Leo Kirch soll Macht abgeben
Banken planen Pool-Lösung für Kirch-Gruppe

Banken und Investoren stehen kurz vor einer Einigung zur Übernahme der angeschlagenen Kirch-Gruppe. Aus Verhandlungskreisen verlautete, dass alle Beteiligten Geld nachschießen sollen. Danach soll die Medien-Gruppe grundlegend saniert und an einen Investor aus der Branche verkauft werden.

and/cbu//jojo/mab/wsj MÜNCHEN. In der Zentrale der Bayerischen Landesbank in München wird seit dem Wochenende praktisch ununterbrochen getagt. Die Banken unter der Führung von Bayern LB-Chef Werner Schmidt ringen mit Leo Kirch und den Kirch-Media-Gesellschaftern (Murdoch, Berlusconi, Lehman Brothers und andere) um eine Lösung. Insider rechnen mit einem schnellen Abschluss. Besonders die Bayern LB drückt auf das Tempo.

Die Zeit drängt: Kirch braucht dringend eine Finanzspritze von bis zu 800 Mill. Euro, damit das in der Kirch Media gebündelte Kerngeschäft aus Filmrechtehandel und TV-Stationen am Leben erhalten werden kann. Über eine Kapitalerhöhung wollen sich Banken und Investoren an Kirch Media beteiligen. Der Konzerngründer Leo Kirch würde dadurch seine Mehrheit verlieren. Sein Anteil (derzeit knapp 80 %) könnte auf unter 50 % verwässern. Er ist dem Vernehmen nach auch zum Ausscheiden bereit - ebenso wie sein Vize Dieter Hahn, der nach Aussagen aus Firmenkreisen gehen will, wenn der Patriarch die Mehrheit an Kirch Media abgeben muss.

Am Montag Abend zeichnete sich ab, dass alle Beteiligten, also Banken und Kirch-Media-Gesellschafter, sich an der Rettung beteiligen werden. "Jeder wird einen Anteil nehmen, aber keiner wird das alleinige Sagen haben", verlautete aus Verhandlungskreisen. Mit welchem Anteil die Einzelnen sich beteiligen, wurde gestern noch diskutiert

.

Auf Bankenseite sind die Bayern LB, Hypo-Vereinsbank (HVB), Commerzbank und DZ-Bank, die zusammen über drei Mrd. Euro an Kirch verliehen haben, an Bord. Keines der Institute ist offenbar zu einem Forderungsverzicht bereit. Die Kirch-Media-Investoren sind in den vergangenen Jahren zu völlig überhöhten Preisen eingestiegen und haben jetzt wie die Banken ein Interesse, möglichst gut aus der Krise heraus zukommen.

Damit sind auch Spekulationen hinfällig, die Investoren zusammen oder der Medienunternehmer Rupert Murdoch alleine würden bei der Kirch Media einsteigen. Insbesondere Murdoch wird nach wie vor ein großes Interesse nachgesagt. Durch eine Machtübernahme bei Kirch Media könnte der Australier die Fernsehkanäle Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1, DSF und N 24 für seine Zwecke nutzen. Im Murdoch-Umfeld heißt es in London, "unter den richtigen Umständen" sei das frei empfangbare deutsche Fernsehen für Murdochs News Corp. durchaus interessant. "Das ist schließlich das Geschäft, das wir in den USA betreiben", so ein Top-Manager des Unternehmens. Seine bisherigen TV-Pläne in Europa, vor allem in Frankreich und Italien, aber auch in Deutschland mit Vox und TM3, waren gescheitert. Auch bei Murdochs britischem Bezahl-Fernsehsender BSkyB gibt es inzwischen Hinweise auf den neuen Deutschland-Kurs. Die Briten besitzen 22 % an Kirchs Bezahlfernsehen Premiere, und wollen nach bisherigen Angaben im Oktober die Möglichkeit nutzen, sich gegen Zahlung von 1,7 Mrd. Euro aus dem angeschlagenen Sender zurückzuziehen. "Die Sache ist in Bewegung, zwar langsam, aber in Bewegung", bestätigte ein BSkyB-Sprecher in London die Verhandlungen über den Premiere-Anteil.

Im Gegensatz zu Murdoch hat die italienische Mediaset von Ministerpräsident Silvio Berlusconi offenbar kein Interesse an einem stärkeren Engagement in München. Die beiden Berlusconi-Gesellschaften Mediaset und Fininvest halten je 2,28 % und 2,48 %. Aus Kreisen von Mediaset war gestern zu erfahren, dass man an Rettungsaktionen für Kirch nicht teilnehmen wolle. Die Italiener wollten sich als Minderheitsaktionär aber keinen Lösungen widersetzen. Mediaset selbst werde aber kein weiteres Geld in die Kirch-Gruppe pumpen.

In der Mailänder Finanzszene ist es ein offenes Geheimnis, dass sich Berlusconis Verhältnis zu Leo Kirch im Zuge dessen finanzieller Schieflage abgekühlt hat. Berlusconi wolle als politischer Führer seines Landes auf keinen Fall in einen engen Zusammenhang mit Kirchs "Verliererimage" gebracht werden.

Rewe-Chef Hans Reischl hatte am vergangenen Sonntag in einem Interview gesagt: "Das Kirch-Paket ist für uns eine Finanzbeteiligung. Mehr nicht." Der Handelskonzern ist mit 5,71 % an Kirch Media beteiligt. Weitere Gesellschafter sind der saudische Prinz Al Walled (2,48 %), Capital Research (2,93 %) und die Investmentbank Lehman Brothers (2,48 %). Alle sollen offenbar einen Beitrag zur Sanierung des Konzern leisten.

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