Leitzinssenkung der Notenbank
EZB-Ratsmitglieder betonen günstiges Inflationsumfeld

EZB-Ratsmitglieder haben am Freitag die Leitzinssenkung der Notenbank vom Vortag mit den verbesserten Inflationsaussichten für die Euro-Zone begründet und erneut das Ziel der Preisstabilität betont.

Reuters HAMBURG/MADRID. Beide Säulen der geldpolitischen Strategie der Europäischen Zentralbank (EZB) signalisierten abnehmenden Preisdruck, sagte Bundesbankpräsident Ernst Welteke in Hamburg. EZB-Direktoriumsmitglied Eugenio Domingo Solans zufolge war die Zinssenkung für das EZB-Ziel angemessen, mittelfristig Preisstabilität zu gewährleisten. Auch EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing betonte die Vorrangigkeit stabiler Preise für die EZB und sagte, die Zinssenkung sei nicht als Konjunkturbelebung gedacht gewesen.

Auch Welteke und Solans betonten, die EZB wolle mit dem Zinsschritt nicht die Konjunktur beleben. Die EZB hat am Donnerstag überraschend die Leitzinsen in der Euro-Zone um 25 Basispunkte gesenkt. Der Schlüsselzins beträgt damit 4,50 Prozent. Duisenberg hatte die Entscheidung unter anderem mit den von der monetären Seite her abnehmenden Gefahren für die Preisstabilität begründet. Dabei verwies er darauf, dass das für die Beurteilung der Inflationsentwicklung wichtige M3-Wachstum von der Notenbank nach oben verzerrt sei. Für März ergebe sich statt der veröffentlichten Jahresrate von 5,0 Prozent ein revidiertes Wachstum von 4,4 Prozent. Schwächeres M3-Wachstum signalisiert in der Regel sinkende Inflationsgefahren.

Welteke bekräftigte am Freitag vor dem Hamburger Wirtschaftsrat der CDU, dass die erste Säule der geldpolitischen Strategie nach der bevorstehenden Revision keine Preisrisiken mehr signalisiere. Wegen der moderaten Lohnentwicklung und verschlechterter Wachstumsaussichten für die Euro-Zone deute auch die zweite Säule abnehmenden Preisdruck an. "Insgesamt zeichnen beide Säulen der geldpolitischen Strategie ein günstiges Bild", sagte Welteke.

Die gegenwärtigen Inflationsraten sind Welteke zufolge durch einige vorübergehende Effekte wie die Rinderseuche BSE und die Maul- und Klauenseuche nach oben verzerrt. "Voraussichtlich in 2002 dürfte die Preissteigerungsrate wieder unter zwei Prozent sinken", sagte Welteke. Die Inflationsrate in der Euro-Zone lag im März wie im Februar bei 2,6 Prozent. In Deutschland kletterte die Jahresteuerung im April nach endgültigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes auf 2,9 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Februar 1994. Die Währungshüter hätten ihre Entscheidung unabhängig von den Meinungen der Finanzpolitiker und Marktteilnehmer getroffen, sagte das EZB-Ratsmitglied weiter. "Die Unabhängigkeit der geldpolitischen Institutionen ist Voraussetzung für ihre Stabilitätsorientierung."

Erhalt der mittelfristigen Preisstabilität

EZB-Direktoriumsmitglied Solans bezeichnete in Madrid erneut den Erhalt der mittelfristigen Preisstabilität als das Ziel der EZB. "Die gestrige Entscheidung war für unser Ziel - Stabilität auf mittlere Sicht - angemessen", sagte Solans am Freitag in Madrid. Bis zu einer Inflationsrate von zwei Prozent sind nach Definition der EZB mittelfristig stabile Preise vereinbar. Auf die Frage, ob die EZB die Zinsen wegen des langsameren Wirtschaftswachstums gesenkt habe, antwortete Solans: "Geldpolitische Entscheidungen werden nicht auf der Grundlage von einzelnen Daten getroffen". Auch Welteke bekräftigte: "Wir wollen mit unserer Geldpolitik keine Konjunkturpolitik machen."

Dass die EZB in der Sicherung eines stabilen Preisniveaus den besten Beitrag zum Wirtschaftswachstum sieht, verdeutlichte auch EZB-Chefvolkswirt Issing. "Wir haben nicht verkündet, dass die europäische Wirtschaft einen Wachstumsturbo bekommt", sagte Issing auf die Frage, ob die Zinssenkung um 25 Basispunkte ausreichend für eine Konjunkturbelebung sei. Die Entscheidung beruhe vielmehr auf den mittelfristigen verbesserten Aussichten für die Preisstabilität. Mit der Senkung habe die Notenbank die Tarifpartner ermutigen wollen, bei moderaten Lohnabschlüssen zu bleiben und preistreibende Zweitrundeneffekte zu vermeiden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%