Leitzinsen sollen konstant bleiben
Europäische Zentralbank tagt wegen Talfahrt des Euro

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat am Donnerstagmorgen seine Sitzung in Paris begonnen, während an den Devisenmärkten angesichts der rasanten Talfahrt des Euro über neue Notenbank-Interventionen spekuliert wird.

Reuters PARIS. Trotz der dramatischen Kursverluste vom Vortag bis auf ein Allzeit-Tief von 0,8324 $ erwarten die meisten Analysten unveränderte Leitzinsen. Die Finanzmärkte blicken weniger auf den Zinsbeschluss selbst, sondern warten gespannt auf die Pressekonferenz mit dem seit Tagen unter Druck stehenden EZB-Chef Wim Duisenberg ab 14.30 Uhr MESZ. Dieser müsse deutlich machen, dass die EZB den Euro sehr wohl am Devisenmarkt stützen kann, sagten Analysten. Gegen 8.50 Uhr MESZ notierte der Euro bei 0,8389/95 $ oder umgerechnet knapp 2,33 DM. Am Mittwoch war der Euro im Zuge der Erholung an den US-Aktienmärkten binnen weniger Stunden um mehr als zwei Cents von 0,8570 $ auf 0,8324 $ abgestürzt.

Duisenberg will nicht zugunsten des Euro intervenieren

Der EZB-Chef wird seit Wochenbeginn scharf angegriffen, da er Devisenhändlern und Volkswirten zufolge in einem Zeitungsinterview signalisiert hatte, die EZB werde im Falle von Kursverlusten wegen der Nahost-Krise nicht zu Gunsten des Euro intervenieren. Duisenberg werde erklären müssen, ob er die Möglichkeit einer weiteren Intervention tatsächlich für unwahrscheinlich halte, oder ob ihm einfach ein Fehler unterlaufen sei, sagten Analysten weiter. Die Gefahr, sein Amt zu verlieren, ist für Duisenberg jedoch offenbar eher gering. Es wird ohnehin erwartet, dass der Niederländer im Jahr 2002 für den französischen Notenbankpräsidenten Jean-Claude Trichet vorzeitig seinen Platz räumen wird. Einer Reuters-Umfrage unter 20 Volkswirten vom Dienstag zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der EZB-Präsident im Amt bleibt, bei 70 %. Ein Rücktritt Duisenbergs würde dem Euro vermutlich ohnehin nur kurzzeitig helfen können, sagten Analysten.

Neue Stützungskäufe sollen Kursverluste verhindern

Spekulationen über neue Stützungskäufe der großen Notenbanken für den Euro verhinderten am Vormittag Händlern zufolge neue Kursverluste. "Außer einer Intervention sehe ich derzeit keinen einzigen Weg, den Euro zu stützen", sagte Ryohei Muramatsu, Devisenhändler bei der Commerzbank in Tokio.

Nur zwei Wochen nach der jüngsten Zinsanhebung würde eine weitere Erhöhung der EZB zum jetzigen Zeitpunkt als Panikreaktion ausgelegt, sagten Analysten. Erst am 5. Oktober hatte die Notenbank zum siebten Mal seit November 1999 die Zinsen erhöht und alle drei Leitzinsen in der Euro-Zone um 25 Basispunkte angehoben. Der Mindestbietungssatz für die Bankenrefinanzierung beträgt in der Euro-Zone seither 4,75 %. Falls die EZB - wie erstmals am 22. September - wieder gemeinsam mit den anderen Notenbanken der sieben führenden Industrienationen (G-7) intervenieren sollte, könnte dies zumindest vorübergehend den Druck auf Duisenberg mildern.

Die EZB wird ihren Zinsbeschluss gegen 13.45 Uhr bekannt geben und die Pressekoneferenz mit Duisenberg beginnt um 14.30 Uhr.

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