Leo Kirchs Bezahlfernsehen kommt bei den Abonnenten nicht voran
Neuer Anlauf für Premiere

Nach dem Willen der Kirch-Gruppe muss das bisher ausgesprochen verlustreiche Bezahlfernsehen bis 2004 schwarze Zahlen schreiben. Doch die Zahl der Abonnenten stagniert bei 2,5 Millionen.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Die neue, vierköpfige Führung von Premiere World mit Manfred Puffer an der Spitze hat eine schwierige Aufgabe zu bewältigen. In drei Jahren, so die Zielvorgabe der Kirch-Gruppe, muss Premiere die Verlustzone verlassen.

Premiere World, im Herbst 1999 als Zusammenschluss der Pay-TV-Angebote Premiere und DF1 gestartet, bereitet dem Münchner Medienkonzern Milliardenverluste. Denn über die Kirch & Co. KGaA, Unterföhring, ist die Kirch-Gruppe mit 69,75 % an der Premiere Medien GmbH beteiligt. Und die Ausgaben für Programm, Vertrieb, Marketing und Personal sind gewaltig. Bei Premiere arbeiten einschließlich der Call-Center rund 2 500 Mitarbeiter.

1999 waren Verluste von 1,2 Milliarden DM aufgelaufen. Wie hoch sie im Geschäftsjahr 2000 sind, rechnet derzeit Finanzchef Michael Börnicke aus. Branchenkenner gehen davon aus, dass das Schuldenkonto weiter stark wachsen wird.

Interessenskonflikte im Gesellschafterkreis

Die Ungeduld von Aufsichtsratschef Dieter Hahn, rechte Hand von Leo Kirch, ist daher groß. Denn obwohl die Finanzierung für das Abenteuer Bezahlfernsehen derzeit gesichert ist, gibt es im Gesellschafterkreis Interessenskonflikte. Vor allem BSkyB Germany GmbH & Co. KG, Tochter des britischen TV-Konzerns British Sky Broadcasting (BSkyB), will endlich Besserung sehen. Schließlich schlagen die Verluste bei BSkyB - seit Ende 1999 an Kirchs Bezahlfernsehen mit rund 22 % beteiligt - auch in der Bilanz nieder. Der Konzern, dessen Aktienkurs in den letzten zwölf Monaten bereits stark gefallen ist, hat genug eigene Probleme. Der Vorsteuerverlust von BSkyB für das letzte Halbjahr stieg auf 112 Millionen Pfund. An BSkyB ist zu 37,5 % die Medienholding von Rupert Murdoch, News Corp, beteiligt.

Murdoch wurde bei seinem Einstieg eine Ausstiegsklausel eingeräumt, falls die Planzahlen von Premiere World bis Ende 2001 um 20 % unterschritten werden. BSkyB-Chef Anthony Ball machte allerdings vor wenigen Tagen vor Analysten deutlich, dass seine Firma nicht an einen Ausstieg denkt. Sollte es dennoch dazu kommen, hätte das für die Finanzsituation von Premiere katastrophale Folgen.

Neben Kirch und Murdoch sind an Premiere mit Anteilen zwischen 2,4 und 3,12 % der saudische Prinz Al Waleed (Kingdom Holdings 8B.V), der US Capital Research Management Company-Vermögensverwalter und die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers beteiligt.

Manfred Puffer, der seit 1. Januar die Premiere-Geschäfte führt, gilt als Ziehkind Hahns. Der starke Mann des Münchner Medienkonzerns holte den 37-jährigen Manager von der damaligen Bayerischen Vereinsbank in die Holding und setzte ihn als Chef von Kirch Pay TV und Premiere World ein.

Puffer hat seit seinem Amtsantritt in der Öffentlichkeit geschwiegen. Während dessen trieb er die interne Reform voran. Die Verantwortlichkeiten des stark verzweigten Bezahlfernsehens an den Standorten Unterföhring und Ismaning hat er neu verteilt. Darüber hinaus bastelte er an der Progammreform wie am Marketing.

Kanäle ähnlichen Stils wurden verschmolzen

Zum 1. Juli beschloss die Unternehmensspitze, nach dem Vorbild von BSkyB die Marke bei allen Progammangeboten zu stärken. Zudem reduziert der Sender sein Angebot von vier auf drei TV-Pakete, nämlich Movie, Family und Sport. "Unsere Zuschauern finden schneller, was sie suchen", erklärte Produktchef Seger kürzlich. Auch Kanäle ähnlichen Stils wurden verschmolzen, etwa im Comedy- und Spielfilm-Bereich.

Nur die Zahl der Abonnenten stagniert. Nach Informationen des Handelsblatts liegt sie bei 2,5 Millionen Die letzten offiziellen Zahlen wurden im Oktober veröffentlicht. Damals sprach das Unternehmen von 2,2 Millionen Abonnenten, davon 1,7 digital. Das ursprüngliche Ziel von 2,9 Millionen Abonnenten im letzten Jahr wurde verfehlt. Nicht nur das Weihnachtsgeschäft, auch der neue Sex-Kanal namens Beate-Uhse.tv im Frühjahr brachte keinen Durchbruch. Unternehmenssprecherin Gogl erklärt, der Beate-Uhse-Kanal sei in erster Linie ein Instrument der Kundenbindung.

Die Sportberichterstattung wird auf drei Kanäle reduziert, die Preisstruktur ab Juli mit einem Komplettpreis vereinfacht. Er fasst nun Abokosten und Decoder-Miete zusammen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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