Lernen Sie, Zeitsouveränität entwickeln
Stichwort Zeitmanagement: Wie kann ich das alles schaffen?

Lang ist´s her, da der Arbeitstag einer Führungskraft um acht Uhr begann und um 18 Uhr aufhörte, da man am Werktag arbeitete und am Feiertag feierte. Heute stehen zwischen Business Breakfast und Business Dinner viele Meetings auf der Agenda. Hin- und Rückfahrten werden für Telefonate, Wartezeiten für den Abruf von E-Mails, Abende und Sonntage für das Lesen von wichtigen Informationen, Nächte für die Kommunikation mit Partnern aus anderen Zeitzonen genutzt . . .

Die Verfügbarkeit des Managers für geschäftliche Kommunikation dehnt sich unaufhaltsam aus, auch in die intimsten privaten (Zeit-)Räume hinein, so dass unklar wird, ob Sie sich gerade im privaten oder im geschäftlichen Modus befinden. Bewusstlos werden längerfristige oder persönliche Ziele auf eine imaginäre spätere Zeit verschoben: "Das mache ich, wenn ich mehr Zeit habe." Zur Zeitillusion tragen die vielen Zeitmanagementseminare bei: Danach müssten zunächst 200 E-Mails gesichtet werden, und schon ist das schöne neue Zeitsystem auf dem Stapel von 50 "Action Items" verschwunden. Aufräumaktionen oder eine Optimierung der Terminplanung helfen ebenfalls nicht weiter, weil in die gewonnenen Freiräume sofort neue Wellen von Arbeit hineinströmen. Hinzu kommt der Druck der Familie: Zu Hause ist die berufliche Situation nicht nachvollziehbar, die Familie schimpft auf den Workaholic, Sie reagieren mit heftigen Schuldgefühlen und guten Vorsätzen.

Sobald Sie die Frage stellen "Wie kann ich das alles schaffen?", sind Sie verloren. Sie bekommen ein schlechtes Gewissen und schlimmstenfalls Herzprobleme. Aber es gibt sie, die Wege zur Zeitsouveränität: Stellen Sie sich den Tatsachen. Der Arbeitsdruck ist unmenschlich groß, die Arbeitsmenge nicht zu schaffen - nicht einmal mit größter Anstrengung.

Ziehen Sie Konsequenzen. Streichen Sie Aktivitäten, zum Beispiel ein Drittel aller Ihrer persönlichen Aufgaben und Gespräche. Sie lesen richtig: Entscheiden Sie, Dinge nicht zu erledigen, jetzt nicht und später auch nicht, entscheiden Sie, nicht teilzunehmen an wichtigen Meetings.

Spannen Sie Kollegen und Mitarbeiter ein. Delegieren Sie ein weiteres Drittel Ihrer Aufgaben, auch wenn Sie heute überzeugt sind, dass diese dann nicht so gut erledigt werden.

Verschieben Sie Dringendes. Sie werden anders gewichten.

Bestimmen Sie Zeitgrenzen. Werfen Sie von den restlichen zu bearbeitenden Unterlagen alles das weg, was Sie vier Wochen lang nicht in der Hand hatten und was Sie nicht sofort erledigen können. Gehen Sie so auch mit den Utensilien Ihres Hobbys um, die Sie schon seit Jahren nicht mehr benutzt haben: Holen Sie sie jetzt sofort, spätestens heute abend, hervor und "wenden Sie sie an" - oder verschenken Sie sie.

Konzentrieren Sie sich auf Wichtiges. Beschäftigen Sie sich dagegen dauernd, das heißt mehrmals täglich, mit Ihren drei wichtigsten beruflichen und Lebenszielen und den dazu gehörenden Aktivitäten. Schreiben Sie sie auf und kontrollieren Sie mindestens wöchentlich Fortschritte.

Identifizieren und eliminieren Sie Ihre persönlichen Zeitillusionen. Weg mit den Fachzeitschriften auf dem Nachttisch, die - ungelesen - beim Zubettgehen und beim Aufstehen Ihr schlechtes Gewissen stimulieren. Was Sie nicht sofort lesen, werfen Sie in den Papierkorb, denn morgen gibt es schon wieder neue Blätter. Weg mit den To-do-Listen und den gelben Zetteln an der Pinnwand.

In Zukunft gehören Sie nur dann zu den exzellenten Managern, wenn Sie Ihre Situation realistisch einschätzen, ohne Illusionen, und wenn Sie sich Inspiration, Humor, Lebensfreude, Distanz und Ihre Träume bewahren. Dazu müssen Sie zwingend Impulse aus Kunst, Literatur, Natur und Mußezeiten nutzen. Allerdings fällt es Menschen, die sich jahre- oder jahrzehntelang in die kollektive Zeitsklaverei begeben haben, oft schwer, Zeitsouveränität zu entwickeln. Das selbstgeschnürte Korsett gibt Halt selbst dann, wenn es zu eng zum Atmen geworden ist. Wie können Sie sich motivieren?

Ursachenforschung. Klären und würdigen Sie, was Zeitstress für Sie positiv leistet. Coaching. Planen Sie Ihren individuellen Weg zur Zeitsouveränität mit einem persönlichen Coach.

Einstellung. Nehmen Sie jeden Moment Ihres Lebens bewusst wahr und lernen ihn schätzen, gleich ob Sie Ihre Zahlen planen, nachdenkend die Stufen zum Flugzeug hochsteigen, lesen, kommunizieren oder ein Glas Wasser trinken.

Distanz. Für Sie ist jetzt alles richtig, was Ihnen hilft, die Arbeit in der richtigen Relation zu sehen.

Gegen Ihr schlechtes Gewissen. Steuern Sie Ihre Gedanken, indem Sie sich Ihre enormen Leistungen vergegenwärtigen.

Belohnen Sie sich täglich. Durch einen Kinobesuch, ein Gespräch mit Freunden, einen Besuch im Museum, eine interessante Fortbildung, einen Spaziergang oder ein Tennismatch, einmal Ausschlafen, eine Viertelstunde zum Träumen...



Die Autorin ist Top-Executive-Coach und Inhaberin der Dorothee Echter Unternehmensberatung, München.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%