Leihwagen
Wichtiger Markt für Fahrzeughersteller

Wer oft Mietwagen fährt, kann manche Überraschung erleben. Vor allem in Frankfurt sind die Leihautos knapp und zu Messezeiten erhält nur der einen Schlitten, der frühzeitig gebucht hat.

Aber gerade die Flexibilität geht damit flöten. Oft sind zu Stoßzeiten die Fahrzeugtypen nicht mehr verfügbar, die gebucht wurden. Meistens macht es nichts aus, wenn der Leihwagenkunde einen größeren Wagen oder mit einer anderen Marke kutschieren muss. Aber nur meistens - recht blöd sieht es aus, wenn der Klatsch-Reporter bei der High-Society mit dem VW-Bus auftaucht. Trotzdem besser als Laufen.

Der Markt der Autovermieter entwickelte sich seit der Wende in Deutschland dramatisch. Die Zahl der Fahrzeuge verdoppelte sich bis zum Jahr 2000. Gleichzeitig fand eine breite Marktbereinigung statt, denn die Zahl der Betriebe stieg nur bis 1993, um dann radikal zu schrumpfen. Von ehedem 1400 Verleihfirmen sind nur noch die Hälfte aktiv.

Die Branche erwirtschaftete im vergangenen Jahr - nach den vorläufigen Schätzungen des Bundesverbandes der Autovermieter (BAV) - mit 180.000 Fahrzeugen 4,5 Milliarden Mark. Detailzahlen des BAV liegen aber nur für das Jahr 2000 vor. Knapp 800 Betriebe bewirtschafteten 190.000 Fahrzeuge (145.000 PKW und 45.000 LKW) und erzielten 4,7 Milliarden Mark Umsatz.

Großen Vermieter dominieren das Geschäft

Damals schon dominierten die großen. Knapp 69 Prozent der Geschäfte liefen durch die Bücher des Marktführers Sixt (23,4 Prozent Marktanteil), Europcar (17,3 Prozent), Europcar Service (14,7 Prozent) und Avis (13,4 Prozent). Hertz (9,7 Prozent), CC (9,0 Prozent) und National/Alamo (3,4 Prozent) folgen abgeschlagen.

40 Prozent der Umsätze wurden mit Firmenkunden verdient, bei 25 Prozent handelte es sich um Unfallersatzwagen, 15 Prozent wurden im Tourismusgeschäft und 20 Prozent mit Privatkunden erzielt. Die großen Vermieter erwirtschaften die meisten Erlöse heute schon außerhalb des Car-Rental-Business.

Da dominiert das Gebrauchtwagen-Geschäft, denn die großen Fahrzeugflotten lassen sich mit satten Rabatten einkaufen. Da ein Leihwagen meistens weniger als ein Jahr läuft, wird der junge Gebrauchte oft zu einem deutlich höheren Preis in den Markt gedrückt, als der Anschaffungspreis war. Von Sixt wurde oft erzählt, dass Abschläge auf die Fahrzeug-Listenpreise von bis zu 35 Prozent realistisch seien.

BMW bietet Rückkaufgarantie

Davon wollen die Verkäufer der Nobelmarken nichts wissen. Und wenn die Nachfrage brummt wie bei BMW, brauchen sie sich auf derartige Preiskämpfe nicht einlassen. BMW-Pressesprecher Michael Rebstock betonte, dass die Bayern den Leihwagenfirmen eine Rückkaufgarantie geben. So wird aus dieser Quelle der Gebrauchtwagenhandel der BMW-Vertragshändler gespeist. Dabei zählen Sixt, Europcar und Hertz zu den BMW-Kunden.

Das Flottengeschäft, zu dem der Verkauf an Leihwagenfirmen gehört, ist für die Autobauer wichtig. Riskant ist es manchmal für das Image oder die zu erzielenden Preise. Die Adam Opel AG in Rüsselsheim galt in der Vergangenheit als dominanter Lieferant der Leihwagenfirmen. Auch heute noch geht jeder dritte Wagen an einen Käufer, der mindestens fünf Opel betreibt. Das schlechte Image, das sich die Rüsselsheimer mit Kurz- oder Eigenzulassungen eingebrockt hatten, konnten sie mittlerweile ablegen - obwohl 2001 erstmals mehr als fünf Prozent aller "Neuwagen" Kurzzulassungen waren. Laut Kraftfahrtbundesamt steht Opel heute auf Platz 10. Angeführt wird die Liste der Kurzzulassungen von Renault, gefolgt von Daimler-Chrysler.

Jeder zweite Opel geht in England an eine Firma

Das Leihwagen und Flottengeschäft in Deutschland wird sich durch die Öffnung der Märkte gravierend verändern. In Großbritannien etwa werden 50 Prozent aller Opel an Firmenkunden verkauft. Die Volkswagen AG in Wolfsburg hat sich mit der Europcar ein eigenes Vermietungsunternehmen zugelegt. Übrigens verkaufen die VW-Bauer acht Prozent der Neuwagen in Westeuropa an Autovermieter.

Bei den Preisen versuchten die Vermieter in den letzten Monaten höhere Werte durchzudrücken. Sixt versprach zum Beispiel Mitte April, die Unternehmensführung werde versuchen, die Gewinne um 15 Prozent zu steigern. Ein starker Vorsatz. In der Summe der Wirtschaftsdaten und bei Betrachtung der Nachbarmärkte jedoch mit noch vielen Fragezeichen versehen.

Billige Leihautos bei der niederländischen Post

Mit besseren konjunkturellen Zeiten werden sicherlich auch die Margen der Autovermieter besser, aber richtig bessere Zeiten werden wohl nie mehr anbrechen. Bei unseren westlichen Nachbarn wird demonstriert, wer alles in diese Branche vorstoßen will und wie vielseitig Kooperationen aussehen können. Geheimtipp für Leihautos (Huur-Autos) ist die niederländische Post. Die PTT bietet nämlich Leihwagen mit besonders günstigsten Konditionen.

In Deutschland kommt auch Bewegung in den Markt, zumindest für fast 15 Millionen ADAC-Mitglieder. Das Exklusivangebot bedeutet 15 Prozent Nachlass auf sämtliche Standard-Tarife der Sixt-Autovermietung sowie fünf Prozent auf Sixt-Sonderangebote. Die selben Rabattsätze gelten für die Vollkaskoversicherung sowie für Zusatzkilometer. Dieses Angebot beinhaltet auch LKW-Anmietung.

Zudem können ADAC-Mitglieder über die clubeigene Autovermietung Fahrzeuge. Dabei bietet die Autofahrer-Lobby sogar Wohnmobile in Deutschland und Ferienmietwagen in mehr als 70 Ländern an.

fox

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