Leitzinsen deutlich gesenkt
US-Notenbank überrascht die Finanzwelt

Aus Sorge um die Wirtschaftslage und angesichts eines möglichen Irak-Krieges hat die US-Notenbank ihre Leitzinsen am Mittwoch überraschend deutlich um 0,50 Prozentpunkte gesenkt.

HB/dpa WASHINGTON. Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve (Fed) entschied in Washington, dass der Satz für Tagesgeld von bisher 1,75 auf nunmehr 1,25 Prozent gedrückt wird. Bereits zuvor hatte das Niveau der Notenbankzinsen den tiefsten Stand seit mehr als 40 Jahren erreicht. Damit steigt nun auch in Europa die Spannung, wo die Europäische Zentralbank (EZB) an diesem Donnerstag über ihre Leitzinsen berät.

Zugleich wurde in den USA auch der Diskontsatz um ebenfalls 0,50 Punkte auf 0,75 Prozent ermäßigt. Das Ausmaß der Zinssenkung, der ersten dieses Jahres und zwölften seit Anfang 2001, spiegelt nach Ansicht von Experten die Besorgnis der US-Währungshüter über die Gefahr eines stockenden Aufschwungs wider. Unter Führung von Fed-Chef Alan Greenspan fällte der Ausschuss seine Entscheidung einstimmig.

Die Fed erklärte, ein robustes Wachstum der Produktivität und eine unterstützende Geldpolitik könnten der Wirtschaft weiter Impulse geben. Größere Unsicherheit, "zum Teil wegen erhöhter geopolitischer Risiken", bremse derzeit aber Investitionen, Produktion und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Mit dem Hinweis auf die geopolitischen Risiken bezogen sich die Zentralbanker offensichtlich auf den Irak- Konflikt. Die Inflation sei demgegenüber unter Kontrolle. Unter diesen Umständen sei eine weitere Erleichterung der Geldpolitik hilfreich, um den "gegenwärtigen Schwachpunkt" zu überwinden.

An den internationalen Finanzmärkten wächst nun die Spannung, ob die neben der Fed weltweit zweitwichtigste Notenbank - die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt - ebenfalls ihre Leitzinsen weiter nach unten schleust. Der EZB-Rat kommt an diesem Donnerstag in Frankfurt zusammen, um darüber zu entscheiden. Zwar sprachen die Signale aus dem Frankfurter EZB-Turm bislang eher gegen eine Zinssenkung. Aber die Fed-Entscheidung stärkt das Lager der Experten, die nun auch mit einem Zinsschritt in der Eurozone liegen. Dort liegt der wichtigste Leitzins seit November 2001 bei 3,25 Prozent.

Die meisten Volkswirte hatten einen Tag nach den Kongresswahlen zwar mit einer Senkung der Leitzinsen gerechnet, aber nicht unbedingt in diesem Ausmaß. Da der Satz für Tagesgeld bereits auf einem Tiefstand seit mehreren Jahrzehnten lag, hatten die meisten mit einer Senkung um 0,25 Punkte gerechnet. "Die Verbraucher haben die Wirtschaft bislang zusammengehalten, und die sind wegen des schwachen Arbeitsmarkts kampfmüde", sagte Ökonomin Amy Crews Cutts von dem Hypothekenanbieter Freddie Mac der Agentur Bloomberg. Die Arbeitslosenquote war im Oktober von 5,6 auf 5,7 Prozent gestiegen. Das Verbrauchervertrauen sank so tief wie seit neun Jahren nicht mehr.

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