Lettlands Konjunktur unter der Lupe
Schnelles Wachstum mit Gefahr der Überhitzung

"Sehr gut", kommentierte der sichtlich erleichterte Zentralbankpräsident Ilmars Rimsevics Mitte September 2003 die gerade bekannt gewordene Veränderungsrate des lettischen BIP im 2. Quartal. Das Aufatmen des Währungshüters hing damit zusammen, dass mit den verzeichneten 6,2 % die Gefahr einer möglichen Überhitzung der einheimischen Wirtschaft vorerst abgewendet schien.

RIGA.Entsprechende Befürchtungen waren aufgekommen, nachdem in den Quartalen zuvor mit 8,3 und 8,8 Rekordraten zu verzeichnen gewesen waren. Dass sich diese überhaupt zu derartigen Höhen aufschwingen konnten, kam für viele Beobachter schon einem kleinen Wunder gleich. Nach 6,1% im Vorjahr wurde ursprünglich fest mit einer leichten Verlangsamung gerechnet. Immerhin hat Russland seit Anfang des Jahres offiziell keinen einzigen Tropfen Rohöl durch die Pipeline in den lettischen Überseehafen von Ventspils pumpen lassen.

>>Grafik

Dem lettischen Staat sind somit Einnahmen aus den Transitgebühren in beträchtlicher Höhe entgangen. In Schätzungen ist die Rede von mehr als 2% des BIP, die zuletzt mit dem Transport russischen Öls per Pipeline über lettisches Gebiet erwirtschaftet werden konnten.

>>Tabelle

Doch negative Auswirkungen des "Trockenlegens" für die Wirtschaft sind bisher ausgeblieben. Dies nicht zuletzt wohl auch, weil sich stattdessen die lettische Eisenbahn wesentlich stärker als früher in die Pflicht genommen sah. Allein in den ersten sieben Monaten 2003 bewegte sie gut ein Fünftel mehr Transitgüter als im Vorjahreszeitraum, wobei der Löwenanteil paradoxerweise auf Öl und Ölprodukte entfiel.

Dank des Ausbleibens negativer Auswirkungen des "Ventspils-Effektes" kann sich das Wirtschaftsministerium sogar eine Expansion des BIP auf überaus hohem Niveau vorstellen. Minister Juris Lujans rechnet aktuell mit 7,8% auf Jahresbasis. Optimistisch blickt auch sein Kollege vom Finanzressort, Valdis Dombrovskis, in die Zukunft. Doch legt dieser die Latte für 2003 etwas niedriger an. Nach seiner Einschätzung, die von zahlreichen unabhängigen Analysten geteilt wird, dürfte das BIP-Plus zum Jahresende wohl eher 6,5% erreichen.

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