Leistungsfähige Verkehrsleitzentralen fehlen – Standards nicht festgelegt
Autos liefern Staudaten zur Steuerung von Ampeln

Die Städte haben oft kein Geld für teure Stauwarnsysteme. Doch es ginge auch billiger: Autos könnten die Verkehrsdichte in den Innenstädten erfassen und aktuelle Daten an den Leitrechner für die Ampelsteuerung liefern.

STUTTGART. Schon seit Jahren warnen Verkehrsexperten vor dem Verkehrsinfarkt in den Ballungszentren. Aufwendige Verkehrsleitsysteme, mit denen der Verkehrsfluss in den Städten flächendeckend gemessen und per Ampelsteuerung gesteuert wird, sollten die Lösung bringen. Doch daraus wurde nichts. Den Städten fehlt das Geld, um die notwendige Infrastruktur aus Sensoren und Datenübertragungstechnik aufzubauen.

Eine Kommunikationstechnik im Auto zur Erfassung von Daten über die Verkehrsdichte, so genannte Floating- Car-Data-Systeme, könnte weiterhelfen. Wie, das zeigen die Firmen M-Tech und Gedas in dieser Woche auf der Computermesse Cebit auf einem ausgewählten Streckennetz rund um das hannoversche Messegelände. Von Mai an soll die Verkehrsleittechnik auf das Stadtgebiet von Hannover ausgedehnt werden. 100 bis 200 Flottenfahrzeuge - das können Taxis oder Linienbusse sein - erfassen und übertragen dann während ihrer Fahrt Daten, aus denen der Rechner in der Leitzentrale die aktuelle Stausituation berechnen und die Steuersignale für Ampelanlagen generieren kann.

M-Tech ist mit seiner Tochter Signalbau Huber auf die Steuerung von Ampelanlagen spezialisiert, und Gedas, das IT-Unternehmen des VW-Konzerns, bringt seine Erfahrungen mit Floating-Car-Data-Systemen in die Technologiepartnerschaft ein. "Spezielle vom Fraunhofer für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik-Institut entwickelte mathematische Formeln ermöglichen es, mit diesen Daten eine genaue Beschreibung und Prognose über das Verhalten des Staus zu erstellen und Daten für die Steuerung der Ampelanlagen zu generieren", erläutert Reinhard Müller, Chef der M-Tech AG.

Die Erfassung von zeitnahen Verkehrsinformationen im Auto, bei der per Satellitennavigation Daten über Standort, Geschwindigkeit und Fahrtrichtung anonymisiert und mit einer Genauigkeit von bis zu 10 m an einen Rechner geschickt werden, ist nicht neu. Floating-Car-Data-Systeme werden inzwischen von den meisten Autoherstellern zur aktuellen Steuerung der Navigationssysteme angeboten. Die Daten, die auf den Leitrechnern der IT-Firmen der Autobauer gesammelt werden, spiegeln die Verkehrslage auf den Autobahnen wider und ermöglichen es den Navigationssystemen im Auto, eine bessere Fahrtroute zu berechnen, die um Strecken mit hohem Verkehrsaufkommen herumführt.

Wurden diese Daten bislang ausschließlich genutzt, um Lösungen für eine individuelle Verkehrsführung zu entwickeln, könnten die Floating-Car- Data-Systeme dazu beitragen, dass jetzt die dringend benötigten Verkehrsleitsysteme in den Ballungszentren aufgebaut werden, sagt Christoph Meinel, Leiter des Instituts für Telematik in Trier. Meinel sieht außer den knappen Kassen der öffentlichen Hand jedoch noch weitere Hindernisse, die die Verkehrsleittechnik bremsen. "Fehlende Standards der Hersteller hemmen die Investitionen der Kommunen", sagt er.

Außerdem gebe es bislang nur Pilotprojekte auf kleinen Autobahnstrecken. "Um bundesweit in der Ferienzeit die Urlauberströme lenken zu können, benötigt man flächendeckende Systeme." Die individuelle Telematik hat es da einfacher: Werden die heutigen GPS-Navigationssysteme mit zeitnahen Verkehrsinformationen kombiniert, findet der Autofahrer individuell den Weg aus dem Stau.

Doch auch bei der individuellen Telematik wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan hat festgestellt, dass sich dieser Telematikbereich zögerlich entwickelt. Ein Grund dafür sind die Kosten. Kunden wollten nur 1.800 bis 1.900 Euro für ein gutes Telematiksystem bezahlen - das ist halb so viel wie der aktuelle Verkaufspreis.

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