Leitzins verharrt bei 2,75 Prozent: EZB tastet Zinsen nicht an

Leitzins verharrt bei 2,75 Prozent
EZB tastet Zinsen nicht an

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen am Donnerstag wie erwartet unverändert gelassen. Immer mehr Analysten rechnen aber damit, dass trübe Konjunkturaussichten als Folge eines Irak-Krieges und ein deutlicher Rückgang der Inflation die Notenbank in den kommenden Monaten zu einer weiteren Zinssenkung veranlassen werden.

Reuters FRANKFURT. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins betrage weiterhin 2,75 %, teilte die EZB am Donnerstag nach der Ratssitzung in Frankfurt mit. Die EZB begründete die Entscheidung zunächst nicht und verwies wie üblich auf die Pressekonferenz mit EZB-Präsident Wim Duisenberg ab 14.30 Uhr MEZ.

Die Notenbank hatte erst im Dezember die Leitzinsen um 50 Basispunkte gesenkt, weil sie einen Rückgang der Inflationsrate in diesem Jahr unter die Grenze von zwei Prozent erwartet, womit nach ihrer Definition Preisstabilität gewährleistet ist. Im Januar verlangsamte sich die Jahresteuerung nach ersten Schätzungen auf 2,1 % von 2,2 % im Dezember. Die EZB erwartet zudem trotz vieler Abwärtsrisiken eine konjunkturelle Belebung bis zum Jahresende. Doch viele Volkswirte bezweifeln, dass sich dieses Szenario bewahrheitet, denn der drohende Irak-Krieg sorgt für hohe Verunsicherung und drückt die Stimmung an den Finanzmärkten ebenso wie in der gesamten Wirtschaft. Sollte sich der Euro außerdem nach seinem raschen Anstieg in den vergangenen Monaten auf einem Niveau nahe 1,10 $ halten, würde er zusätzlich zur schwachen Konjunktur das Preisniveau dämpfen.

Die Finanzmärkte achten nun darauf, ob EZB-Präsident Duisenberg auf der Pressekonferenz ein Signal für eine bevorstehende Zinssenkung gibt und wie er die Entwicklung des Wechselkurses bewertet.

EZB hält sich weiter für Zinssenkung bereit

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht die erhoffte Konjunkturerholung in der Euro-Zone wegen der ungewissen Entwicklung des Irak-Konflikts zunehmend gefährdet und hält deshalb die Tür für eine weitere Zinssenkung offen.

Der EZB-Rat habe über eine Zinssenkung diskutiert, sagte EZB-Präsident Wim Duisenberg am Donnerstag in Frankfurt. "Aber wir fürchteten, dass wenn wir jetzt die Zinsen senken würden, dies ein Tropfen wäre, der im Meer der Unsicherheiten untergehen würde." Die EZB ließ nach der Senkung im Dezember den Leitzins von 2,75 % wie weithin erwartet unverändert. Doch viele Analysten rechnen damit, dass trübe Konjunkturaussichten als Folge eines Irak-Krieges und ein deutlicher Inflationsrückgang die Notenbank zu einer weiteren Zinssenkung veranlassen werden.

EZB denkt über Kriegs-Szenarien nach

Duisenberg bezeichnete das Zinsniveau abermals als "angemessen" zur Sicherung eines stabilen Preisniveaus und gab damit zu verstehen, dass die Notenbank nicht unmittelbar vor einer Zinsänderung steht. Die niedrigen Zinsen könnten zu einer konjunkturellen Erholung beitragen, und die EZB gehe "vorerst" noch davon aus, dass das Haupthindernis für einen Aufschwung, die hohe Unsicherheit in der Wirtschaft, im Lauf des Jahres verschwindet. "Im Moment ist es schwierig, wenn nicht unmöglich, sich ein abschließendes Urteil über die Auswirkungen der geopolitischen Entwicklung auf die Wirtschaft weltweit und der Euro-Zone zu bilden", sagte Duisenberg vor allem mit Blick auf den drohenden Irak-Krieg.

Auch die EZB habe schon verschiedene Szenarien über Dauer und Folgen eines Krieges durchgespielt. Doch diese Überlegungen taugten derzeit nicht als Grundlage für eine Zinsentscheidung. Die Notenbank halte noch an ihrem "Basisszenario" einer allmählichen Konjunkturerholung fest mit Wachstumsraten von bis zu 2,5 % zum Jahresende. Doch die Abwärtsrisiken für die Konjunktur seien größer geworden, und die EZB-internen Prognosen könnten im Frühjahr durchaus gesenkt werden.

Unter Analysten hat sich in den vergangenen Wochen immer stärker die Ansicht durchgesetzt, die EZB werde die Zinsen weiter senken. Dass die Notenbank dazu grundsätzlich bereit ist, hörten Volkswirte auch jetzt aus den Äußerungen Duisenbergs heraus. Die EZB habe sich noch zurückgehalten, weil die Wirkung einer geldpolitische Lockerung bei der zurzeit angespannten Lage an Finanzmärkten und in der Wirtschaft verpufft wäre, sagte Adolf Rosenstock von der japanischen Bank Nomura. "Damit hätte sie nur ihr Pulver verschossen." Auch Christoph Balz von der Commerzbank hält weiterhin eine Senkung um 25 Basispunkte im April für wahrscheinlich. "Die EZB hält die Tür für eine Zinssenkung offen, bleibt aber noch in Wartehaltung."

Duisenberg: Euro-Anstieg derzeit keine Konjunkturbremse

Die Notenbank hatte erst im Dezember die Leitzinsen um 50 Basispunkte gesenkt, weil sie einen Rückgang der Inflationsrate in diesem Jahr unter die Grenze von zwei Prozent erwartet, womit nach ihrer Definition Preisstabilität gewährleistet ist. Im Januar verlangsamte sich die Jahresteuerung nach ersten Schätzungen auf 2,1 % von 2,2 % im Dezember. Die EZB erwartet trotz vieler Abwärtsrisiken weiterhin eine konjunkturelle Belebung bis zum Jahresende. Doch viele Volkswirte bezweifeln, dass sich dieses Szenario bewahrheitet, denn der drohende Irak-Krieg sorgt für hohe Verunsicherung und drückt die Stimmung an den Finanzmärkten ebenso wie in der gesamten Wirtschaft.

Sollte sich der Euro außerdem nach seinem raschen Anstieg in den vergangenen Monaten auf einem Niveau nahe 1,10 $ halten, würde er gemeinsam mit der schwachen Konjunktur das Preisniveau dämpfen. Duisenberg äußerte sich zufrieden über die Aufwertung der Gemeinschaftswährung, die allein seit Dezember um fast zehn Prozent auf Kurse um 1,08 $ zugelegt hat. Grundsätzlich könne dies zwar die Exporte dämpfen, doch bisher sei der Euro-Anstieg keine Gefahr für die Konjunktur, sondern eher eine willkommene Hilfe, die Inflation zu dämpfen, sagte Duisenberg.

Euro und Aktienkurse reagierten mit Abschlägen auf die Entscheidung, denn nachdem die Bank of England überraschend den Leitzins um 25 Basispunkte gesenkt hatte, waren Händlern zufolge vorübergehend Zinssenkungsspekulationen aufgekommen. Duisenberg gebe den Finanzmärkten keine deutlichen Signale, kritisierte Analyst David Brown von Bear Stearns. Zwischen den Zeilen sei die lockere geldpolitische Haltung zwar herauszulesen. "Doch das ist zu wortreich und nicht klar genug für die Märkte.

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