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Lerneffekt

Das große Dotcom-Sterben hat die Erwartungen der Bewerber verschoben.

Was im vergangenen Jahr begann, findet auch zurzeit noch seine Fortsetzung: Die Entzauberung der Internet-Ökonomie. Angesichts sich häufender Pleite-MeIdungen in der New Economy beschleicht einen dass ungute Gefühl, der Kalenderspruch "Wer hoch steigt, wird tief fallen" könnte doch nicht so ganz weit hergeholt sein. Allen Kassandrarufen zum Trotz werden aber weiterhin neue Dotcoms gegründet. Einige von Ihnen werden künftig vielleicht wirklich zu den dominierenden Firmen ihrer Branche oder sogar der Welt werden. Ob die New Economy als solche lebensfähig ist, wird sich aber erst noch entscheiden. Die Turbulenzen an den Wachstumsmärkten legen sich erst langsam, die allgemeine Konsolidierungsphase war auch im ersten Halbjahr 2001 immer noch nicht abgeschlossen.

Dafür haben alle Beteiligten in der turbulenten Zwischenzeit etwas gelernt, sogar prägende Erfahrung gesammelt. Zuletzt wohl vor allem die, dass auch maximales Engagement nicht vor Entlassung schützt und dass man mit dem Cityroller nicht nur über Flure, sondern auch ins Schwimmbad flitzen kann. Zunächst heisst die Devise gesundschrumpfen. Vieles haben die Marktgesetze schon vor Jahresfrist erledigt. Die Internet-Blase ist geplatzt, wer sich vor dem Untergang retten konnte, sieht zu dass er die rettende Planke mit möglichst wenig Gewicht befrachtet.

Eine schwierige Situation für Job-Interessenten. Doch gute Fachkräfte werden nach wie vor gesucht. Und auch für sie ist die Zeit der Dotcom-Illusionen definitiv vorbei, das zeigt sich am deutlichsten an ihren Wünschen. Wer jetzt in der New Economy auf Jobsuche geht, erwartet mehr Sicherheit und bessere Möglichkeiten an dynamischen Prozessen teilzuhaben. Dies ist das Ergebniss einer Studie der Jobvermittlungsplattform Rarecompany, in der junge Fachkräfte zwischen 25 und 30 Jahren zu ihren Erwartungen an die Internet-Economy befragt wurden.

Fazit: Das Interesse an einem Berufseinstieg in der New Economy ist weiterhin groß, man besinnt sich aber bei den Rahmenbedingungen auf Werte, die schon die Generation der Väter zu schätzen wusste: Solide strategische Unternehmenskonzepte und ein Durchschnittsgehalt mit Zusatzleistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld (das jeder dritte Befragte favorisierte). Aktionoptionen sind bei den Bewerbern völlig out. Da liegt die Vermutung nahe, dass auch die Saftbar, der Kicker, die Dartscheibe und der Bügelservice nur noch von geringem Interesse sind.

Von noch größerem Interesse ist ein Wunsch, der von jeher Motor der Wirtschaft war. Nicht in Studien, aber hinter vorgehaltener Hand äußern die meisten Berufsanfänger, dass sie immer noch auf das große Geld in den frühen Berufsjahren hoffen. Nicht zuletzt, weil sie nur in der New Economy die Chance sehen, schon früh auf Posten mit großer Verantwortung zu kommen. Dafür nehmen sie gerne das höhere "Branchen-Risiko" in Kauf. Was zeigt, dass sie die Regeln begriffen haben.
Durchhalten heisst die Parole. Schließlich findet bis heute auch in Alaska noch so mancher eine Goldader.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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