Lernen vom Mentor
Locker im Umgang, hart in der Sache: Klaus Kleinfeld

Für Überraschungen ist Klaus Kleinfeld immer gut. Mitte November beispielsweise versenkte der 47-Jährige, der in vier Wochen Chef des Weltkonzerns Siemens wird, bei einem Abendessen einfach das Mobiltelefon eines Journalisten in einem vollen Wasserglas. Das Gerät des finnischen Konkurrenten Nokia gab natürlich den Geist auf. Als Ausgleich bekam der verblüffte Journalist zwei neue Handys von Siemens.

Der Münchener High-Tech-Konzern wird sich umstellen müssen, wenn der impulsive Kleinfeld die Führung übernimmt. Denn für spontane Aktionen ist der Konzern mit 430 000 Mitarbeitern, 75 Milliarden Euro Umsatz und weltweiter Präsenz nicht gerade bekannt. Doch der gebürtige Bremer und leidenschaftliche Marathonläufer will als neuer Chef des Weltkonzerns Siemens Tempo machen. Vorgänger Heinrich von Pierer, der sich mit der Hauptversammlung am 27. Januar an die Aufsichtsratsspitze zurückziehen wird, sieht den jugendlichen Drang seines Nachfolgers mit Wohlwollen. Kein Wunder, er hat den promovierten Diplom-Kaufmann schon lange zu seinem Nachfolger aufgebaut.

Von Pierer geht zwar, die Probleme aber bleiben. Erste Amtshandlung Kleinfelds wird es sein, eine neue Strategie für die schwer angeschlagene Handy-Sparte zu finden. Die Mobiltelefone haben zuletzt erneut hohe Verluste eingefahren, schnelle Besserung ist nicht in Sicht.

Schon seit Jahren versucht Siemens, das Geschäft in die Gewinnzone zu führen. Doch bisher ohne Erfolg. Ein Verkauf der Sparte oder die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit einem Partner, etwa aus Korea oder China, ist im Gespräch. Doch die Lage ist verfahren. Siemens wird den wertvollen Markennamen wohl kaum abgeben, als No-Name-Geschäft ist die Handy-Sparte aber nahezu unverkäuflich.

Kleinfeld muss also nicht lange auf seine erste Bewährungsprobe warten. Bisher hat der hoch gewachsene Sonnyboy, locker im Umgang, aber hart in der Sache, alle Aufgaben mit Bravour gemeistert. 1987 heuerte der Vater zweier Töchter bei Siemens an und machte sich zunächst in der internen Unternehmensberatung einen Namen. Dann wechselte er zum Bereich Medizintechnik. 2001 übernahm er das Siemens-Geschäft in den USA. Kleinfeld machte das langjährige Sorgenkind nicht nur wieder profitabel. Er bewies sich auch als geschickter Lobbyist: von Bill Gates über die Politik in Washington bis zum Aufsichtsrat der New Yorker Oper - der agile Siemens-Manager war überall präsent.

Damit kommt er seinem Mentor schon ziemlich nahe. Von Pierer ist ein Meister des Networkings, nahezu überall in der Welt pflegt er beste Kontakte. Beziehungen, die er für seinen Nachfolger Kleinfeld in den vergangenen Monaten öffnete, in der deutschen Politik, aber und vor allem auch auf den wichtigen Märkten in Asien.

Eine Hausmacht in der Münchener Zentrale am Wittelsbacher Platz muss Klaus Kleinfeld sich aber erst noch aufbauen. Gespannt darf man besonders sein, wie er mit dem mächtigen Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger harmonieren wird. Dem ehemaligen Investmentbanker wurden selbst Ambitionen auf den Chefsessel nachgesagt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%