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Leichter Vorteil für Kerry nach zweitem Fernsehduell

Der amerikanische Präsidentenwahlkampf bleibt nach dem zweiten Fernsehduell zwischen Präsident George W. Bush und Senator John Kerry eng und spannend. Bush machte am Freitagabend in St. Louis (Missouri) eine bessere Figur als bei der ersten Debatte vor einer Woche, die klar an Kerry ging.

dpa ST. LOUIS. Der amerikanische Präsidentenwahlkampf bleibt nach dem zweiten Fernsehduell zwischen Präsident George W. Bush und Senator John Kerry eng und spannend. Bush machte am Freitagabend in St. Louis (Missouri) eine bessere Figur als bei der ersten Debatte vor einer Woche, die klar an Kerry ging.

Zwei Schnellumfragen gaben Kerry aber auch in der zweiten von drei Debatten einen Vorteil. Der Sender ABC sah Kerry 44 zu 41 Prozent vorn, CNN/USA Today 47 zu 45 Prozent. Weil nur ein paar Hundert Wähler befragt wurden, galten die Ergebnisse statistisch gesehen allerdings ein Unentschieden.

Neuigkeiten förderte die Debatte nicht zu Tage. In dem lebhaften Schlagabtausch warf Bush Kerry erneut vor, wankelmütig zu sein. "Ich sehe nicht, wie Sie diese Nation führen können", sagte er zu Kerry. Der Senator nannte den Irak-Krieg einen "katastrophalen Fehler" und warf Bush vor, das Volk betrogen zu haben.

"Ich glaube nicht, das viele Leute ihre Meinung geändert haben", sagte ein Teilnehmer des Forums, Blaine Christiansen, der "Washington Post". "Ich war unentschlossen. Das hat sich nicht geändert", meinte Rosemary Nagy. Kerry hatte nach der ersten Debatte in Umfragen erheblich aufgeholt. Gut drei Wochen vor dem Wahlgang (2. November) liegen die beiden Kopf an Kopf.

Anders als bei der ersten Debatte stellten sich Bush und Kerry in St. Louis den Fragen eines sorgfältig ausgewählten Publikums. Die Hälfte der 140 Zuschauer neigte vorher Bush, die andere Hälfte Kerry zu. Die Themenpalette reichte von der Irak-Politik über Steuern und Krankenversicherung bis zur Stammzellenforschung. Die Veranstaltung wurde direkt im Fernsehen übertragen. Die Debatte in Florida verfolgten vor einer Woche mehr als 60 Mill. Zuschauer.

Bush und Kerry gaben sich beide äußerst angriffslustig. In der halbrunden Arena gingen sie mit dem Mikrofon in der Hand auf die Fragesteller zu. Besonders Kerry nutzte die Fragen weniger, um seine eigene Politik zu propagieren, als für Angriffe auf die Bush- Regierung. "Ich habe einen Plan" sagte er wiederholt, zum Irak, für die Umwelt, für die Krankenversicherung, und verwies für Einzelheiten auf seine Webseite. "Sein Irak-Plan kommt mir bekannt vor, es ist der Bush-Plan", meinte der Präsident trocken.

"Ich war nicht glücklich, als wir feststellten, dass im Irak keine Massenvernichtungswaffen waren", räumte Bush an anderer Stelle ein. Dennoch sei der Krieg richtig gewesen, weil Saddam Hussein eine Bedrohung darstellte. "Das war nicht der Grund für den Krieg, das ist eine Ausrede", parierte Kerry. "Die Welt ist heute gefährlicher als zuvor." Die Regierung habe sich auf den Irak versteift, während Iran und Nordkorea ihre Nuklearprogoramme ausbauten.

Bei anderen Fragen erschien Bush zeitweise erregt und lief stark gestikulierend vor dem Publikum auf und ab. Mehrfach musste er sich die blaue Krawatte wieder ins Jackett stecken. "Natürlich wird er eure Steuern erhöhen!" rief er ins Publikum. Kerry blieb ruhig. Beobachter beschrieben seinen Auftritt als souverän. "Keine Steuererhöhungen für die, die weniger als 200 000 Dollar im Jahr verdienen", betonte er.

Die dritte und letzte Debatte findet kommenden Mittwoch in Arizona statt. Dort stellt wieder ein Journalist die Fragen. Es soll ausschließlich um die Innenpolitik gehen.

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