Lernen im Computer-Zeitalter
Multimedia statt muffiger Seminarraum

Regelmäßige Schulungen von Mitarbeitern sind für viele Unternehmen angesichts der sich rasant verändernden Arbeitswelt unentbehrlich geworden. Doch traditionelle Lehrmethoden sind kostspielig und können oft nicht mit der Schnelligkeit technischer Neuerungen mithalten. Besonders Großunternehmen bilden ihre Mitarbeiter deshalb zunehmend in virtuellen Klassenzimmern aus. Das so genannte E-Learning soll Zeit und Kosten sparen.

HB/dpa STUTTGART. Doch die Fortbildung per Mausklick ist meist nur Ergänzung zu traditionellen Präsenz-Seminaren. Die von manchen Anbietern geweckte Hoffnung, die Online- Weiterbildung in Seminaren ohne menschliche Anleitung oder von zu Hause aus könne herkömmliche Schulungen ersetzen, hat sich bisher nicht erfüllt. Zu diesem Fazit kamen Experten jüngst bei der Branchenmesse LearnTec in Karlsruhe, und es wird erwartet, dass die Diskussion auf der CeBIT weitergeht.

"E-Learning sollte nicht alleine stehen, sondern eine Komponente in der Ausbildung sein", sagt Andrea Grode, Leiterin Learning Services Zentraleuropa bei IBM. Der Computerkonzern setzt bei der Ausbildung von weltweit 330 000 Mitarbeitern auf einen Methodenmix, der zu 40 Prozent aus E-Learning besteht. 395 Millionen US-Dollar (454 Mio Euro) habe IBM im vergangenen Jahr durch den Einsatz elektronischer Schulungsmethoden eingespart, etwa bei den Reisekosten.

Doch vor allem mittelständische und kleine Unternehmen schwören nach wie vor auf klassische Weiterbildung, wie Umfragen belegen. Eine aktuelle Studie der DEKRA Akademie ergab, dass nur die Hälfte der Unternehmen in der Dienstleistungsbranche das Lernen via Internet oder Firmen-Intranet nutzt. Nur zwölf Prozent der rund 100 befragten Unternehmen gaben an, dass sie durch E-Learning ihre Fortbildungskosten senken konnten. "Es fehlen Angebote für Mittelständler", sagt Hans-Jochen Lückefett, Vorsitzender des D21-Arbeitskreises Bildung und Ausbildung. Schließlich sei es ein Unterschied, ob 200 oder 20 Mitarbeiter geschult werden sollen.

Untersuchungen der Initiative D21, eines Zukunftsnetzwerks aus Unternehmen, Wissenschaft und Politik, zeigten zudem, dass sich die Debatte um elektronisches Lernen zu sehr auf die Technik konzentriere. "Die Diskussion ist zu techniklastig, Informatiker müssten mal mit Pädagogen reden", sagt Lückefett. Zusätzlich erschwert werde der Zugriff auf E-Learning- Module vom heimischen Computer durch zu langsame oder instabile Verbindungen.

Düsseldorfer Medienforscher deckten im November ein weiteres Problem auf. In drei Viertel der Unternehmen, die E-Learning einsetzen, gebe es kein Konzept zur Kombination mit klassischen Schulungsformen, ergab eine repräsentative Umfrage der Michel Medienforschung und Beratung (MMB) in 604 Unternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten. Um Abhilfe zu schaffen, wollen die Berliner Steinbeis-Hochschule und die IC eLearning AG aus Bad Homburg künftig gemeinsam so genannte eTrainer und eLearning-Manager ausbilden.

Eintauchen in die Multimedia-Welt können inzwischen auch Studierende, zum Beispiel an der Universität Stuttgart. Noch in diesem Jahr will das Institut für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb (IFF) dort erste Vorlesungen durch Kurzfilme und Interviews ergänzt ins Internet stellen. In den USA ist diese Praxis bereits etabliert. Bedenken, dass die Studierenden nicht mehr in den Hörsaal kommen, hat IFF-Leiter Engelbert Westkämper nicht. "Bei Filmmaterial ist es eigentlich egal, ob man es im Hörsaal erlebt oder es online zu Hause serviert bekommt. Vieles lässt sich jedoch nur in einer Lernsituation vermitteln, in der sich Lehrer und Lernender gegenüberstehen."

Links zum Text:
www-5.ibm.com/de/learning/elearning
www.mmb-institut.de
www.iff.uni-stuttgart.de

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