Leiter des Tagesgeschäfts des US-Medienkonzerns Viacom
Mel Karmazin: Die mächtige Nummer zwei

Karmazin gilt als einer der besten Medienmanager der Welt. Derzeit ficht er den gefährlichsten Kampf seiner Karriere aus: den gegen seinen eigenen Chef - Sumner Redstone.

Wer verliert zuerst die Nerven? Was wie der Arbeitstitel einer neuen Reality-Fernsehshow klingt, ist beim Medienkonzern Viacom ernste Wirklichkeit. Seit Wochen ringen der 79-jährige Viacom-Chairman Sumner Redstone und der zweite Mann im Unternehmen, der 59-jährige Mel Karmazin, um eine Verlängerung des Vertrags für Karmazin. Die US-Zeitung "USA Today" bezeichnet den Disput bereits als "Kampf der Super-Egos".

Die Situation scheint festgefahren: Redstone will die Verlängerung nur gewähren, wenn Karmazin einen Teil der weit reichenden Machtbefugnisse aufgibt, die ihm nach der Fusion des Senders CBS mit Viacom vor knapp drei Jahren gewährt wurden. Karmazin will davon aber nichts wissen.

Warum sollte er auch? Schließlich gilt er in der problembeladenen Branche als Star. Trotz des Einbruchs der Werbeeinnahmen in den vergangenen Jahren erzielt Viacom, zu dem der Musiksender MTV, die Paramount Filmstudios und der Videoverleih Blockbuster gehören, im jüngsten Quartal einen Gewinn. Und das, so sagen viele, ist Karmazins Verdienst.

"Mel ist einer der besten Manager in der gesamten Branche", schwärmt Medienanalystin Jessica Reif Cohen von Merrill Lynch. Seine knallharten Kostenkontrollen gelten in der Branche als vorbildlich, auch wenn sie unter Mitarbeitern zuweilen helle Panik verbreiten. Weil er seine Mitarbeiter derart in die Mangel nimmt, gab es nach Aussagen von Mitarbeitern schon Betriebsfeiern, bei denen niemand neben ihm sitzen wollte.

Aber das schmälerte seinen Ruhm nicht. Im Gegenteil: An der Wall Street wird bereits spekuliert, ob Karmazin auf dem Absprung zu einem der Konkurrenten wie Disney, News Corp. oder AOL Time Warner ist. Bislang lassen sich die Gerüchte nicht erhärten. Doch die Viacom-Investoren hassen die Unsicherheit: Seit Jahresbeginn ist der Viacom - Aktienkurs um mehr als zehn Prozent gesunken.

Redstone und Karmazin - die beiden Top-Manager sorgen nicht gerade für Beruhigung. "Wir verstehen, dass eine schnelle Lösung wünschenswert ist", sagte Redstone mit flacher Stimme jüngst bei einer Telefonkonferenz. "Aber wir glauben, es ist besser, das Richtige zu tun." Spätestens bis März, wenn die Einladungen für die Jahreshauptversammlung im Mai verschickt werden, soll eine Einigung erzielt sein. Bis dahin werden sie wohl wie starrköpfige Männer ausfechten, was "das Richtige" sein wird.

Redstone hat schon einmal seinen zweiten Mann gehen lassen: 1996 verließ der damalige Viacom CEO Frank Biondi auf Redstones Drängen hin das Unternehmen. Redstone erklärte dies mit Performance-Problemen. Für Branchenkenner war dagegen klar, dass Biondi der Verlierer in einem erbitterten Machtkampf war.

Auch die Probleme sind nicht einfach zu lösen: Bislang hat Karmazin weitestgehend freie Hand im operativen Geschäft. Sollte der 79-jährige Redstone aus dem Unternehmen ausscheiden, wird Karmazin wohl Vorstands-Chef. Das passt Redstone gar nicht: Er nennt die Befugnisse seines zweiten Mannes "Superpowers". Er machte seine Sicht der Dinge in einem Interview klar: "Ich habe ein Opfer gebracht, um CBS zu bekommen. Ich habe eine Menge Macht abgegeben, und das hat mir gar nicht gefallen. Warum sollte es auch? Ich habe das Unternehmen aus dem Nichts geschaffen." Aber er sagte auch, er würde alles tun, inklusive sich den Rücken verbiegen, um Karmazin zu behalten.

Beide Männer sind machtbesessen und enorm erfolgreich - doch dort enden die Gemeinsamkeiten. Redstone liebt das Rampenlicht, Karmazin verabscheut Interviews und öffentliche Auftritte. "Ich arbeite lieber", sagt Karmazin in seiner direkten Art, mit der er schon einige Geschäftspartner vor den Kopf gestoßen hat. Nicht zuletzt Redstone, der es nach Aussagen von Mitarbeitern als Affront auffasste, dass Karmazin ihn in geschäftlichen Dingen so gut wie nie konsultierte.

Redstone gilt als Stratege. "Das Tagesgeschäft ist für ihn das große Gähnen", sagte MTV-Chef Tom Freston dem US-Wirtschaftsmagazin "Fortune". Karmazin ist dagegen der Mann fürs operative Geschäft. Auch bei den Geschäftsbereichen, die von den Männern favorisiert werden, gibt es Unterschiede: Der Viacom-Chef begeistert sich für das Filmgeschäft, seine Nummer zwei setzt lieber auf Radio und Fernsehen, da die Einnahmen dort stabiler sind.

Doch trotz seiner Konzentration auf Zahlen besitzt Karmazin eine gesunde Portion Humor. Vor zwei Jahren sagte er zu Investoren: "An der Rezession werden wir nicht teilnehmen" - als sei die Rezession irgendeine Konferenz. Auf einer Veranstaltung wurde er in einem T-Shirt mit der Aufschrift gesehen: "Wir werden nichts Dummes tun." Vielleicht nimmt er sich selbst beim Wort - denn zumindest die Investoren hoffen, dass das zwar unterschiedliche, aber erfolgreiche Duo an der Viacom-Spitze zusammenbleibt.

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