Leizpiger Buchmesse beginnt
Umsatzeinbrüche im Buchhandel

Die Leiziger Buchmesse steht im Zeichen der Konjunkturflaute. Der deutsche Buchhandel verzeichne Umsatzeinbrüche, hieß es am Mittwoch auf der Eröffnungs-Pressekonferenz.

dpa LEIPZIG. Die Lage ist nach Einschätzung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels (Frankfurt/Main) aber nicht so schwierig wie im Einzelhandel. «Der Motor der Buchkonjunktur ist zur Zeit die Belletristik, bei der wir einen Zuwachs von 7 Prozent haben», sagte Vorsteher Dieter Schormann wenige Stunden vor der offiziellen Eröffnung am Abend im Leipziger Gewandhaus mit Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD). Die Festrede sollte der ungarische Autor und Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, György Konrad, halten.

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Deutliche Einbrüche» gebe es bei Ratgebern und Reiseführern, «die nach dem 11. September das Tal erreicht haben», sagte Schormann und mahnte für eine positive Kaufkraftentwicklung Signale der Politik an.

Nach der jährlichen Umfrage des Börsenvereins unter 518 Sortimentsbuchhandlungen sehen die Buchhändler im Westen die Umsatzentwicklung für das laufende Jahr positiver als ihre Kollegen im Osten. Gut ein Drittel der West-Buchhändler, aber nur reichlich ein Viertel der Ost-Buchhändler rechneten mit einer Verbesserung. Als negative Faktoren im Osten werden unter anderem Mangel an Kaufkraft und zunehmende Arbeitslosigkeit genannt. Die Buchhändler im Westen machen zunehmende Konkurrenz und Konjunkturabschwung verantwortlich.

Nach Angaben des Börsenvereins wird das Jahr 2002 auch für die Verlage nicht einfach. Mehr als jeder zweite Buchhändler wolle das Einkaufsvolumen einschränken und mehr als die Hälfte der Buchhandlungen die Anzahl der Geschäftskontakte mit Verlagen reduzieren. Notwendig sei es, erfolgreiche Autoren zu vertreten und das Marketing zu verbessern.

Dabei spiele das Internet eine große Rolle. Mehr als 2000 Buchhandlungen hätten sich bereits mit eigenen Links oder einer Webside der neuen Herausforderung gestellt. Mit rund 600 Millionen Mark (rund 307 Mio Euro) habe der Internetbuchhandel allerdings einen Anteil von unter zwei Prozent am Gesamtbuchhandel.

«Wir gehen mit Optimismus ins zweite Halbjahr», sagte Schormann. «Ich gehe davon aus, dass wir im letzten Drittel des Jahres die Lücken im Umsatz wieder aufholen können.» Ein wichtiges Barometer im Frühjahr sei die Leipziger Buchmesse, die für Buchhändler und Verleger unverzichtbar sei.

Nach Angaben des Geschäftsführers der Leipziger Messe GmbH, Werner M. Dornscheidt, hat sich die Leipziger Buchmesse trotz schwierigen Umfelds konsolidiert und deutlich als Autoren- und Marketingmesse profiliert. Im Rampenlicht stehe 2002 die erstmalige Verleihung des Deutschen Bücherpreises, der zum Lesen verführen solle.

Bis Sonntag werden auf der neuen Messe 1957 Aussteller aus 27 Ländern ihre Programme präsentieren. Zudem bietet das Lesefest «Leipzig liest» über 1000 Veranstaltungen mit rund 1200 Autoren, Verlegern und Gästen. Die Buchmesse habe zwar kein Schwerpunktland mehr, bleibe aber mit dem Focus auf Mittel- und Osteuropa ein Forum zur Diskussion über die Entwicklung in den Nachbarländern.

Zum Abschluss der Buchmesse wird der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung an den bosnischen Autor Bora Cosic und der Anerkennungspreis an den tschechischen Übersetzer Ludvik Kundera vergeben. Laudatoren sind Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und der Schriftsteller Wulf Kirsten, sagte Leipzigs Kulturdezernent Georg Girardet.

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