Léotard setzt auf deutsche Beteiligung bei Nato-Einsatz
Hoffnungen auf Durchbruch bei Friedensgesprächen in Mazedonien

Mit der Hoffnung auf einen Durchbruch sind die Friedensgespräche im mazedonischen Ohrid am Wochenende in eine neue Runde gegangen. Verhandlungsteilnehmer berichteten am Sonntag von deutlichen Fortschritten.

afp OHRID/SKOPJE. Hauptstreitpunkt sei aber immer noch die Forderung, Albanisch als zweite Amtssprache anzuerkennen, sagte ein Vertreter der mazedonischen Seite. Es sei sehr wahrscheinlich, dass die Gespräche am Montag fortgesetzt würden. Der Vermittler der EU, François Léotard, forderte für den Fall eines Nato-Einsatzes in Mazedonien eine deutsche Beteiligung. Vor dem Parlament in Skopje demonstierten erneut hunderte vertriebene Mazedonier für eine sichere Rückkehr in ihre von Albanerrebellen zerstörten Häuser.

Im Mittelpunkt der am Samstag wiederaufgenommenen Gespräche steht ein Vorschlag der Gesandten von EU und USA, Léotard und James Pardew, nach dem in Gebieten mit einem albanischen Bevölkerungsanteil von mindestens 20 Prozent Albanisch als zweite Amtssprache eingeführt werden soll. Der mazedonische Verhandlungsteilnehmer sagte, die Albaner forderten eine Anerkennung ihrer Sprache auf allen Ebenen, also auch im Parlament. Die slawischstämmigen Mazedonier lehnen diese Forderung ab. Sie sehen in ihr den ersten Schritt zur Spaltung des Landes. Die Albaner stellen zwischen einem Viertel und einem Drittel der zwei Millionen Mazedonier. Nach Angaben des mazedonischen Verhandlungsführers soll voraussichtlich am Montag ein zweiter schwieriger Punkt auf den Tisch kommen: die Einrichtung einer albanischen Polizeitruppe.

Deutsche militärische Präsenz wichtig

Léotard sagte in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus", für Mazedonien sei es "sehr wichtig, die Bundesrepublik als Helfer bei der Überwindung der Krise zu haben". Die politische und militärische Präsenz Deutschlands bei europäischen Krisen sei wichtig. Unter deutschen Politikern ist ein Nato-Einsatz in Mazedonien umstritten. Die Allianz soll nach einem dauerhaften Waffenstillstand Waffen der Albanerrebellen einsammeln.

In und um Tetovo waren auch in der Nacht zum Sonntag wieder Schüsse zu hören. Nach Angaben eines Armeesprechers schlugen bei einer Armeestellung vier Granaten ein. Dabei wurde jedoch niemand verletzt. Brandstifter hätten in den Orten Lesok und Neprosteno zudem 18 Häuser von geflohenen slawischstämmigen Mazedoniern angezündet. Bereits am Samstag waren in Tearce fünf Häuser niedergebrannt worden. In der Hauptstadt Skopje demonstrierten auch am Sonntag wieder rund hundert vertriebene Mazedonier vor dem Parlament. Sie forderten ein härteres Vorgehen der Armee gegen die Rebellen.

Ein Kommandeur der "Nationalen Befreiungsarmee" UCK kündigte an, die Albanerrebellen würden ihre Waffen sofort niederlegen, wenn bei den Gesprächen eine Einigung erzielt werde. Trotz eines am 5. Juli vereinbarten Waffenstillstands war es wiederholt zu Schusswechseln gekommen.

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