Leo Kirch hofft auf eine Milliarde Euro für den 40-prozentigen Anteil
WAZ-Gruppe steht vor Einstieg bei Springer

Die insolvente und zum Verkauf stehende Kirch Media erwägt, möglichen Investoren einen direkten Einstieg bei der profitablen Fernsehtochter Pro Sieben Sat.1 zu ermöglichen.

Reuters MÜNCHEN. Das könnte das Ende der bisherigen Strategie der Geschäftsführung bedeuten, die die Filmproduktions- und Rechtehandelsgesellschaft eigentlich nur als Ganzes verkaufen wollte.

"Wir bestätigen, dass wir ein solches Modell prüfen", sagte ein Kirch Media-Sprecher am Montag. Demnach könnten potenzielle Käufer den 52,5-prozentigen Mehrheitsanteil von Kirch Media an der Senderfamilie Pro Sieben Sat.1, die als wertvollster Teil der Gruppe gilt, auch direkt erwerben. In Unternehmenskreisen hieß es, Vermögenswerte von Kirch Media wie die Filmrechtebibliothek könnten dann im Zuge einer Kapitalerhöhung bei ProSiebenSat.1 übernommen werden. Insofern sei die Möglichkeit, Kirch Media als Ganzes an den Mann zu bringen, nicht vom Tisch. Die Aktien von Pro Sieben Sat.1 stiegen am Montag um rund fünf Prozent auf 7,79 Euro. "Die Anleger spekulieren jetzt auf eine schnelle und gute Lösung", sagte ein Analyst dazu.

Seit Monaten versuchen die Kirch Media-Geschäftsführer Wolfgang van Betteray und Heinz-Joachim Ziems, Kirch Media mit ihren Teilen Produktion, Rechtehandel und Pro Sieben Sat.1-Paket zu verkaufen. Es gibt zwar mehrere interessierte Konsortien, die vorläufige Angebote für Kirch Media abgegeben haben. Doch es war immer wieder spekuliert worden, dass einzelne Bieter nur Teile von Kirch Media - vor allem der Mehrheit an Pro Sieben Sat.1 - erwerben wollten. Das Bieterverfahren läuft daher schleppend. Betteray und Ziems hatten die Liste der Interessenten auf drei Konsortien eingegrenzt und wollten eigentlich Anfang September die endgültigen Käufer präsentieren. In Bieterkreisen heißt es jedoch schon länger, dieser Zeitplan sei nicht einzuhalten.

Pro Sieben Sat.1 hat Interesse an Kirch-Filmrechtestock

Auch eine Sprecherin von ProSiebenSat.1 bestätigte die Möglichkeit eines Direkteinstiegs eines neuen Mehrheitsaktionärs bei der Senderfamilie. Das sei auch im Vorstand des im MDax gelisteten Konzerns diskutiert worden. "Pro Sieben Sat.1 hat grundsätzlich Interesse an der Filmrechtebibliothek von Kirch Media", sagte sie zu der Möglichkeit, Kirch Media-Teile nachträglich über eine Kapitalerhöhung bei Pro Sieben Sat.1 in die Gruppe zu holen. Ob das Interesse auch den Sportrechtehandel und die Produktion umfasse, wollte sie nicht kommentieren. "Mit uns am engsten verknüpft sind die Filmrechte", sagte sie lediglich.

Ein Direkteinstieg bei der Senderfamilie dürfte vor allem dem Axel Springer Verlag entgegenkommen, der bereits 11,7 Prozent an Pro Sieben Sat.1 hält und immer erklärt hatte, vor allem an einer strategischen Beteiligung an dem TV-Konzern interessiert zu sein. Springer hat zusammen mit dem Bauer Verlag und der Hypo-Vereinsbank ein unverbindliches Angebot für Kirch Media abgegeben, kam aber nicht in die engere Wahl. Dazu gehören nach Branchenkreisen ein Konsortium aus Commerzbank und dem US-Studio Columbia, der US-Milliardär Haim Saban mit der französischen Senderfamilie TF1 sowie eine Gruppe von Lehman Brothers, des Handelskonzerns Rewe und des saudischen Prinzen Al Waleed.

Kreise: Gespräche von Leo Kirch mit WAZ weit gediehen

Unterdessen kommt der 75-jährige Medienunternehmer Leo Kirch nach Angaben aus seinem Umfeld mit den Plänen voran, seinen 40-prozentigen Anteil am Springer-Verlag vor einer Verwertung durch die Deutsche Bank selbst zu verkaufen und die Schulden bei dem Kreditinstitut zu begleichen. Es gebe intensive Gespräche mit der WAZ-Gruppe, die am Freitag erstmals öffentlich ein Interesse an dem Aktienpaket zugegeben hatte. "Das ist ziemlich weit. Ein Scheitern ist weiter nicht ausgeschlossen. Die Chancen, dass es klappt, sind aber hoch", hieß es. Kirch sei auch noch mit zwei ausländischen Medienkonzernen in Gesprächen. "Man hofft, bis zu eine Milliarde Euro für das Springer-Paket zu bekommen", hieß es in den Kreisen. Der Springer-Verlag wehrt sich aber gegen einen Einstieg der WAZ-Gruppe. "Das ist kein passender Partner für uns", sagte eine Sprecherin.

Der 40-prozentige Springer-Anteil diente als Pfand für einen 720 Millionen-Euro Kredit der Deutschen Bank an Kirch. Im Juni hatten sich der Unternehmer und die Bank in einem gerichtlichen Vergleich darauf geeinigt, dass Kirch das Aktienpaket bis zum 30. August verkaufen kann, um mit dem Erlös seine Schulden bei dem Kreditinstitut zu bezahlen. Kirch wirft der Deutschen Bank aber Behinderung bei seinen Bemühungen um den Verkauf des Pakets vor und hat vor dem Münchener Landgericht eine einstweilige Verfügung beantragt, über die am 10. September verhandelt werden soll. Die Deutsche Bank bestreitet die Vorwürfe. Sollte Kirch keinen Käufer finden, fällt das Paket an die Bank, die es nach früheren Plänen noch im Herbst an die Börse bringen will.

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