Leistungen der Fondsmanager in der Kritik
Geldmarktfonds reißen die Messlatte

In unsicheren Börsenzeiten suchen die Anleger nach sicheren Parkplätzen für ihr Geld. Deshalb sind die Geldmarktfonds mit sehr stetigen Wertzuwächsen seit einiger Zeit Verkaufsschlager. Bei der Produktauswahl sollte der Anleger allerdings insbesondere auf die laufenden Gebühren achten.

FRANKFURT/M. Die Manager von Geldmarktfonds machen nach Ansicht von Kritikern eine schlechte Arbeit, die der Anleger auch noch zu teuer bezahlt. Berücksichtige man, dass die Manager nicht nur - wie der Name suggeriert - in den Geldmarkt investieren, sondern auch in höher verzinsliche Anlagen, falle das Urteil noch schlechter aus. Weniger scharfe Kritiker meiden solch drastische Urteile und raten dem Anleger, sich die "besten" Produkte herauszusuchen.

Geldmarktfonds investieren in Festgelder bzw. Geldmarktpapiere oder Anleihen mit kurzen Laufzeiten von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten. Im ersten Quartal sammelten die Geldmarktfonds satte 4,2 Mrd. netto bei deutschen Anlegern ein. Das Gesamtvermögen liegt jetzt bei 54,2 Mrd.

"Das Ergebnis ist frustrierend: kein Produkt schlägt den Index", sagt Helmut Paulus. Er ist verantwortlich für den Anleihebereich bei DG Panagora Asset Management, eine Kapitalanlagesellschaft, die vorwiegend Spezialfonds auflegt und zum genossenschaftlichen Bankenbereich gehört. Paulus hängt seine Kritik an zwei Zahlen auf. Nach einer Statistik der Fondsresearchfirma Feri Trust lag sogar der ertragreichste Euro-Geldmarktfonds in den vergangenen zwölf Monaten mit einem Wertgewinn von 4,16 % unter der Messlatte von 4,19 %. Als Messlatte dient der Referenzsatz für Dreimonats-Termingeldanlagen im Interbankengeschäft, der so genannte Dreimonats-Euribor-Performanceindex. Der durchschnittliche Fonds warf sogar nur 3,60 % ab. "Die teilweise hohen jährlichen Managementgebühren sind der Grund allen Übels", sagt Paulus.

Das Gebührenargument ist kaum umstritten. "Großanleger wie Fonds können Festgeld zu Euribor minus einem kleinen Abschlag von etwa 0,10 % anlegen", erklärt Markus Hammes, Leiter Geldmarktfondsmangement bei der Fondsgesellschaft DWS, eine Tochter der Deutschen Bank. Es dürfte deshalb kein Zufall sein, dass der bei Anlagen erzielbare Interbanken-Geldmarktsatz abzüglich der durchschnittlichen Managementgebühr ungefähr der durchschnittlichen Anlageleistung der Fonds entspricht. In Zahlen: 4,19 % minus 0,10 % minus 0,48 % entspricht fast punktgenau den erwähnten 3,60 %.

Die laufenden Gebühren sind nach Ansicht einiger Experten oft zu hoch. "Sätze von über 0,90 Prozent grenzen an Wegelagerei", erklärt Paulus. Auch Feri-Trust-Geschäftsführer Min Sun hält einige Fonds für zu teuer. "Managementgebühren von 0,50 Prozent sind die Obergrenze", sagt er. Min Sun rät den Anlegern, "Produkte mit geringer Gebührenbelastung und akzeptablen Wertzuwächsen herauszusuchen."

Der erzielbare Wertzuwachs im Fonds hängt unter anderem von der Wahl der Laufzeiten der Anlagen ab. Mit steigender Fristigkeit steigt auch die erzielte Rendite. Ähnliche Unterschiede gibt es bei verschiedenen Typen von Investments. "Im konservativsten Fall legt der Fondsmanager beispielsweise nur in Termingeldern, erstklassigen Geldmarktpapieren oder Pfandbriefen an, im anderen Extrem sucht er stärker nach Zusatzerträgen insbesondere über den Kauf von variabel verzinslichen Anleihen, deren Verzinsung in der Regel alle drei Monate an den aktuellen Geldmarktsatz angepasst wird", meint Hammes. Das könne in der Wertentwicklungsdiffernz des Fonds rund 0,20 % ausmachen.

Die Anlage in variabel verzinslichen Titeln ist bei den Fonds sehr beliebt. In der Regel steckt in diesem Segment sogar ein Großteil der Mittel. "Man hat eine breitere Auswahl von Emittenten - im Gegensatz zur Zahl der Banken, die für Festgelder in Frage kommen", sagt Jana Kellersman, Die Geldmarktfondsmanagerin bei der zur genossenschaftlichen Bankengruppe gehörigen Union Fonds Holding nennt weitere Vorteile: "Es sind auch kleine Kursgewinne bei Zinsbewegungen am Kapitalmarkt oder bei verbesserten Ratings der Emittenten möglich." Laut Paulus wird bei Berücksichtigung möglicher Zusatzerträge die Leistung der Geldmarktfondsmanager noch unverständlicher: "Für variabel verzinsliche Unternehmensanleihen oder forderungsbesicherte Titel guter Bonität bekommt man Renditeaufschläge von 0,3 bis 0,7 Prozentpunkten gegenüber Euribor."

In Zukunft müssen sich die Freunde der Geldmarktfonds auf geringere Renditen einstellen. Michael Hallacker, Geschäftsführer der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka Investment, rechnet bei stabilen Zinsen für das Kalenderjahr 2002 mit durchschnittlichen Fondsrenditen von 2,7 bis 2,8 %. "Nur bei einer Erhöhung der Leitzinsen um einen halben Prozentpunkt sehe ich die Drei vor dem Komma", erklärt er.

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