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Leichter Vorteil für Kerry im ersten Fernsehduell

Der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry hat beim ersten Fernsehduell mit US-Präsident George W. Bush mit heftiger Kritik am Irakkrieg punkten können. Einer ersten repräsentativen Umfrage des Gallup-Instituts vom Freitag zufolge nannten 53 Prozent der Zuschauer Kerry als Sieger des Duells, nur 37 Prozent sahen Bush vorn.

dpa WASHINGTON. Der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry hat beim ersten Fernsehduell mit US-Präsident George W. Bush mit heftiger Kritik am Irakkrieg punkten können. Einer ersten repräsentativen Umfrage des Gallup-Instituts vom Freitag zufolge nannten 53 Prozent der Zuschauer Kerry als Sieger des Duells, nur 37 Prozent sahen Bush vorn.

Auch erste Blitzumfragen der US-Sender ABC und CBS kurz nach Ende der neunzigminütigen Debatte am Donnerstagabend (Ortszeit) in der Universität von Miami (Florida) hatten auf einen Erfolg Kerry hingewiesen.

Der Senator aus Massachusetts warf in der mit Spannung erwarteten Fernsehdebatte Bush "riesige Fehleinschätzungen" im Irakkrieg vor. Der Präsident habe behauptet, er werde "den Krieg nur als letzten Ausweg wählen", aber der Irakkrieg sei begonnen worden, ohne dass vorher alle politischen Optionen genutzt worden seien. Anstatt den wirklichen Angreifer auf die USA, den Terroristenführer Osama bin Laden, in Afghanistan zur Strecke zu bringen, habe Bush das Land mit falschen Angaben in den Irakkrieg geführt. Zudem habe es keinen realistischen Plan für die Nachkriegszeit gegeben, sagte Kerry in der Fernsehdebatte, die von mehr als 50 Mill. Amerikanern verfolgt wurde.

Die USA trügen heute "90 Prozent der Verluste und 90 Prozent der Kosten", so Kerry. Er werde sich verstärkt um breitere Bündnisse im Kampf gegen den internationalen Terrorismus bemühen und "den Irak- Krieg erfolgreich beenden", betonte Kerry. Nur eine solche Politik werde auch die USA sicherer machen. Der Demokrat verteidigte aber auch deutlich das Recht der USA, präventiv und ohne Genehmigung anderer Staaten oder internationaler Organisationen weltweit zu agieren.

Bush, der zuweilen sichtlich missmutig und mit zusammen gekniffenen Lippen den Ausführungen Kerrys zuhörte, verteidigte vehement den Irakkrieg. Der Welt sei heute ohne Saddam Hussein sicherer, sagte er. Bush beschuldigte Kerry der Wankelmütigkeit, immerhin habe er im Senat auch für den Irakkrieg gestimmt. Die USA aber brauchten eine klare, verlässliche Führung. Kerry sende mit seinen widersprüchlichen Aussagen falsche Signale an die Feinde Amerikas. "Das einzig Beständige an den Position meines Kontrahenten ist, dass sie unbeständig ist."

Der Irakkrieg sei notwendig gewesen im weltweiten Kampf gegen den Terrorismus und gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, so der Republikaner. Die US-Truppen würden den Irak erst dann verlassen, "wenn die Iraker selbst für die Sicherheit verantwortlich sein können (...) und das Land frei und stabil ist". Die USA müssten auch weiterhin im Kampf gegen den Terrorismus eine offensive Politik verfolgen, sagte Bush.

Bush und Kerry sprachen sich gegen die Entsendung von US-Truppen in den Sudan aus. Die Regierung des Sudan müsse durch internationalen Druck dazu gebracht werden, den Völkermord in der Provinz Darfur zu stoppen. Auch Kerry wandte sich sich gegen US-Truppen in dem Krisengebiet.

Unterschiedliche Auffassungen wurden über die Nordkorea-Politik deutlich: Während sich Bush für eine Fortsetzung der multilateralen Gespräche einsetzte, forderte Kerry direkte Verhandlungen mit den kommunistischen Machthabern. Die drohende Verbreitung von nuklearen Waffen sei die derzeit größte politische Gefahr in der Welt, sagte Kerry.

Republikaner wie Demokraten betrachten die insgesamt drei Fernsehdebatten als mit wahlentscheidend. Kerry lag bei den Umfragen gut einen Monat vor der Präsidentschaftswahl am 2. November einige Prozentpunkte hinter dem republikanischen Amtsinhaber.

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