Leichter Image-Verlust
Manager erwarten zweite Amtszeit Schröders

HANDELSBLATT/ DÜSSELDORF. Die Führungskräfte der deutschen Wirtschaft sind im Oktober wieder etwas stärker auf Distanz zur Bundesregierung gegangen. Gab es im September noch sehr günstige Imagewerte - wohl vor allem auf die grundsätzliche Zustimmung zur Steuerreform zurückzuführen - konnten die Akteure von Rot-Grün diesen Trend nicht stabilisieren.

Die Bewertung der Leistungen der Bundesregierung ging zurück, ebenso wie allgemein in Befragungen der Wahlbevölkerung. Hintergrund könnte die Diskussion um die drastisch gestiegenen Energiepreise sowie um eine Aussetzung der nächsten Stufe der Ökosteuerreform sein. Die CDU-Opposition konnte allerdings von diesem Ansehensverlust der Bundesregierung so gut wie nicht profitieren.

Die von den Führungskräften anhand einer Skala von 1 (=sehr gut) bis 5 (=sehr schlecht) vergebene Note für die Arbeit der Bundesregierung insgesamt verschlechterte sich von durchschnittlich 2,9 im September auf nun 3,1 im Oktober (Grafik) - dies ist allerdings noch immer der zweitbeste Wert seit Anfang 1999. Die Arbeit von Bundeskanzler Gerhard Schröder (Durchschnittsnote von 2,6 auf 2,9) und von Finanzminister Hans Eichel (von 2,2 auf 2,6) wird von der Wirtschaftselite gegenwärtig um einiges zurückhaltender als im Vormonat bewertet. Auch die Bewertung anderer Kabinettsmitglieder wie Außenminister Joschka Fischer (Note: 3,0 nach 2,9 im September), Wirtschaftsminister Werner Müller (3,3 gegenüber 3,2) und Arbeitsminister Walter Riester (3,7 gegenüber 3,6) ging zurück; unverändert blieb das Ansehen von Verteidigungsminister Rudolf Scharping (wie im September 3,2). Schlusslicht unter den bewerteten Kabinettsmitgliedern - mit einer von 4,0 wieder auf 4,2 verschlechterten Note - bleibt Umweltminister Jürgen Trittin.

Unverändert gegenüber dem Vormonat blieben die Leistungsbewertungen für die CDU-Vorsitzende Angela Merkel, die mit durchschnittlich 3,0 weiterhin ausgewogen beurteilt wird, sowie für den CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz, der nach wie vor mehr Kritik (52 %; +1) als ausdrückliches Lob (10 %; +4) von Seiten der Führungskräfte auf sich zieht. Ähnliches gilt auch für die FDP-Opposition (Durchschnittsbewertung wie im September: 3,3),

Für Schröder, nunmehr zwei Jahre im Amt, dürfte der leichte Image-Verlust noch kein Grund zur ernsthaften Sorge sein. Denn das Ergebnis der Befragung der Manager zur Halbzeit von Rot-Grün fällt immerhin positiver aus als man zu Beginn des Machtwechsels im Kanzleramt annehmen konnte: Die Führungskräfte bewerten insgesamt die Arbeit der Koalition ausgeglichen: 20 % bezeichnen das bisherige Wirken von Rot-Grün als "gut", 59 % als "befriedigend" und weitere 20 % als "schlecht" (18 %) oder "sehr schlecht" (2 %). Übertragen auf die "Notenskala" von 1 bis 5 bedeutet dies eine Durchschnittsbewertung von 3,0 - also genau dem theoretischen Mittelwert entsprechend.

Noch fast das gesamte Jahr 1999 hinweg überwog die Ablehnung bei zwischen 50 und 70 % schlechten bzw. sehr schlechten Leistungsbewertungen. Der Wendepunkt kam dann Ende 1999 mit der Aufdeckung des Spendenskandals der CDU und der anschließenden Führungskrise der Union. Seither wurde in den monatlichen Befragungen des Business-Monitors die rot-grüne Bundesregierung mit deutlich besseren Noten bedacht.

Bemerkenswert ist, dass die Spitzenmanager jetzt noch einhelliger erwarten, dass Schröder auch nach der Bundestagswahl 2002 Kanzler bleibt. Vier von fünf Managern (80 %) sind dieser Meinung (Grafik unten). Damit sehen die Top-Manager gegenwärtig den Kanzler deutlich fester im Sattel als noch vor einem halben Jahr: Im März glaubten erst 59 %, Schröder werde auch nach der nächsten Wahl als Regierungschef fungieren. Ob Schröder wieder mit den Grünen regiert, ist für die Entscheider nicht ebenso klar wie seine Kanzlerschaft: Sie gehen nur zu 68 % davon aus, dass das Land auch nach der nächsten Bundestagswahl von Rot-Grün regiert wird.

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