Letzte Chance für Milan
Gipfeltreffen am Mittwoch im Old-Trafford-Stadion

Der entzündete Blinddarm von Spaniens Superstar Raul hat bei Manchester United die Hoffnung auf ein Fußball-Wunder im Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid neu entfacht.

dpa MANCHESTER/HAMBURG. "Tatsächlich? Ich hoffe, es ist nichts harmloses", reagierte Manchesters Trainer Sir Alex Ferguson stillos auf die ersten Gerüchte aus Spanien, dass der treffsicherste Schütze der "Königlichen" erkrankt sei. Am Ostermontag folgte die Gewissheit, dass dem 25-jährigen Raul in einer Notoperation der entzündete Blinddarm entfernt wurde. Er fällt damit nicht nur für das Gipfeltreffen am Mittwoch (20.45/RTL) aus, sondern ist auch im Halbfinale (6. und 14. Mai) nicht einsetzbar.

Schon nach der denkwürdigen 1:3-Niederlage im Hinspiel, als der englische Rekordmeister phasenweise regelrecht vorgeführt wurde, hatte sich Ferguson nichts sehnlicher gewünscht als einen Ausfall des zweifachen Torschützen Raul. "Unsere Hoffnung fürs Rückspiel ist, dass Raul die Einreise nach England verweigert wird", hatte der Schotte gescherzt, weshalb Spaniens Sportblatt "As" argwöhnte: "Sir Alex steht anscheinend mit übernatürlichen Kräften in Verbindung".

Für Franz Beckenbauer hat Real Madrid aber auch ohne Raul alle Chancen, im "Old-Trafford-Stadion" zu bestehen und im Endspiel an gleicher Stätte als erste Mannschaft den Champions-League-Titel zu verteidigen. "Real ist nicht Raul, Real ist Raul, Zidane, Figo und Roberto Carlos. Das Spiel und die Verantwortung ist auf mehrere Schultern aufgeteilt", urteilte der "Kaiser" und unterschlug dabei noch "Weltfußballer" Ronaldo. Real widerlege regelmäßig die These, "dass zu viele Stars nebeneinander sich nicht entfalten können".

Allerdings geriet das "weiße Ballett" seit der weltweit bestaunten Hinspiel-Lehrstunde in der heimischen Meisterschaft bedenklich aus dem Takt. Die Elf von Trainer Vicente del Bosque holte aus den letzten beiden Punktspielen nur einen Zähler und hat seinen einst komfortablen Vorsprung bis auf einen Punkt aufgebraucht. "Nun herrscht Panik bei Real. Die Anhänger zittern, und das Schlimmste ist: Sie haben allen Grund dazu", schrieb das Sportblatt "Marca".

Manchester United indes eroberte in den letzten beiden Wochen durch drei Spiele ohne Niederlage die Tabellenführung in der Premier League. Allerdings muss der englische Rekordmeister mit Paul Scholes und Gary Neville zwei gesperrte Stützen ersetzen. Dies bereitet Ferguson mehr Kopfzerbrechen als die Schlagzeilen des Boulevard über einen angeblichen Flirt von David Beckham mit dem kommenden Gegner.

Englands Superstar hatte sich in einem Interview auf die Frage, ob er sich einen Wechsel zu Real vorstellen könne, nur geantwortet: "Ich sage niemals nie."

Im zweiten Viertelfinal-Duell am Mittwoch steht der AC Mailand gegen Ajax Amsterdam in der Pflicht, sein komfortables 1:1-Polster aus dem Hinspiel zu nutzen. Nach der blamablen 0:1-Heimniederlage am Samstag gegen Empoli und dem damit verbundenen Aus im nationalen Titelrennen ist die Champions League für die Italiener die letzte Möglichkeit, die Saison noch zu retten. "Wir sind noch immer wütend, und werden dieser Wut freien Lauf lasen", versprach der Ukrainer Andrej Schewtschenko.

Beide Teams haben große Personalprobleme. Ajax-Trainer Ronald Koeman beklagt gleich 15 angeschlagene Spieler, Milan-Coach Carlo Ancelotti muss seine Mittelfeldachse ersetzen. Trotzdem wird sich der formschwache Weltmeister Rivaldo, der zuletzt nur als "Stehgeiger" auffiel, wohl nur auf der Ersatzbank wiederfinden. Immerhin kann Ancelotti auf seinen Kapitän Paolo Maldini zurückgreifen, der mit einer Gesichtsmaske seinen Nasenbeinbruch schützen will.

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