Lernunterschiede bis zu zwei Jahre
Pisa: Ergebnisse im Überblick

Die innerdeutsche PISA-Studie verdeutlicht ein drastisches Bildungsgefälle zwischen den einzelnen Bundesländern. Hier erfahren Sie die wichtigsten Einzelheiten aus der 254 Seiten umfassenden Studie.

dpa BERLIN. Die innerdeutsche Pisa-Studie verdeutlicht ein drastisches Bildungsgefälle zwischen den einzelnen Bundesländern. Hier die wichtigsten Einzelheiten aus der 254 Seiten umfassenden Studie.

Leistungsgefälle: Innerhalb der Bundesrepublik sind die Leistungsunterschiede erheblich. Beim Vergleich aller 15-jährigen Schüler in Sachen Lesekompetenz und Mathematik entspricht der Lernvorsprung der Testbesten aus Bayern zum Schlusslicht Bremen eineinhalb bis zwei Schuljahre. In den Naturwissenschaften ist dies etwas weniger.

Die Besten und die Schlechten: Die Rangreihe der Länder auf der Basis der Leistungen der 15-Jährigen aller Schulformen sind in etwa gleich. Das obere Drittel bilden beim Lesen die Länder Bayern, Baden- Württemberg, Sachsen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. In Mathematik treten an die Stelle der beiden zuletzt genannten Länder Thüringen und Schleswig-Holstein, in den Naturwissenschaften Thüringen und Rheinland-Pfalz. Am anderen Ende der Verteilung stehen jeweils die Länder Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Bremen.

Gymnasium: Das Bild verändert sich erheblich, wenn nur die Gymnasiasten in der 9. Klasse verglichen werden. Bayern bleibt beim Lesen Spitzenreiter, gefolgt von den gleichauf liegenden Ländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen. In der Mathematik liegen Bayern, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern vorn. In den Naturwissenschaften erreicht Schleswig-Holstein den Spitzenplatz, Baden-Württemberg und Bayern liegen an zweiter Stelle.

Insgesamt zeigt die Gymnasial-Auswertung, dass das viel zitierte Süd-Nord-Gefälle so nicht existiert. Auch eine Überlegenheit von Ländern mit Zentralabitur lässt sich dabei nicht belegen.

Die Spitzenschüler: Beim bundesweiten Vergleich der besten fünf Prozent Schüler je Bundesland kommt wiederum Bayern auf Platz eins - und überraschend Schlusslicht Bremen auf Platz zwei, gefolgt von Baden-Württemberg.

Sozialstruktur: Zwischen den Ländern gibt es große Unterschiede bei der Zahl der Ausländerkinder und der Sozialhilfequote. Wird dies beim Länder-Leistungsranking berücksichtigt, gibt es erhebliche Verschiebungen. Beim Lesen, dem Pisa-Hauptuntersuchungsfeld, bleiben Bayern und Baden-Württemberg zwar an der Spitze. Auf dem dritten Platz liegt dann aber Sachsen gleichauf mit Nordrhein-Westfalen, direkt dahinter Rheinland-Pfalz.

Soziale Selektion: In keiner anderen Industrienation ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg so stark ausgeprägt wie in Deutschland. Dabei finden sich auch Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern - selbst bei Kindern mit gleichen kognitiven Grundfähigkeiten und gleicher Lesekompetenz. Ein Kind von Eltern aus der obersten sozialen Schicht hat in Bayern eine 10,5 Mal höhere Chance auf einen Gymnasialbesuch als ein Kind aus einer Facharbeiterfamilie. In Baden-Württemberg liegt diese Quote bei 5,8, im Saarland bei sechs und in Nordrhein-Westfalen bei 6,5. Die geringsten sozial bedingten Unterschiede bei der Chance auf einen Gymnasialbesuch finden sich in den neuen Bundesländern.

Risikoschüler: Schon Pisa-International hatte aufgezeigt, dass in Deutschland der Anteil von "Risikoschülern" überdurchschnittlich groß ist. Diese Schüler haben erhebliche Schwierigkeiten, selbst einfachste Texte zu verstehen und würden bei den Aufnahmeprüfungen der Kammern für einen Lehrberuf scheitern. Auch bei dieser Risikogruppe gibt es erhebliche Länder-Unterschiede. Mit sechs Prozent ist die Zahl in Bayern am geringsten und entspricht dem OECD - Durchschnitt, liegt aber noch immer wesentlich höher als im Pisa - Spitzenland Finnland. In anderen Bundesländern erreicht dieser Wert im Extremfall das Dreifache des bayerischen Wertes. Ähnlich sieht es in Mathematik aus.

Ausländerintegration: Die Förderung von Ausländerkindern gelingt in Bayern am besten. Die mittlere Leistung der bayerischen Schüler mit Migrationshintergrund entspricht dem Bundesdurchschnitt der Gesamtgruppe der Neuntklässler. Gleichwohl hat Bayern weit weniger Kinder mit problematischem Migrationshintergrund, anders als Schlusslicht Bremen. Der Stadtstaat hat mit 40,7 % den mit Abstand höchsten Anteil von Migrantenkindern, deren beide Elternteile im Ausland geboren wurden, und zwar überwiegend in der Türkei oder ehemaligen Ostblockländern.

Vergleicht man innerhalb der Bundesländer die Leistungen der Jugendlichen aus Familien mit und ohne Migrationshintergrund, so zeigen sich die größten Unterschiede beim Lesen in Nordrhein- Westfalen und Bremen, die geringsten in Schleswig-Holstein und Bayern. In der Mathematik zeigt sich der größte Unterschied im Saarland, in Bremen und in NRW, der geringste in Hessen, Schleswig- Holstein und Niedersachsen. In den Naturwissenschaften weisen Bremen und NRW die größten, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz die geringsten Unterschiede auf.

Internationaler Vergleich: Mit Bayern erreicht lediglich ein Bundesland im internationalen Vergleich das obere Leistungs-Drittel der 31 gewerteten Industriestaaten. Dabei landet der Freistaat beim Lesen auf dem 10. Platz - zwischen Schweden und Österreich, in Mathematik auf dem 11., in den Naturwissenschaften auf dem 12. Platz. Trotz dieser deutschen Bestleistung bleibt der Abstand zum "Pisa- Sieger" Finnland erheblich. Er entspricht nach Rechnung der Forscher dem Lernzuwachs von einem bis eineinhalb Schuljahren. Baden- Württemberg folgt beim Lesen erst auf Platz 17 - und erreicht damit den OECD - Durchschnitt.

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