Leitzinsen in USA gesenkt
EZB wartet mit Zinsänderung noch ab

Die Leitzinsen in der Euro-Zone werden nach den Worten von EZB-Präsident Wim Duisenberg vorerst unverändert bleiben. Vor ihrem nächsten Zinsschritt wolle die Europäische Zentralbank (EZB) weitere Signale über die Wirtschaftslage abwarten, sagte Duisenberg am Montag in Brüssel im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments.

Reuters BRÜSSEL. Die Leitzinsen seien in den USA gesenkt worden, und die EZB habe sie nicht verändert. "Das wird auch vorerst so bleiben." Die Teuerung in der Euro-Zone werde schon in drei bis vier Monaten die von der EZB definierte Höchstgrenze von zwei Prozent unterschreiten. Das Wachstum werde 2001 und 2002 bei knapp drei Prozent liegen, bekräftigte er. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte die EZB unterdessen zu einer Zinssenkung auf.

Zwischen der Geldpolitik "außerhalb der Euro-Zone" und den Entscheidungen der EZB gebe es keinen "Automatismus", sagte der EZB-Präsident vor den Parlamentariern. Das einzige Ziel, das die EZB bei ihrer Geldpolitik verfolge, sei die Preisstabilität - "und ich meine interne Preisstabilität auf mittlere Sicht". Die Gefahren für ein stabiles Preisniveau seien inzwischen ausgeglichener. Deshalb habe die EZB die Zinsen seit Oktober 2000 nicht geändert. Duisenberg stellte in "drei bis vier Monaten" einen Inflationsrückgang unter die Marke von zwei Prozent in Aussicht, bis zu der nach Definition der EZB stabile Preise gewährleistet sind.

Trotz dieser positiven Inflationsaussichten stellte der EZB-Präsident fest: "Einige Faktoren sprechen weiter für Vorsicht". So verwies er auf Lohnverhandlungen und die Staatshaushalte einiger Mitgliedsländer. Steuersenkungen ohne gleichzeitige Ausgabekürzungen könnten die Nachfrage ankurbeln und zu Preisdruck führen.

Es gebe keine Anzeichen für deutliche und anhaltende Auswirkungen der Konjunkturabkühlung in den USA auf die Wirtschaft der Euro-Zone, sagte Duisenberg. Selbst wenn mit einem Exportrückgang zu rechnen sei, werde die Konjunktur der Euro-Zone vor allem von binnenwirtschaftlichen Faktoren bestimmt. Trotzdem sei eine genaue Beobachtung der Weltwirtschaft weiter notwendig. Das Wachstum habe sich im Euro-Währungsraum im zweiten Halbjahr 2000 im Vergleich zu den ersten sechs Monaten abgeschwächt. "Wie auch immer, die allgemeinen Aussichten bleiben positiv für dieses und das nächste Jahr". Auch in den Jahren danach sei eine Wachstumsrate von knapp drei Prozent möglich.

Euro konnte Händlern zufolge davon nicht profitieren

Der Euro konnte von den optimistischen Wachstumsaussagen Duisenbergs nach Ansicht von Händlern nicht profitieren. Nachdem die Gemeinschaftswährung vor allem wegen der Schwäche des Yen am Morgen deutlich gestiegen war, verlor sie wegen Gewinnmitnahmen am Nachmittag wieder rund einen Dreiviertel Cent unter 0,93 $.

DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer verlangte unterdessen von der EZB angesichts eines "Wachstumsschocks", der unter anderem vom US-Abschwung ausgehe, eine Zinssenkung. Nicht Inflationsrisiken, sondern eine Konjunkturabkühlung gefährdeten die europäische Wirtschaft. Die EZB bewerte die Inflationsrisiken als zu hoch und werde mit ihrer Geldpolitik Investitionen und Wachstum bremsen. Der EZB-Präsident sagte dagegen: "Die Geldpolitik ist kein Hindernis für das Wachstum." Die Geldpolitik könne keinen Beitrag zum schnelleren Abbau der Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone leisten. Die Arbeitslosenquote werde in den kommenden anderthalb Jahren voraussichtlich unter acht Prozent falllen.

Während die US-Notenbank aus Sorge vor einem Konjunkturabschwung die Zinsen bereits zwei Mal in diesem Jahr um insgesamt 100 Basispunkte gesenkt hat, hat die EZB den Schlüsselzins in der Euro-Zone seit Oktober vergangenen Jahres unverändert bei 4,75 % gelassen. Zuvor hatte die Zentralbank wegen anhaltender Inflationsgefahren die Zinsen in sieben Schritten um insgesamt 2,25 %punkte angehoben. Die meisten Analysten erwarten wegen der inzwischen ebenfalls spürbaren Konjunkturabkühlung in der Euro-Zone noch im ersten Halbjahr eine erste Zinssenkung der EZB.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%