Leipzig liegt weit über den geplanten Gesamtkosten: Düsseldorf will „billige" Olympiastadt sein

Leipzig liegt weit über den geplanten Gesamtkosten
Düsseldorf will „billige" Olympiastadt sein

Nach den Plänen der deutschen Olympia-Bewerber würden die Spiele 2012 in Stuttgart am teuersten und in Düsseldorf am billigsten werden. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bei den fünf nationalen Kandidaten.

HB/dpa HAMBURG. Stuttgart kalkuliert mit Gesamtkosten von 4,5 Milliarden Euro, Düsseldorf will mit weniger als der Hälfte (2,19 Milliarden) auskommen.

Hamburg hat in seinen Bewerbungsunterlagen für das Nationale Olympische Komitee (NOK) 3,5 Milliarden Euro vorgesehen, Frankfurt 3,28 Milliarden und Leipzig 2,5 Milliarden. Die Gesamtkosten setzen sich aus den reinen Organisationskosten der Spiele und den notwendig werdenden Ausgaben für die Infrastruktur zusammen.

Die Organisationskosten sollen in Hamburg 2,1 Milliarden, in Stuttgart 2 Milliarden, in Düsseldorf 1,6 Milliarden, in Frankfurt 1,58 Milliarden und in Leipzig 1,1 Milliarden Euro ausmachen. Alle fünf Städte gehen davon aus, dass diese Ausgaben durch die Vermarktung der Spiele zumindest voll gedeckt werden, wahrscheinlich sogar einen Überschuss abwerfen.

Das IOC hat auf der Basis der Spiele in Atlanta (1996) und Sydney (2000) Überschüsse von bis zu 500 Millionen Euro errechnet, die dem Haushalt für das Infrastruktur-Programm zugeführt werden konnten. In seiner Modellrechnung kalkuliert das IOC die reinen Organisationskosten von Olympischen Spielen mit zwei Milliarden Euro.

Die vom Staat aufzubringenden Infrastrukturkosten werden mit einer Milliarde Euro beziffert. Das olympische Finanzierungskonzept der fünf nationalen Bewerber steht in krassem Gegensatz zu den Spielen 1972 in München. Damals gab es außer den Einnahmen für Eintrittskarten kein nennenswertes Vermarktungsprogramm. So musste der Steuerzahler die Spiele fast allein finanzieren. Die Stadt München, das Land Bayern und der Bund hatten die Organisationskosten von etwa zwei Milliarden Mark (eine Milliarde Euro) zu jeweils einem Drittel zu übernehmen.

Mittlerweile kann ein Olympia-Ausrichter vom IOC, das im Besitz aller Rechte ist, mit einem Zuschuss von mehr als einer Milliarde Euro kalkulieren. Diese Summe errechnet sich aus den hälftigen Anteilen eines olympischen Organisationskomitees (OK) am Verkauf der Fernsehrechte und des weltweiten Sponsorenprogramms. Dazu kann ein Olympia-Organisator noch mindestens 400 Millionen Euro aus den Eintrittskarten-Verkauf erlösen und wesentliche Einnahmen aus dem vom IOC erlaubten nationalen Sponsoring erzielen.

Nur allgemeine Angaben machen die Bewerber zur Deckung der Infrastrukturhaushalte, aus denen der Bau von Sportstätten, Olympischen Dörfern und Maßnahmen zur Verbesserungen des Verkehrs bezahlt werden sollen. Dabei handelt es sich um nachhaltige Investitionen, die einer Olympia-Stadt auf Dauer zu Gute kommen. Für sie sollen neben den Städten, Kommunen und Ländern auch der Bund aufkommen. Die Bundesregierung hat bisher lediglich eine generelle Unterstützung einer deutschen Olympia-Bewerbung zugesagt.

Düsseldorfs geringe Olympia-Kosten erklären sich durch den Ansatz von nur 590 Millionen Euro Infrastrukturausgaben für Spiele an Rhein und Ruhr. Die Millionen sollen allein für olympische Sportstätten und die Ausstattung bestehender Anlagen ausgegeben werden. Kosten für die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur sind im Gegensatz zu den anderen vier Bewerbungen nicht in Ansatz gebracht worden. Vor allem unter Hinweis auf eine Vielzahl bereits vorhandener Sportstätten gibt sich der Bewerber von Rhein und Ruhr selbst das Prädikat der "Spiele der ökonomischen Vernunft".

Alle Bewerber haben dem NOK die Kosten für eine internationale Bewerbung in Höhe von mindestens 30 Millionen Euro garantieren müssen. Darüber hinaus ist Leipzig gegenüber dem NOK eine Garantie von 2,6 Milliarden eingegangen. Sie liegt sogar um 100 Millionen über den geplanten Gesamtkosten. Stuttgart garantiert für die gesamten Infrastrukturkosten von 2,5 Milliarden Euro, Hamburg für 1,18 Milliarden, Düsseldorf für 590 Millionen und Frankfurt für 375 Millionen Euro.

Laut NOK-Präsident Manfred Steinbach müssen die fünf Bewerber lediglich "glaubhaft machen", dass sie die entstehenden Olympia-Kosten auch tragen können. Die Finanzpläne sind kein ausdrückliches Kriterium in der Beurteilung durch die NOK-Prüfungskommission. Sie tragen jedoch wesentlich zur Gesamtbeurteilung einer Bewerbung bei. Volle staatliche Garantien für alle Olympia-Kosten verlangt das IOC von einem Kandidaten für die Olympischen Spiele.

Bis zur Entscheidung durch das NOK am 12. April in München wollen die fünf nationalen Bewerber rund 32 Millionen Euro ausgeben. An der Spitze steht Düsseldorf mit 8,8 Millionen Euro vor Stuttgart (7,67 Millionen), Frankfurt (6,18 Millionen), Hamburg (6 Millionen) und Leipzig (4,6 Millionen). Diese Gelder werden von Städten, Kommunen und Sponsoren aufgebracht.

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