Phaeton" nachmachen: sich mit einer zahlungskräftigeren Kundschaft von Konjunkturschwankungen weitgehend unabhängig zu machen.

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