"Letzte Möglichkeit, ihn zu stoppen": Mutmaßlicher Fortuyn-Mörder vor Gericht

"Letzte Möglichkeit, ihn zu stoppen"
Mutmaßlicher Fortuyn-Mörder vor Gericht

Gut zehn Monate nach dem spektakulären Mord an dem niederländischen Rechtspopulisten Pim Fortuyn hat in Amsterdam der Prozess gegen den mutmaßlichen Attentäter begonnen. Der 33 Jahre alte Volkert van der Graaf bekräftigte am Donnerstag vor Gericht sein bereits in der Voruntersuchung abgelegtes Geständnis.

HB/dpa AMSTERDAM. Der Tierschutz-Aktivist ist angeklagt, den Politiker am 6. Mai 2002 in Hilversum - wenige Tage vor der Parlamentswahl in den Niederlanden - erschossen zu haben. Fortuyn hatte in wenigen Monaten die politische Landschaft der Niederlande grundlegend verändert.

Erst einen Tag zuvor habe er den Entschluss gefasst, gegen Fortuyn vorzugehen, weil er in ihm eine Gefahr für die Gesellschaft gesehen habe, erläuterte Van der Graaf vor Gericht.

Im schwer gesicherten Justizgebäude versicherte der Angeklagte, dass er Fortuyns Gedankengänge schon aus dessen früherer Tätigkeit als Kolumnist der Zeitschrift "Elsevier" kannte. "Seine Ansichten fand ich schon damals bedenklich", schilderte er. Er räumte ein, mit anderen seine Sorgen über Fortuyn erörtert zu haben. Seine Attentatspläne habe er aber mit niemandem besprochen.

Van der Graaf bestätigte Ermittlungserkenntnisse, wonach er seit 22. März auf seinem privaten Computer nachgespürt hatte, wo Fortuyn im damaligen Wahlkampf zur Parlamentswahl am 15. Mai auftreten wollte. Nach einem vorab angekündigten Rundfunkinterview in Hilversum tötete er sein Opfer mit fünf Schüssen aus einer Pistole, nach eigener Darstellung aus eineinhalb Meter Abstand.

"Ich sah die Gefahr immer größer werden", erläuterte der Angeklagte sein Motiv. Eine andere Möglichkeit, Fortuyn zu stoppen, habe er nicht mehr gesehen. Dabei habe er noch gehofft, dass sich alles von selbst auflösen würde. Aber mit seinen ausländerfeindlichen und polarisierenden Parolen sowie der Kritik an den etablierten Parteien habe der Politiker immer mehr Echo bei den Wählern gefunden. Selbst die Entlassung durch die Partei "Leefbaar Niederland" ("Lebenswerte Niederlande"), der sich Fortuyn zunächst angeschlossen hatte, habe seine Popularität nicht bremsen können.

Van der Graaf ist wegen Mordes, wegen illegalen Besitzes einer Waffe, von Munition und von Sprengstoff sowie wegen Bedrohung eines Augenzeugen mit der Pistole angeklagt. Die Waffe, die er bei der Festnahme nahe dem Ort des Anschlags in der Tasche trug, hat der Angeklagte nach eigenen Angaben in einer Kneipe in Ede bei Arnheim gekauft. Später wurden in der Garage in seinem Haus in Harderwijk Chemikalien entdeckt, die nach Darstellung der Justiz als Sprengstoff genutzt werden konnten.

Für das Verfahren sind drei Tage angesetzt. Das Urteil wird Mitte April erwartet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%