Leitzinsen in der Eurozone sind seit November unverändert
CSFB: EZB-Zinserhöhung vor Oktober unwahrscheinlich

Eine Leitzinserhöhung in der Euro-Zone vor Oktober dieses Jahres ist nach Einschätzung der Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) inzwischen sehr unwahrscheinlich.

Reuters FRANKFURT. Trotz eines ungünstigen Inflationsausblicks werde die Europäische Zentralbank (EZB) wegen der anhaltenden Schwäche der Aktienmärkte und zuletzt enttäuschender realwirtschaftlicher Daten wohl erst im vierten Quartal die Leitzinsen anheben, sagte Julian Callow, CSFB-Chefvolkswirt für Europa, am Donnerstag in Frankfurt. Für etwas Entlastung bei der Inflation sorge die jüngste Aufwertung des Euro zum Dollar, zumal davon auszugehen sei, dass die Gemeinschaftswährung weiter an Wert gewinnen werde. Der Euro ist am Donnerstag zum ersten Mal seit zwei Jahren über 0,96 Dollar gestiegen.

Die Mehrzahl der Volkswirte rechnet bisher noch mit einer Anhebung der Leitzinsen im September, einige erwarten einen solchen Schritt schon auf der nächsten Ratssitzung am 4. Juli. Callow sagte dagegen, die Zentralbank sollte besser erst dann den Schlüsselzins von zurzeit 3,25 % erhöhen, wenn es wirklich deutliche Anzeichen für einen Konjunkturaufschwung in der Euro-Zone gebe. Bisher sei die Erholung nur vom Export und vom Lageraufbau getrieben. Vor allem der private Verbrauch zeige sich anhaltend schwach, auch wenn mit einer Verbesserung in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen sei. Dagegen würden die Investitionen wohl in diesem Jahr enttäuschen, da die Gewinnsituation der Unternehmen sich kaum verbessern dürfte.

Die Leitzinsen sind in der Euro-Zone seit November unverändert, die Notenbank hatte die Zinsen im vergangenen Jahr wegen geschwundener Inflationsgefahren um 1,5 %punkte gesenkt. Selbst eine Zinserhöhung im vierten Quartal könnte die EZB Callow zufolge in die ungewöhnliche Lage bringen, vor der US-Notenbank Fed zu handeln. Es werde immer wahrscheinlicher, dass die Fed den Schlüsselzins in diesem Jahr auf dem tiefsten Stand seit 40 Jahren von 1,75 % lassen werde. Die schlechte Lage am US-Arbeitsmarkt und die Gewinnsituation der Unternehmen stellten die Notenbank nicht zufrieden. Zudem gebe die niedrige Kerninflationsrate der Fed keinen Anlass für Inflationssorgen.

In der Euro-Zone habe die Kerninflation in diesem Jahr dagegen vor allem wegen deutlicher Preissteigerungen im Dienstleistungsbereich im Zuge der Euro-Bargeldeinführung auf einem unerwartet hohen Niveau um 2,5 % in der Jahresrate verharrt. Für eine Zinserhöhung vor der US-Notenbank müsse sich aber die EZB ihrer Sache aber wirklich sicher sein, sagte Callow. "Das wäre ein sehr mutiger Schritt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%