Leo Kirch offenbar kurz vor dem Verkauf seiner 40 %-Beteiligung
Springer und Ringier sprechen über eine Allianz

In der Medienbranche könnte sich eine paneuropäische Verlagsehe anbahnen. Der Axel Springer Verlag, Berlin, (Bild, Welt, Hörzu) und die Schweizer Ringier-Gruppe (Blick, Cash, Schweizer Illustrierte) verhandeln offenbar über eine strategische Allianz, an deren Ende eine Vollfusion der beiden Printkonzerne stehen könnte. Damit würde einer der größten Zeitungskonzerne in Europa mit einem Gesamtumsatz von rund 3,5 Mrd. Euro und mehr als 20 000 Mitarbeitern entstehen.

cbu/lip MÜNCHEN/HAMBURG. Ringier könnte zunächst das 40 %-Paket am Springer-Paket von Leo Kirch übernehmen. "Es zeichnet sich eine Lösung für das Paket ab", sagte dazu gestern Kirch-Anwalt Wolf-Rüdiger Bub in München am Rande einer Gerichtsverhandlung, ohne den Namen Ringier zu nennen. Ein Kaufvertrag sei aber noch nicht geschlossen. Nach Angaben Bubs hat Kirch aber bei Springer schon die Zustimmung zum Verkauf des Pakets beantragt. Dieser Antrag sei jetzt Gegenstand der Aufsichtsratsitzung bei Springer an diesem Freitag. Ringier gilt als Wunschkandidat von Springer, nicht zuletzt auch, um einen Einstieg der ungeliebten WAZ-Gruppe abzuwehren.

Vor dem Landgericht München erreichte Leo Kirch am Dienstag zudem einen Teilerfolg. Danach hat der gescheiterte Münchener Medienunternehmer jetzt noch bis zum 20. September Zeit, das 40 %-Paket auf eigene Rechnung zu verkaufen. Ursprünglich wäre diese Frist Ende August ausgelaufen. Die Deutsche Bank, die das Paket als Sicherheit für einen 767 Mill. Euro-Kredit hat, stimmte der Verlängerung zu. Sie werde Kirch bis zum 20. September Zeit geben, sagte der Anwalt der Deutschen Bank. Deutsche Bank und Kirch hatten sich ohnehin im Vorfeld des Gerichtstermins auf eine Verlängerung der Frist bis Ende September geeinigt. Doch der Vergleich wurde vom vorläufiger Insolvenzverwalter der Kirch-Gruppe, Michael Jaffé, blockiert.

Kirch fordert Preis über derzeitigem Börsenwert

Kirch fordert einen Preis für die 40 %-Beteiligung, der über dem derzeitigen Börsenwert (680 Mill. Euro) liegt. Sollte Kirch sogar mehr als 767 Mill. Euro erlösen (Deutsche-Bank-Kredit), kann er mit einer Provision in Millionenhöhe rechnen. Das hat er mit den Formel-1-Banken (Bayern LB, JP Morgan, Lehman Brothers) verabredet, die ebenfalls Kredite zweitrangig mit dem Springer-Paket abgesichert haben.

"Wir führen weiterhin Gespräche mit Ringier. Zu den Spekulationen über gesellschaftsrechtliche Veränderungen nehmen wir keine Stellung", erklärte ein Sprecherin des Springer-Verlags. Ringier teilte mit, die Verhandlungen gingen nächste Woche weiter.

Gesellschaftsrechtlich erhebliche Veränderungen stehen an

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lte die Fusion zwischen den beiden Printhäusern zu Stande kommt, dürften sich aber gesellschaftsrechtlich erhebliche Veränderungen ergeben. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen der betroffenen Konzerne sind hierbei mehrere Varianten im Spiel. Danach könnten die beiden Verlagshäuser möglicherweise zunächst eine Überkreuzbeteiligung eingehen, die zu einen späteren Zeitpunkt zu einer Verschmelzung der Gesellschaften führt. Dies könnte möglicherweise im Rahmen einer Kapitalerhöhung stattfinden, die dann von der Deutschen Bank begleitet wird. Die zweite Variante sieht vor, dass Ringier den 40 %-Anteil von Kirch zusammen mit einer Schweizer Großbank übernimmt. Davon sollen in zwei bis drei Jahren rund 10 % an der Börse platziert werden und einen Paket von 5 % an die Großaktionärin Friede Springer gehen.

Verlegerwitwe erhält allein die Mehrheit an neuem Verlagsgebilde

Bei beiden Varianten würde die Verlegerwitwe allein die Mehrheit an dem neuen Verlagsgebilde halten. Sie wäre damit ihrem Ziel näher gerückt, den beiden Springer-Enkel, Ariane und Axel Sven, endgültig den Einfluss bei dem Berliner Zeitungsimperium zu entziehen. Friede Springer ist mit 90 % an der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH (ASPG) beteiligt. Ariane und Sven halten jeweils 5 % an der ASPG, die wiederum 50 % plus 10 Aktien am Springer-Konzern besitzt. Axel Sven Springer versucht derzeit juristisch eine Erbvereinbarung anzufechten, um der Verlegerwitwe ihren Springer-Engagement zu entziehen.

Sollte eine Verschmelzung stattfinden, dürfte sich aber vor allem bei Springer-Verlag personell Veränderungen ergeben. Denn nach Informationen des Handelsblatts will Konzernchef Michael Ringier nicht nur in den Aufsichtsrat, sondern auch in den Vorstand rücken, um operativ auf die Verlagsgeschäfte Einfluss zu nehmen. Dass Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner und Finanzvorstand Steffen Naumann dann langfristig ihre Posten behalten, wird in Firmenkreisen von Springer bezweifelt.

Um das 40 %-Paket wird schon seit Monaten verhandelt. Bisher sind die Hypo-Vereinsbank und die Commerzbank mit Übernahmekonzepten gescheitert. Auch die Deutsche Bank, die die Beteiligung breit am Markt streuen wollte, ist nach ersten Sondierungen des Marktes offenbar skeptisch über die Erfolgsaussichten. Ein Einstieg Ringiers wäre dagegen eine für alle Seiten tragbare Lösung.

Quelle: Handelsblatt

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